Heiligabend für Alleinstehende

Von: Sandra Kinkel
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Düren. Roswitha Frenken ist eine Frau, die anpackt. „Wenn man kann, sollte man für andere da sein“, sagt die 73-Jährige, die genau das tut. Seit fast zehn Jahren organisiert die vierfache Großmutter die Weihnachtsfeier für allein stehende und obdachlose Menschen im Papst-Johannes-Haus in Düren.

„Mein Mann ist 2005 gestorben“, erzählt Roswitha Frenken. „Im ersten Jahr war ich über Weihnachten drei Tage bei meiner Tochter in Jülich. Das war mir fast zu viel Glückseligkeit. Seitdem engagiere ich mich im Papst-Johannes-Haus, und der Familienfrieden ist wieder hergestellt.“

Zwischen 150 und 180 Leute nehmen an der Feier an Heiligabend teil, seit einigen Jahren steigt die Zahl. „Viele Menschen sind von Einsamkeit betroffen“, sagt Roswitha Frenken. „Und gerade an Heiligabend sollte doch keiner allein sein.“ Schon jetzt laufen die Vorbereitungen von Roswitha Frenken und ihren 22 Mitstreitern auf Hochtouren. Das Essen muss ausgesucht und bestellt werden, Spendengelder gesammelt werden.

Im Pfarrbüro von St. Lukas werden die ersten Sachspenden abgegeben, besonders haltbare Lebensmittel sind willkommen und können ab sofort im Pfarrbüro an der Annakirche abgegeben werden. „Die heiße Phase beginnt dann für uns am 22. Dezember.“ Tische und Stühlen müssen aufgestellt, der Raum feierlich geschmückt werden. Frenken: „Wir sortieren die Sachspenden und packen für jeden Gast unserer Feier eine kleine Geschenktüte.“

Obwohl das Fest an Heiligabend erst um 18.30 Uhr beginnt, stehen die ersten Gäste schon um 15 Uhr vor der Tür. „Die Leute“, erzählt Roswitha Frenken, „sind zwischen 30 und 80 Jahre alt. Die meisten kenne ich schon viele Jahre, aber es sind auch immer wieder neue dabei.“ Es ist Roswitha Frenken, die für die Feier vor allem noch männliche Unterstützung („Es müssen manchmal ziemlich schwere Sachen getragen werden.“) sucht, wichtig, dass ihre Helfer den Einsatz an Heiligabend im Papst-Johannes-Haus nicht als Pflichtaufgabe sehen.

„Dann geht es nämlich nicht. Man muss mit den Menschen gut umgehen. Und sensibel. Das ist entscheidend. Sie sollen sich bei uns wohlfühlen. Jeder ist willkommen.“ Übrigens auch die, die an Heiligabend nicht in die Kirche gehen. „Wir möchten niemanden erziehen. Wir möchten den Menschen einen schönen Abend machen. Und die Leute sind uns unglaublich dankbar.“

Für Roswitha Frenken endet der Heilige Abend erfahrungsgemäß gegen ein Uhr nachts – dann ist das Papst-Johannes-Haus wieder aufgeräumt. Den ersten Weihnachtstag verbringt die rüstige Seniorin bei ihren Kindern in Jülich, abends fängt sie dann zu Hause an zu backen. „Für den zweiten Feiertag“, lacht die 73-Jährige. „Dann habe ich nämlich auch noch Geburtstag und das Haus voll Besuch.“

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