Müddersheim - Hans-Hubert Sons: „Heute wird mehr getrunken als früher“

Hans-Hubert Sons: „Heute wird mehr getrunken als früher“

Von: Gudrun Klinkhammer
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Hans-Hubert Sons mit dem Mikrofon in der Hand: Der 80-Jährige ist seit 1972 Sitzungspräsident der KG „Löstige Möscheme“ in Müddersheim. Foto: Gudrun Klinkhammer
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Ein Blick zurück: Hans-Hubert Sons als Prinz in den 1980er Jahren.

Müddersheim. „Viele Leute schießen heutzutage Fotos aus allen Himmelsrichtungen, da muss man echt aufpassen“, schmunzelt Hans Hubert Sons. Der 80-Jährige ist seit den ersten Tagen des Karnevals in Müddersheim, also seit Mitte der 1960er Jahre, aktiv, etwa als Sitzungspräsident.

Die Crux sei, fährt Sons fort, dass einem, sobald man mit einer fremden Frau im Arm abgelichtet worden sei, möglicherweise mit dieser Dame gleich ein Verhältnis nachgesagt würde. Diesen Umstand und einige weitere Tatsachen zählt Hans Hubert Sons auf die Frage hin auf, was sich im karnevalistischen Treiben in den vergangenen fünf Jahrzehnten denn so verändert habe.

Was ihm zudem spontan einfällt, ist die Lautstärke: „Der Lautstärkepegel während der Sitzungen ist deutlich angestiegen. Zudem meine ich, es wird heute mehr getrunken als früher.“ Der Karnevalsfachmann wurde in Müddersheim geboren. Er ging dort zur Schule, arbeitete lange Jahre als Vollziehungsbeamter für die Innungskrankenkasse in Düren und machte sich später selbstständig. Er war dabei, als sich 1966 eine Gruppe zusammenfand, um Karneval in lockerem Verbund zu feiern. Kurze Zeit später gründeten 17 Leute eine Interessengemeinschaft (IG), die den Karneval organisierte. 1972 wurde aus der IG der Verein KG „Löstige Möscheme“.

Nach der Gründung der IG fand in Müddersheim in der Gaststätte Fink der erste Sitzungskarneval statt. Erster Präsident war Hans Hubert Sons. Seither bekleidet der Vollblutkarnevalist dieses Amt und bewies über Jahrzehnte hinweg Diplomatie, Gradlinigkeit, Unbestechlichkeit und Durchsetzungsvermögen.

An die erste Sitzung erinnert er sich noch ganz genau: „Der Gaststätte Fink war ein kleiner Saal angegliedert. Rund 200 Besucher verfolgten die Premiere.“ Ausschließlich eigene Kräfte traten auf der Bühne auf, die Vorträge waren voller Lokalkolorit. Seit 1974 finden die Sitzungen in der Halle im Dorfgemeinschaftshaus statt. 300 Besucher finden dort Platz. Hans Hubert Sons sagt zum Wandel des Programms: „Zunehmend musste man Leute von außerhalb nehmen, alles geht nur noch über Agenturen. Die eigenen Kräfte schwinden leider zunehmend.“

Inzwischen treten in Müddersheim Karnevalisten aus der Eifel, Euskirchen und dem Kölner- und Aachener Raum auf. Von Beginn an zielten die Müddersheimer darauf ab, jeweils einem Dreigestirn zum Thron zu verhelfen. Der Hintergedanke war und ist dabei: „Für drei Personen ist eine derartige Session als Tollität längst nicht so teuer wie für eine Person.“ Auch werden die Dreigestirne immer noch vom Förderverein finanziell unterstützt. Auf diese Weise steht nahezu jedem Bürger die Möglichkeit offen, einmal als Tollität eine Session zu erleben.

Die erste Tollität in Müddersheim war mit Josef Oepen 1966 noch ein Prinz, 1967 folgte das erste Dreigestirn. Das erste Damendreigestirn regierte 1996 die Anhänger der Fünften Jahreszeit. Aktuell sitzt das 44. Dreigestirn in Folge auf dem Thron. Vom gelegentlich steinigen Weg, Regenten zu finden, kann Hans Hubert Sons ein Liedchen singen. „Es gab Jahre“, erinnert er sich, „da hatten wir sogar Vormerkungen.“ Aber eher gilt die Regel: „Wenn man sie braucht, dann sind sie nicht da.“ Also müssen Tollitäten angeworben werden.

Leichter werde es, wenn bereits einer „Ja“ gesagt habe, dann würden sich die anderen beiden in der Regel leichter einfinden. Nicht selten habe es für die Überzeugungsarbeit mehrere Abende und viele Flaschen Wein in urigen Gebäuden gekostet.

Wegen seiner Verdienste um den Karneval in Müddersheim wurde Sons am Samstag geehrt: RVD-Präsident Heribert Kaptain überreichte ihm den BDK-Orden in Gold mit Brillanten.

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