Hannemann-Firmengeschichte: Von „Arisierung“ und Deportation

Von: sj
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Düren. „Mit dem Abriss der Firmengebäude von Gebrüder Hannemann geht mehr als ein Stück Industriegeschichte in Düren zu Ende. Die Firma spielte nämlich über ihre lange Tradition hinaus noch unter anderem Aspekt eine besondere Rolle“, blickt Bernd Hahne von der Dürener Geschichtswerkstatt angesichts der Arbeiten auf dem Areal an der Bahnstraße in die Geschichte der Stadt zurück.

Gegründet 1895 von den Brüdern August und Karl Hannemann wurde schon kurze Zeit später mit Abraham Löwenstein der Inhaber des großen Dürener Bekleidungshauses „Löwenstein & Freudenberg“ Teilhaber, weil die Kapitalausstattung der beiden Brüder nicht ausreichte.

„Diese stiegen schon wenige Jahre danach wieder aus und versuchten sich in Niederau mit einer neuen Firma, allerdings auch mit geringem Erfolg“, sagt Hahne. Abraham Löwenstein war nun – unter Beibehaltung des Firmennamens – alleiniger Inhaber und entwickelte das Unternehmen zu beachtlicher Größe. Hergestellt wurden unter anderem elektrotechnische Artikel, für die der Bedarf so groß war, dass schon bald eine zweite Produktionsstätte errichtet wurde – an jener Stelle, wo jetzt der Abriss vonstatten geht. Über das breite Lieferspektrum der Firma informiert unter anderem ein Katalog aus dem Jahr 1914, der in der aktuellen Ausstellung des Stadtmuseums zu sehen ist.

„1938 wurde das Unternehmen arisiert, der damalige Inhaber, Hermann Löwenstein, Sohn von Abraham und letzter Vorsteher der Dürener Jüdischen Gemeinde, wurde im Juni 1942 mit seiner Frau deportiert“, berichtet Bernd Hahne. „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die rechtzeitig emigrierten Erben entschädigt, worüber leider keine Unterlagen mehr existieren, da die Akten vor Jahren schon vernichtet wurden.“

Bei dem auf das 1832 zurückgehenden Unternehmen handelt es sich um die Firma N. J. Hannemann, die mit einem ähnlichen Produktionsspektrum an der Aachener Straße, unmittelbar hinter der Rurbrücke, angesiedelt war. In die Berichterstattung hatte sich an dieser Stelle ein Fehler eingeschlichen.

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