Heimbach - Heimbach: Riss bringt „Clemens“ zum Schweigen

Heimbach: Riss bringt „Clemens“ zum Schweigen

Von: Beate Weiler-Pranter
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Die Clemensglocke aus dem Jahr 1790 darf momentan weder geläutet noch angeschlagen werden. Pfarrer Hans Doncks (r.) und Küster Wolfgang Marx sorgen sich um den Zustand und den Abtransport. Foto: bwp

Heimbach. Sowohl Einheimische als auch ortskundige Touristen bleiben immer wieder verwundert stehen, wenn sie das sonst so vertraute Glockengeläut der Clemenskirche hören. Aus gutem Grund, denn die Clemensglocke ist verstummt.

Statt der gewohnten drei Glockenschläge zu jeder Viertelstunde ertönt jetzt nur noch ein Zweiklang der Glocken „Salvator“ und „Mater dolorosa“. Auch bei Taufen oder Beerdigungen schallt der vertraute Ton nicht mehr durchs Tal.

Bereits vor Weihnachten war Küster Wolfgang Marx der dumpfe Klang der ältesten Glocke aufgefallen. „Nach all den Jahren kenne ich meine Glocken“, erzählt er nicht ohne Stolz. Und sein feines Gehör sollte ihm Recht geben: Spezialisten der Eifeler Glockengießerei in Brockscheid stellten bei dem 900 Kilo schweren Koloss aus dem Jahr 1790 einen innenliegenden Riss fest, der von außen nicht zu sehen war. „Die Glocke darf weder geläutet noch angeschlagen werden, da ansonsten eine weitere Schädigung möglich ist“, entschied Glockenmeisterin Cornelia Mark-Maas.

„Unsere kostbare, alte Glocke soll so bald wie möglich in einer süddeutschen Glockenschweißerei repariert werden“, hofft Pfarrer Hans Doncks. Doch was sich in der Theorie einfach anhört, stellt die kleine Gemeinde nicht nur vor finanzielle Probleme. Um die mächtige Glocke mit einem Durchmesser von 1,15 Metern abtransportieren zu können, muss sie zunächst aus luftiger Höhe geborgen werden. „Dafür ist es nötig, das Firstgemäuer unseres historischen Glockenturms in Höhe der Bogenfenster großflächig zu öffnen“, erklärt Pfarrer Doncks.

Durch die Hanglage der Kirche und die enge Bebauung vor Ort ist ein direktes Anfahren mit schwerem Gerät allerdings äußerst schwierig. „Als in den 1970er Jahren der alte hölzerne Glockenstuhl durch ein freistehendes Stahlsystem ausgetauscht wurde und zwei neue Glocken hinzukamen, war unsere neue Wallfahrts-Kirche gerade im Bau“, erinnert sich Wolfgang Marx. Deshalb konnten damals noch die eigens angelegten Auffahrrampen der Baufahrzeuge genutzt werden.

Jetzt sucht die Kirchengemeinde findige Unternehmen, die die zum Schweigen verurteilte Clemensglocke von der Hengebachstraße aus mit einem hydraulischen Kranarm bergen oder über Flaschenzüge abseilen können.

Möglichst von der westlichen Turmseite aus, denn dann müsse nur eine weitere Glocke abmontiert werden, um an die über 200 Jahre alte Clemensglocke zu gelangen.

„Wenn es aber nur über die südlichen Turmfenster möglich sein sollte, muss der gesamte Glockenstuhl mit allen Glocken abgebaut werden“, sagt Wolfgang Marx und lässt seinen Blick über die Konstruktion gleiten. Für mindestens ein halbes Jahr gäbe es dann kein Glockenläuten in Heimbach mehr. „Es sei denn, die im Dachstuhl stehenden, statt hängenden Glocken würden dann wieder per Hand angeschlagen. Wie damals in den 1970er Jahren.“

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