Handwerk des Mittelalters lebendig gemacht

Von: Bruno Elberfeld
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Wie wird aus Wolle ein Kleidungsstück? Das konnte man am Wochenende auf Burg Nideggen erleben, wo Leben und Arbeiten im Mittelalter gezeigt wurden. Foto: bel

Nideggen. Zum Austreiben des Winters im und um das Burgenmuseum Nideggen ließ der Wettergott nach langem Winter und regnerischen Tagen die Sonne scheinen. Die Akteure des Museums, an der Spitze Leiterin Luzia Schlösser, liefen bei ihren Präsentationen zu Hochleistungen auf.

Von der Plattform direkt unter dem Dach des Bergfrieds bis zur Burgkapelle und Verlies war nahezu jeder Winkel von Handwerkern und Handwerkerinnen besetzt. Sie waren – ihrem Stande gemäß – in buntes Tuch gewandet. Die Burgherren, Eheleute Ralf und Andrea Lederer, trugen feinere Kleidung, obwohl die Burgherrin mit dem Flicken von Beinkleidern ihres Gatten beschäftigt war. Edelfrauen hatten im Mittelalter also auch ihre Arbeit. Burgherr Ralf Burmester, etwa um die 190 Zentimeter groß, erklärte mit Blick auf ein kurzes Bett, das die Menschen im Mittelalter sitzend oder halbsitzend schliefen, weil sie Angst hatten, dass Rauch und Staub in einem Burggemäuer oder einfachen Häusern eine krankmachende Herrschaft ausübe.

In den Räumen zeigten Männer und Frauen Berufe aus Handwerk und Handel, teilweise auch Tätigkeiten, die so schon lange nicht mehr ausgeübt werden und deshalb fast ausschließlich bei Veranstaltungen dieser Art wie auf Burg Nideggen gezeigt werden. Da gab es Kundige, die Namen und Gebrauch von Waffen erklärten. Der Waffenschmied und der Pfeiler (Hersteller von Pfeilen) waren Anlaufpunkt von Kindern mit ihren Eltern, die den Begriff „Waffenschmiede“ aus den Medien kennen, wenn Hersteller moderner Waffen benannt werden.

Salzhändler erläuterten Herkunft und Bearbeitung des weißen Gewürzes. Lederer und Filzer boten Einblicke in ihre Tätigkeit, Berufe, die heute im Kunsthandwerk zu Hause sind. Ganz selten nur zu sehen die „Sprangtechnik“, mit der Netze aller Art hergestellt wurden. Spinnerinnen drehten am großen Rad und zeigten die Kunst, wie aus Wolle ein Faden entsteht. Im nächsten Arbeitsschritt folgte der Webstuhl. Nicht zu vergessen die Arbeit des Färbers, der Tuche, aber auch Fäden vor dem Webvorgang in die gewünschte Farbe tauchte.

Eine Bortenmacherin präsentierte ihre sensible Arbeit. Töpfer, Steinmetz, Steinhändler, Goldschmied, Bäcker, Zimmermann, Imker, Kräuterfrau und Buchbinder – sie alle luden zu guter Information und Kurzweil ein. Steinhändler Horst Milczynski aus Monschau führte etwa vor, wie man mit einem Eisen und einem Feuerstein so Funken schlägt, dass sie ein Feuer entzünden können. Zur Unterhaltung trugen zwei Musiker mit Trommel und Sackpfeife bei. Ritter und Söldner trugen Scheinkämpfe aus und ließen die Pfeile fliegen. Und anstelle von Steinen, abgeschossen von einem Katapult, suchten Wasserbomben ihre Ziele.

Ein reichhaltiges Programm – von Luzia Schlösser und ihrem Team gut ausgewählt. „Wir sehen unsere Aufgabe darin“, sagte Luzia Schlösser, „den Besuchern das spannende Mittelalter durch das Leben und Arbeiten auf einer Burg vor Augen zu führen.“

Das tat dann auch in Wort und Bild Dr. Andreas Drouve mit zwei Vorträgen. Der erste Vortrag war überschrieben mit „Die Berufung des Pilgerns – der Jakobsweg in Geschichte und Gegenwart“. Der zweite am Nachmittag beschäftigte sich mit „Mythen und Legenden vom Jakobsweg“. Andreas Drouve, freier Journalist und Schriftsteller, stammt aus Düren und lebt seit Mitte der 1990er Jahre in Pamplona, in unmittelbarer Nähe des Jakobswegs.

Am Sonntag gab es dann einen weiteren literarischen Leckerbissen. Christoph Heinze las die Geschichte des fleißigen Wichtels „Tomte Tummetot“ von Astrid Lindgren. Ob das der parallel laufenden „Lit.Cologne“ Abbruch getan hat, wusste man am Ende der Veranstaltung noch nicht.

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