Haus der Stadt: Goethes Werke gerappt, rezitiert und gespielt

Letzte Aktualisierung:
12027622.jpg
Michael Ehnert, Jan Christof Scheibe und Kristian Bader boten eine komprimierte, kabarettistische Bearbeitung des Goethe-Werks dar. Foto: jap

Düren. Kaum jemand im Publikum hatte einen so unterhaltsamen Goethe erwartet und kaum einer war jemals näher an Goethe als am Samstagabend, als die Schauspieler Michael Ehnert, Kristian Bader und Jan Christof Scheibe „Goethes sämtliche Werke… leicht gekürzt!“ auf der Bühne des Hauses der Stadt präsentierten.

Die drei Schauspieler haben schnell die Bremse gezogen, nachdem sie dem Publikum eine alles andere als kurzweilige Einführung in den Theaterstoff angeboten haben. Goethe war in den Händen der drei Kabarettisten aber gut aufgehoben: temporeich, gut gewürzt und zur allgemeinen Erleichterung leicht gekürzt präsentierten sie den deutschen Dichter.

Damit die Zuschauer keine „Bildungsbürgerschockstarre“ vom Thema bekommen und trotzdem „nicht kulturell am Rand stehen“, sondern „voll im Goethe-Flow“ sind, wurde erst einmal gerappt. Dass „Goethe eine Riesenshow auf Hochniveau“ ist, stand noch unter Beweisschuld, als ein technisches Problem mit dem Mikrofon nicht erlaubte, die Beweise in Form von Zitaten, Fakten und Szenen akustisch wahrzunehmen.

Das Knacken im Mikrofon war trotz Bemühungen des Tontechnikers leider nicht so einfach zu beheben und begleitete hartnäckig jeden weiteren Versuch von Ehnert, Bader und Scheibe, sich dem umfangreichen Werk des Universalgenies zu nähern. Dass das Publikum sich trotzdem prächtig amüsierte und sich vor Lachen den Bauch gehalten hat, während es weiter krachte und zischte, verdankte man diesem unglaublichen Trio.

Die Drei haben in diesem Moment ihr ganzes Können ausgepackt und waren einfach brillant. Es sei Absicht pur, um das Programm auszudehnen. Oder auch das: Weil sie intellektuell mit dem Thema überfordert seien, haben sie extra Fehler eingebaut. Entschlossen ohne Mikrofon zu sprechen, setzten sie das Stück fort. Und dann haben die drei Forscher das Archiv von Goethes Gesamtwerk gefunden. Aus jeder Kiste kam ein anderes Stück, Gedicht, Szene, Lied, sogar Goethes verschollene Dissertation.

Prompt erschienen auf der Bühne mal Götz von Berlichingen, mal der junge Werther, mal Clavigo und Marie, mal Egmont. Sowie Faust. An nur einem einzigen Abend konnte man sich Goethes Geist annähern und sich intensiv mit dem Dichter, Forscher, Politiker und dem großen Frauenfreund beschäftigen. Diese Annäherung fand auch bei dem ein oder anderen Klassikmuffel statt. Ehnert, Bader und Scheibe haben gespielt, gesungen und getobt, bis ein donnernder Applaus den kurzweiligen Abend beendete.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert