„Heimatfront“ im Stadtmuseum

Von: Stephan Johnen
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Das Gerüst für die neue Ausstellung steht: Christel Kreutzer, Anne Krings, Hans-Peter Höner, Helmut Bongarz, Josef Brauweiler und Helmut Krebs (von links) und weitere Helfer des Stadtmuseums arbeiten an Inhalten der neuen Schau „Heimatfront“. Foto: Stephan Johnen

Düren. Es dauerte nicht einmal einen Monat, bis der Erste Weltkrieg nach dem Auszug der Dürener Garnison an die Rur zurückkam: Die ersten 200 Verwundeten erreichten die Stadt kurz nach Ausbruch der Kämpfe, in mehr als 20 Reservelazaretten wurden in den kommenden Jahren bis zu 5000 Patienten versorgt.

Am Bahnhof trafen die Lazarettzüge ein, Rotes Kreuz und Vaterländischer Frauenverein waren im Einsatz, in den Zeitungen wurde um Spenden gebeten. Düren war keine Frontstadt, doch die Stadt bekam es in vielen Facetten mit dem Ersten Weltkrieg zu tun. Wie genau – das soll in der neuen Ausstellung des Stadtmuseums gezeigt werden, die derzeit vorbereitet wird.

„Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf Düren sind kaum untersucht worden. Das ist eigentlich verwunderlich“, bilanziert Bernd Hahne vom Stadtmuseum. Die Ausstellung soll die Geschehnisse der Kriegsjahre 1914 bis 1918 an der „Heimatfront“ und darüber hinaus die direkten Auswirkungen des Krieges auf das Leben der Menschen im Dürener Land nach der Kapitulation des Kaiserreichs beleuchten. Wie schon bei der aktuellen Ausstellung „Dürens Goldene Jahre“ soll darüber hinaus auch ein Begleitbuch erscheinen.

Mit Blick auf die Größe der Ausstellungsfläche an der Arnoldsweilerstraße, der breiten Themenpalette und der Fülle der bisher zusammengetragenen Gegenstände und Dokumente könne nur ein Bruchteil dessen gezeigt werden, was Bernd Hahne und seine ehrenamtlich arbeitenden Kollegen vom Stadtmuseum eigentlich vorstellen möchten.

Mehr als 800 Tote

„Wir haben weder für die Darstellung des Kriegsverlaufs noch für eine detaillierte Untersuchung der Umstände, die zum Krieg führten, Platz. Wir beschränken uns in diesem Punkt auf das Basiswissen“, erklärt Hahne. Auf einer Karte sollen – soweit bekannt – die Einsatz- und Todesorte Dürener Soldaten aufgezeigt werden. Mehr als 800 sind an der Front getötet worden. „Wir versuchen, auch alle Daten der heutigen Stadtteile einzuarbeiten“, fügt Hans-Peter Höner vom Museumsverein hinzu.

Dem Thema Lazarette wird eine eigene Stellwand gewidmet, auch das Kapitel der Versorgung sogenannter Kriegsblinder soll aufgeschlagen werden. „Vom Hurra zur Ernüchterung“ ist eine weitere Abteilung überschrieben. „Der Patriotismus ist auch in Düren zur großen Blüte gereift“, blickt Helmut Bongarz zurück. Anhand von Einzelschicksalen soll exemplarisch aufgezeigt werden, warum sich beispielsweise eine ganze Generation von Schülern freiwillig zum Militärdienst gemeldet hat, während die Jüngeren im Dienste der Kriegsbemühungen durch die Stadt zogen und Gold der Bürger einsammelten.

Die anfängliche Jubelstimmung kippte allerdings, als der erhoffte schnelle Sieg auf sich warten ließ. „Schon im März 1915 wurden die ersten Brotkarten verteilt“, berichtet Hahne. Lebensmittel wurden rationiert, das öffentliche Leben kam zum Erliegen. Die Vorratswirtschaft und Lebensmittelbeschaffung zur Versorgung der Bürger beschäftigte das Rathaus. Aus diesem Grund wurde Anfang 1916 die „Städtische Lebensmittel-Versorgungs-Gesellschaft“ gegründet.

„Ersatz“-Produkte kamen auf, weil Rohstoffe knapp wurden. Aufgrund der schlechten Versorgung nahm in der Stadt die Säuglingssterblichkeit zu, heißt es in Berichten des Jugendamtes. Faktisch lagen auch weite Teile der Dürener Industrie und des Handwerks am Boden. „Wer nicht für die Rüstung produzierte, hatte es schwer“, sagt Hahne. Diese Aspekte sollen genauso unter die Lupe genommen werden wie der Einsatz von Kriegsgefangenen in der Landwirtschaft.

Derzeit wird noch der Luftangriff auf die Stadt am 1. August 1918 aufgearbeitet, bei dem es 16 Tote und zahlreiche Verletzte gab. Die Wurzeln des sogenannten „moral bombings“, das die Moral der Zivilbevölkerung brechen sollte und im Zweiten Weltkrieg massiv von allen Kriegsparteien betrieben wurde, reichen in den Ersten Weltkrieg zurück.

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