Hausmeister im Schulzentrum: „Keiner macht den Maxe mit mir“

Von: Gudrun Klinkhammer
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Klaus Richter ist Hausmeister am Schulzentrum der Gemeinde Kreuzau im Zentralort. 1500 Jungen und Mädchen besuchen die vier Schulen. Der 55-jährige ist Herr über 20.000 Quadratmeter. Foto: Gudrun Klinkhammer

Kreuzau. Um genau 6.45 Uhr schließt Hausmeister Klaus Richter normalerweise die Schule auf. Wobei das einfache Wort „Schule“ in diesem Fall etwas untertrieben ist. Der 55-jährige Familienvater betreut gleich ein ganzes Schulzentrum, bestehend aus Haupt-, Real- und Sekundarschule sowie einem Gymnasium. Die Fakten sind beeindruckend.

Der Schulraum erstreckt sich auf 20.000 Quadratmetern über zwei Etagen plus Keller hinweg und beinhaltet circa 450 Räume. Hinzu kommen Außenbereiche in Form von Schulhöfen, Nebenanlagen und Schulvorplätzen.

Vor rund zehn Jahren besuchten dieses Zentrum pro Schuljahr noch rund 2000 Kinder und Jugendliche, derzeit sind es 1500. Das erste, was der Hausmeister macht, nachdem er sich am frühen Morgen Zugang zum Gebäude verschafft hat, ist tatsächlich riechen. Und das hat seinen Grund. Richter: „Vor einigen Jahren kam mir während der Unterrichtszeit auf der ersten Etage Mal ein Schüler entgegengerannt und rief: ,Da im Raum qualmt es, es brennt‘.“

In einem Sicherungskasten brannte es wirklich. Klaus Richter löste unverzüglich Alarm aus, die komplette Schule wurde evakuiert, für die Feuerwehr ein Großeinsatz. Richter: „Seither ist meine Nase extrem empfindlich geworden und bevor ich morgens überhaupt das Licht in der Schule anschalte, folge ich erst einmal meiner Nase. Und wehe, es riecht nicht wie sonst, sondern möglicherweise nach Qualm oder Gas.“

Immer wieder kontrolliert er die Gebäude, bis in den späten Nachmittag hinein. Nebenher repariert er so ziemlich alles, was in einer Schule kaputt gehen kann und hält Kontakt zu den Schülern, Lehrern und Eltern.

Auf die Frage, warum er denn gerade diesen Beruf gewählt hat, sagt er: „Der Beruf ist super abwechslungsreich, er fordert mich in vielerlei Hinsicht und jeder Tag sieht anders aus.“

Vorgezeichnet war der Weg zunächst nicht. Der gebürtige Dürener lernte zunächst Autolackierer, Maler und Beschrifter. Nach seiner Bundeswehrzeit wollte er zunächst die große weite Welt sehen, also fuhr er durch ganz Europa mit dem Lkw. Eine weitere Zeit als Cheffahrer schloss sich an, unter anderem bei der Firma Peill und Pützler und bei der CWS Lackfabrik. Im Schwimmbad machte der Besitzer einer Harley-Davidson-Maschine dann Aufsicht als Rettungsschwimmer, zunächst als Aushilfe.

Die Gemeinde suchte damals einen hauptamtlichen Schwimmmeister, und Klaus Richter griff zu. Die Badestätte wurde jedoch später privatisiert. Die Gemeinde hielt aber an ihrem Mitarbeiter fest und bot ihm eine Stelle als Hausmeister im Schulzentrum Kreuzau an. Richter: „Was mir schnell zu Gute kam: Ich war ja durch die Aufsicht im Schwimmbad den Umgang mit vielen Menschen gewohnt.“ Und das Handwerkliche verstand er aufgrund seine Ausbildung aus dem „Eff-Eff“.

In einem Kellerraum hortet Klaus Richter Tafel- und Möbelteile, die als Ersatzteillager dienen. Besondere Herausforderungen bieten Veranstaltungen, zu denen das Aufbauen und Dekorieren beispielsweise der Bühne gehört. Ebenfalls eine Herausforderung stellt auch immer wieder die Beseitigung des anfallenden Abfalls dar. Richter: „Vier bis fünf Kubikmeter pro Woche sind normal. In unserem Schulmüll landen Papier, Essensreste, Salat- und Essensverpackungen. Das muss gesammelt und entsorgt werden.“

Schüler, die nicht wissen, was sich gehört, haben bei Hausmeister Richter schlechte Karten. „Wenn ich einen erwische, der sich nicht benehmen kann, den nehme ich direkt mit zum Direktor.“ Den Übeltätern drohen meist Sozialstunden, nicht selten müssen sie dem Hausmeister bei Aufräumarbeiten helfen. Doch anstatt die Kids und die jungen Erwachsenen einen Bogen um den Mann mit der klaren Linie schlagen, lieben sie ihn. Nach den Ferien ist die Begrüßung äußerst herzlich. Richter: „Ich kenne sie alle und mit mir kann keiner den Maxe machen.“

Lobend erwähnt der Hausmeister die Gemeindeverwaltung Kreuzau, die sehr viel für das Schulzentrum übrig hat. Ausgezeichnet sei auch die Kommunikation mit allen Schulleitern. Lobend erwähnt er die Toilettenfrauen, die dafür sorgen, dass die sanitären Anlagen extrem sauber sind. Richter: „Die Kinder müssen beaufsichtigt werden, sonst geht es nicht. Und wenn sie es werden, dann siehe da, dann funktioniert das einwandfrei.“

Drei Wochen macht Klaus Richter in den großen Sommerferien frei. Die anderen drei Wochen hantiert er in der Schule, transportiert Möbel, die aus einer aufgelösten Einrichtung in einer Nachbarkommune als Ersatzteillager im Schulzentrum verstaut werden müssen, kontrolliert Schließanlagen und bildet sich auch immer wieder auf dem Gebiet der Sicherheitstechnik und der Unfallverhütung fort.

Sieht jeder Tag des Hausmeisters anders aus, eine Amplitude bleibt gleich, das ist die Liebe zum Beruf. „Etwas anderes möchte ich nicht mehr machen“, betont er.

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