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Heino als Wanderer zwischen den Musikwelten

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
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Heino (r.) bot ein eher atypisches Kirchenkonzert, das beim älteren Publikum für manche Irritationen sorgte und bei den jüngeren Besuchern zu Gefühlsausbrüchen führte. Foto: Schmitz

Düren. Volksbarde und neuer Alt-Rocker, Troubadour und Heavy- Metallist: Heino überraschte, verzückte, berauschte und verblüffte sein Publikum bei seinem Konzert in der Annakirche. Den langen Mantel, der in jüngster Zeit zu seinem Markenzeichen geworden ist, hatte er an der Garderobe gelassen und auch auf das auffällige Kreuz hatte der 75-Jährige verzichtet.

Stattdessen stand er sich im feinen Tuch unter dem Altarkreuz ein, um mit seiner Bariton-Stimme „Die Himmel rühmen“ zu präsentieren, ein Programm, das es in sich hatte und nicht wenige, meist ältere Zuhörer, in einigen Phasen eher irritierte als begeisterte.

Heino, der Volkssänger, ist zu einem Crossover-Spezialisten geworden, ein Wanderer zwischen den musikalischen Welten. Er springt von Mozart zu den Ärzten, von Beethoven zu Ramstein, von Tschaikowski zu Leonard Cohen, von Schubert zu Nena, von Brahms zu Stefan Remmler und den Sportfreunden Stiller.

Nahezu alterslos wirkt der Künstler im illuminierten Altarraum, als er zu seiner Zeitreise durch Klassik und Pop/Rock startete. Sakrale Titel, romantische Songs und bekannte Hits mischte der Allrounder zu einem letztlich eingängigen Wohlklang, den der Sänger mit einer gut getimten Moderation, angereichert mit Gedanken und Widmungen zu den einzelnen Liedern, noch steigerte.

Ein ausgefuchster Bühnenmensch stand auf den Altarstufen, der wusste, wie man Gefühle transportiert und sie seinem Publikum „einpflanzt“. Sein Konzert war eine Gratwanderung zwischen Kunstlied und Rock- oder Popsong, seine Ansagen Mutmacher für ein in die Jahre gekommenes Publikum.

„Solange uns die Hoffnung antreibt, solange sind wir nicht verloren auf dieser Welt“. Mit diesem Tenor stimmte der Bariton auf den Abend ein, bei dem er von einem großartigen Gloria-Terzett, dem exzellenten Gitarristen Werner Hucks und dem brillanten Organisten Franz Lambert, die vor allem in ihren Soli glänzten, über einige musikalische Hürden getragen wurde.

Manchmal konnte der 75-Jährige sein Alter nicht leugnen, obwohl seine Stimme noch immer Volumen und Resonanz hat, aber nicht mehr unbedingt jede Höhe erreicht. „Mit freundlichen Grüßen“ servierte Heino seine neuesten Hits und präsentierte ein modernes, ganz und gar atypische Kirchenkonzert, das den jüngeren Teil der Konzertbesucher zu ekstatischen Aufschreien verleitet.

Da fetzten das Lied „Sonne“ von Rammstein durch den Kirchenraum und der Song „Junge“ von den Ärzten. Heino, der Gefühlsflüsterer, verstand es, diese Stücke in den Kontext seines Programms einzubauen. Die „Sonne“ wurde zum Symbol der Hoffnung, „die auch nach der dunkelsten Nacht immer wieder das Licht“ bringt. Und beim Ärzte -Song „Junge“ bemühte er das Lukas-Evangelium mit dem Gleichnis vom „verlorenen Sohn“. „Die Sorge um die eigenen Kinder bleibt immer gleich. Das Lied ist die Version des 21. Jahrhunderts.“

Unterschiedliche Versionen des „Ave Marias“, von „Lobe den Herren“, Mozarts „Ave verum corpus“ oder aber zum feierlichen Abschluss der Choral „Großer Gott, wir loben dich“ waren da Balsam für die Seelen der älteren Zuhörer. Dazwischen sang der Künstler von der Macht der Liebe. An der Orgel spielte Franz Lambert die „Dornenvögel-Rhapsodie“. Kleine Seitenhiebe konnte er sich dabei nicht verkneifen. Am Ende gab es sehr viel Beifall für ein Heino- Konzert, das – um es mit den Sportfreunden Stiller zu sagen – ein „Kompliment“ verdient hatte.

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