Heimat im Mittelpunkt: „tanzwärts“ geht in die zweite Runde

Von: Sandra Kinkel
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Shehab Alzaim, Reglinde Hölzl, Khaschayar Obidini, Herbert Greif, Regine Janus (hintere Reihe von links), Gabriele Dietz, Kim Eri Posdowsky, Fridaous Muro, Ayse Saltan und Zoe Kocans (vordere Reihe von links) haben den „DN“ verraten, was Heimat für sie bedeutet. Foto: Sandra Kinkel

Düren. „Ich bin eine hessische Ober- und Unterfränkin und Nordrhein-Westfälin mit Eltern, die aus Schlesien kommen. Heimat bedeutet für mich die Zerrissenheit zwischen Kindheitserinnerungen und dem Wunsch, irgendwo richtig anzukommen. Wir sind sehr häufig umgezogen, ich musste immer Dinge zurücklassen. Richtig angekommen bin ich aber immer noch nicht. Ich bin in Obermaubach zu Hause, das ist aber nicht meine Heimat.“

Gabriele Dietz ist 66 Jahre alt und eine von 65 Dürenern, die alle eine große Liebe zum Tanzen haben. Und sie zeigt, dass der Begriff Heimat eben nicht immer nur positiv sein muss. Heimat kann auch Verlust, kann auch Zerrissenheit bedeuten.

Alle Kinder und Erwachsenen, Männer und Frauen, Flüchtlinge und Ur-Dürener, Behinderte und Nicht-Behinderte auf dieser Seite (einige Teilnehmer des Projektes haben am Tag unseres Probenbesuchs gefehlt) setzen sich unter der Leitung des Choreographen Dirk Kazmierczak tänzerisch mit dem Motto „Sehnsuchtsort Heimat“ auseinander – passend zum Jahresmotto „Sehnsucht. Heimat. Identität“ des städtischen Kulturbetriebes „Düren Kultur“. Dieter Powitz, Leiter des Kulturbetriebes, hat „tanzwärts“ bereits im vergangenen Jahr initiiert und hofft, dass das anspruchsvolle Tanztheater in der Rurstadt irgendwann zu einer echten Marke wird. Natürlich wird diesmal mit den Menschen auch biografisch zum Thema Heimat gearbeitet. Manche haben ihre Heimat verloren, anderen mussten sie verlassen.

So wie Shebab Alzaim (23), der vor anderthalb Jahren aus Syrien nach Deutschland geflohen ist – ganz alleine über das Meer, ohne seine Eltern und Geschwister. Das Tanzprojekt ist für den jungen Syrer sozialer Kontaktpunkt – auch wenn fast keine Teilnehmer in seinem Alter dabei sind. Dennoch erhofft er sich, mit Hilfe von „tanzwärts“ Menschen aus Düren kennenzulernen.

Menschen, Familie und Freunde – auch das ist für manche der Inbegriff von Heimat, genau wie die Natur, bestimmte Landstriche oder die Möglichkeit, kreativ zu werden. Kim Eri Posdowsky, deren Eltern von den Philippinen stammen, hat heimatliche Gefühle, wenn sie den Geruch des Meeres in der Nase hat.

Für Dirk Kazmierczak ist Heimat ein „weicher Begriff“. Ein Begriff, der immer emotional besetzt ist. „Unser Projekt zeigt, dass es nicht immer positive Gefühle sein müssen, die entstehen, wenn Menschen an ihre Heimat denken. Aber es sind immer Gefühle da.“

Heimat in Düren

Darüber hinaus wollen Kazmierczak und seine Kollegen Karen Piewig und Ronja Nadler sich auch mit der Frage auseinandersetzen, was Heimat in Düren bedeutet. „Warum fühlen sich Menschen hier zu Hause?“, sagt Kazmierczak. „Dieser Frage wollen wir auf den Grund gehen und dabei eben nicht nur auf die Defizite dieser Stadt gucken.“ Auch die Bühne versteht der Tänzer als Heimatort. „Sie soll ein Ort werden, an dem man sich rundherum wohl und heimisch fühlt.“ Angemerkt

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