Handelt es sich um Kunst im öffentlichen Raum?

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Handelt es sich um Kunst im öffentlichen Raum? Bei der 1905 von Karl Krauß geschaffenen Figur besteht offenbar wenig Diskussionsbedarf... Foto: Johnen
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... bei dieser Katze vor dem Haus der Stadt schon mehr. Foto: Johnen
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Der Adenauer von Dieter Patt ist ein Kunstwerk, aber umstritten war 2012 die Frage, wie er in den Park kam. Foto: Johnen

Düren. Viele Dürener kennen ihn zwar vom Sehen, doch wo der „Junge mit der Ziehharmonika“ im Stadtpark herkam, ist in der Verwaltung unbekannt. Für das Jugendamt gab es bislang keinen Grund einzugreifen, schließlich ist der Knabe geschätzte 114 Jahre alt und damit eher ein Fall für die Rentenversicherung – oder die Denkmalbehörde.

Ähnlich unbekannt ist die Herkunft der Herkules-Statue am Jesuitenhof. Dem Vernehmen nach überstand der Keulen-Schwinger den Zweiten Weltkrieg vergraben im Dürener Norden. Nach dem Krieg wurde er im Süden der Stadt wieder aufgestellt. Könnte er doch nur von seinem Schicksal berichten, er würde die Diskussion um „Kunst im öffentlichen Raum“ vermutlich um einige Erkenntnisse bereichern.

113 Skulpturen und Denkmäler

Über das Adenauer-Denkmal im Konrad-Adenauer-Park hingegen ist schon viel gesagt worden. Wer es gestiftet und gestaltet hat, ist bekannt. Nur wundert sich die Vorsitzende des Kultur-Ausschusses bis heute, wie es vor zwei Jahren ohne einen Beschluss des Rates aufgestellt werden konnte. Bei anderen Objekten nagt der Zahn der Zeit an der Substanz, oder Vandalismusschäden lassen das Kunstwerk kaum als solches erahnen.

Die Frage, ob am Rand von Wegen liegende überdimensionierte Katzen in verwitterten Karo-Hosen schützenswert sind, ist dabei noch nicht einmal angeschnitten. Wer hinter dem Tagesordnungspunkt „Kunst im öffentlichen Raum“ im Kulturausschuss der Stadt staubtrockene Materie erwartet hatte, war auf dem Holzweg. Die Bestandsaufnahme, die Hauke Ohls vom Leopold-Hoesch-Museum präsentierte, war für manche Überraschung, manchen Lacher und auch manches Kopfschütteln gut.

Ausgehend von der Diskussion um das im Adenauer-Park errichtete Kanzler-Denkmal hat der Stadtrat im April 2014 beschlossen, Kunst im öffentlichen Raum unter Federführung des Leopold-Hoesch-Museums erstmals zu erfassen. Mit einer Spende hat der Museumsverein diese Bestandsaufnahme ermöglicht. Drei Monate lang ging Hauke Ohls im Stadtgebiet auf die Suche – und er fand 113 Objekte, 79 davon in der Innenstadt. 28 Skulpturen, 36 Denkmäler, acht Ehrenmale, fünf Wegkreuze und Andachtsorte, elf Brunnen und 25 „verschiedene Objekte“, darunter die bereits zitierten Katzen, mannshohe Brillengestelle und den Otmar-Alt-Sprinter der Rurtalbahn, der für „Kunst im öffentlichen Raum“ eine beachtliche Agilität aufweist.

Die Datenbank ist damit erstellt, aber noch nicht abgeschlossen. In einem zweiten Schritt soll eine Kommission eingerichtet werden, die aus der Spitze des Kulturausschusses, des Kulturdezernenten, des Baudezernenten, der Direktorin des Hoesch-Museums, einem Denkmalschützer und eines externen Experten besteht. Diese Kommission bildet eine Schnittstelle zwischen allen Fachämtern und der Politik und soll ein Konzept erarbeiten, wie künftig mit Kunst im öffentlichen Raum – beispielsweise bei der Neu- und Umgestaltung von Plätzen – umgegangen werden soll. Auch die Frage der Pflege gehört dazu. Die Frage, ob alles, was derzeit herumsteht, auch in Zukunft dort unverändert stehen soll, wird auch auf die Tagesordnung kommen.

„Kunst im öffentlichen Raum ist ein fester Bestandteil von Stadtkultur. Sie kann in besonderer Weise zur Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt beitragen. Nicht selten stehen bedeutende Werke symbolisch für die ganze Stadt und können wirkungsvoll für die touristische Stadtwerbung genutzt werden“, heißt es in einem Text des Städtetages. Das Idealbild wäre damit umschrieben.

Museumsdirektorin Dr. Renate Goldmann betonte zudem, wie wichtig es ist, die einzelnen Objekte nicht nur zu katalogisieren, sondern sie auch zu erklären – und somit in Form von Führungen oder einer Publikation besser zugänglich zu machen. Kunst soll auch als solche zu erkennen sein. Der Museumsverein wird das Projekt weiter finanziell unterstützen.

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