Hannemann-Abriss hat begonnen

Von: Stephan Johnen
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Projektberater Gernot Hartl hat das Konzept für den Rückbau der Hannemann-Gebäude entwickelt. Foto: Johnen

Rölsdorf. Theoretisch ist das 25.000 Quadratmeter große zentrumnahe Areal ein Filetstück für die Stadtentwicklung. Rein praktisch stehen derzeit noch die aufgegebenen Hallen des Dürener Traditionsunternehmens Hannemann einer neuen Nutzung im Weg. Im Jahr 1997 hat die Firma, die unter anderem elektronische Artikel für die Bundeswehr produzierte, ihre Pforten für immer geschlossen.

Doch die aufgegebenen Gebäude sind bald Geschichte: „Bis Ende Februar/Mitte März haben wir alles bis auf die Bodenplatten zurückgebaut“, erklärt Gernot Hartl, der Projektberater der Erbengemeinschaft. Die Arbeiten haben bereits begonnen, müssen derzeit aber wegen des starken Frostes ruhen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir im Zeitplan bleiben“, sagt Hartl.

„Die Bausubstanz ist immer schlechter geworden, und trotz der Mauern und Zäune war das Grundstück offenbar sehr belebt. Das geht solange gut, bis etwas passiert“, erklärt der Projektberater den Beweggrund der Erbengemeinschaft, die Gebäude abzureißen. Einem eventuellen Haftungsrisiko wollte sich die Erbengemeinschaft nicht weiter ausgesetzt sehen. Gerade von Jugendlichen und Obdachlosen sei das Gelände frequentiert worden.

Gernot Hartl, der bis zum Jahr 2002 Leiter des Karlsruher Amtes für Verteidigungslasten war, kennt sich mit dem Rückbau und der Sanierung von Militär- und Industriebrachen aus. Mitte 2005 wurde er beauftragt, ein Konzept für das Hannemann-Gelände zu entwickeln. In Rölsdorf müssen fünf Produktions-, Montage- und Lagerhallen, sechs ehemalige Büro- und Wohngebäude und ein Luftschutzraum aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgebaut werden.

Die Hallen sind bereits größtenteils geräumt, Glas und Stahl wurden separiert. „1997 gab es hier Unmengen Metallbleche. Die sind alle weg“, kommentiert Hartl den Rückbau der etwas anderen Art. Auch beinahe die gesamte Elektroinstallation sei über die Jahre gestohlen worden. Der Berater rechnet mit rund 12 000 Tonnen Schutt, die entsorgt werden müssen. Bereits auf dem Gelände werden Schrott und Schutt in Bestands- und Schadstoffklassen getrennt.

In punkto Altlasten erwarte Gernot Hartl keine Überraschungen auf dem Gelände. „In den Gebäuden hatten wir asbesthaltige Trennwände, die damals verbaut wurden, und in der Maschinenhalle haben wir den mit Öl belasteten Boden abgefräst“, sagt Hartl. Das Ergebnis der Bohrungen auf dem gesamten Gelände zeige: An einer Stelle gebe es eine Grundwasserbelastung, an einer anderen Stelle eine leicht erhöhte Schwermetallbelastung.

Da alle Gebäude im Schwemmfächer der Rur errichtet wurden, sei Abraum von Bergwerken aus der Region angekarrt worden, um die Belastbarkeit des Bodens zu verbessern. „Ein damals übliches Verfahren“, erklärt Hartl. Aufgrund der Versiegelung sei ein Auswaschen der im Abraum enthaltenen Schwermetalle aber nicht möglich. Hartl: „Sobald wir Klarheit darüber haben, wie das Gelände weiter genutzt werden soll, werden wir den Untergrund angehen.“

Ob es konkrete Pläne gibt, möchte der Projektberater nicht kommentieren. „Wir sind mit zwei Investoren im Gespräch“, sagte er. „Realistisch ist eine Nutzung mit zwei Dritteln Wohnbebauung und einem Dritten wohnnahem Gewerbe.“ Bereits in der Vergangenheit habe es Interessenten für das Grundstück gegeben, zu einem Vertragsabschluss sei es aber nie gekommen. „Einmal stand ich alleine beim Notar“, sagt Hartl.

Bis die endgültige Nutzung geklärt ist, sei auch eine Verwendung des Areals als Zwischenlager möglich. Und was ist mit dem Nachbarn, mit Zimmermann und Jansen? „Unser Nachbar hat schon einmal über den Zaun geschaut“, sagt Gernot Hartl. „Und wir reden miteinander.“

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