Düren - Hausmann schreibt die Geschichte neu

Hausmann schreibt die Geschichte neu

Von: Hannes Schmitz
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Jürgen B. Hausmann schlüpfte in der Arena Kreis Düren in viele Rollen, um seine Umgebung unnachahmlich auf die Schippe zu nehmen. Foto: han

Düren. In festlichen Zwirn war Jürgen B. Hausmann gewandet und wandelte auf der weihnachtlich geschmückten Bühne in der ausverkauften Kreisarena treff- und stilsicher durch den vorweihnachtlichen Alltag, kommentierte humorvoll die Ereignisse „vor, an, zwischen und nach den Tagen“.

Er schilderte ehelichen Kleinkrieg, „wenn es drauf zu geht“, die Nerven beim Baumschmücken öfters blank liegen und die Nadeln beginnen, leise herunter zu rieseln, weil der Baum schon im August gekauft wurde. Der Transport des Baumes auf dem Autodach wurde zum „Vergnügen“. Manches musste sich der Fahrer anhören: „So wie du fährst, bist du wohl erst Weihnachten zu Hause.

Zwischen Adventskranz, Krippenspiel und Weihnachtsgans pendelte der Alsdorfer Kabarettist, nahm die rheinische Sprache auf die Schippe, gab Sprachunterricht (so heißt bei ihm Schwiegermutter auf Niederländisch Knottermam), lud zum Weihnachtsgrillen ein, bei dem der Glühwein erst aufgetaut werden musste, weil er vorher eingefroren war. Das Verhältnis von Mann und Frau hatten es ihm besonders angetan, er gab eigene Erfahrungen preis, die mit ihm viele in der Arena teilten. „Wir müssen mehr miteinander reden“ lautet wohl eine Standardaussage des weiblichen Geschlechts im Zusammenleben. Zustimmung beim Kabarettisten, der aber fand, „dann müsste ich auch zu Wort kommen“. Und dann die Unterbrechungen: „Behalt die Wörter!“ „Mit den Wörtern, die ich behalten habe, könnte ich den Duden neu herausgeben“, schloss er das Kapitel Kommunikation. Allerdings behielt er weitere Gegensätze im Auge, erkannte das Navi als Hilfe für den Mann. Früher sei dieser stundenlang falsch durch einen Stadtteil gefahren, ohne jemanden nach dem Weg zu fragen. Das wäre vorbei. Und er lobte die Frauen: „Die fragen sofort und fahren dann anschließend falsch.“

Absurde und komische Geschichten präsentierte Jürgen B. Hausmann in seinem „Best of Weihnachtsspecials“. Genüsslich widmete er sich ungewollt komischen Momenten und geriet selbst hinein, als er mehrfach seinen „ersten Auftritt“ auf der Bühne proben musste, weil die Lautstärke des Auftaktbeifalls in den Ohren eines Fernsehteams nicht stimmte, das den Kabarettabend mit Comedy-Anstrichen aufzeichnete.

Messerscharf scheint der ausgebildete Pädagoge seine Umgebung zu beobachten, seine Art von Kabarett entspringt aus seinem Umfeld.

Familien- und Nachbarverhalten nahm er liebevoll aufs Korn, die „Figuren“ laufen ihm anscheinend nur so über den Weg. Seitenhiebe zum Fest der Liebe teilte er gegen Lehrerkollegen aus, wandelte sich zum langhaarigen Kreativpädagogen aus den 70-er Jahren, der Geschenke basteln ließ nach dem Motto „Was ihr wollt“ und Eltern vor Probleme stellte, wenn sie sich über das Gebastelte freuen sollten. Köstlich auch seine Persiflage über eine Weihnachtsfeier in einer Lehrerfamilie, in der jeder besondere Aufgaben erfüllen musste. Unnachahmlich war das Gespür für Komik bei Jürgen B. Hausmann, der von Beginn an die Zuschauer auf seiner Seite hatte, die ihn fast euphorisch feierten. Spitzbübisch karikierte der Lehrer, der einst Griechisch, Geschichte und Latein unterrichtete, Glaube, Sitte und Heimat. Er beschrieb launig Schützenumzüge, „vorne weg die im Paradeschritt, dahinter die, die sich morgens schon getroffen haben“, imitierte eine Karnevalssitzung mit einem „Drei Gestirn aus dem Morgenland“ und schrieb Geschichte neu.

Als Maria und Josef damals unterwegs waren, fanden sie kein Hotel. Und am Abend fragte der Josef im Dialekt: „Gehen wir ins Bett oder wieder he(i)m?“ und so kamen sie nach Bethlehem und übernachteten im Stall, wo „Jesus sich die Krippe holte“.

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