Hambacher Forst: Scharfe Handgranaten bei Waldschützern

Von: red/pol
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Hambacher Forst
Der vom Braunkohletagebau bedrohte Hambacher Forst ist seit Jahren Gegenstand eines Konflikts zwischen Umweltschutzaktivisten und dem Tagebaubetreiber RWE. Das Foto entstand bei einer Polizeiaktion im März 2014. Foto: cht

Merzenich. Mit einem Großaufgebot hat die Polizei am Donnerstag ein Camp von Gegnern des Hambacher Braunkohletagebaus geräumt. Zuvor hatten die Aktivisten RWE-Mitarbeiter mit Knüppeln, Pfefferspray und Blendgranaten angegriffen und sieben von ihnen verletzt.

Bei der Durchsuchung des Camps wurden nach einem Bericht von „Spiegel Online“ drei scharfe Handgranaten aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Auf Nachfrage sagte ein Kriminalbeamter dem Online-Portal: „Die sollten womöglich als Sprengfallen dienen.“

Ein Sprecher der Protest-Initiative wies die Vorwürfe zurück. Die Aggression sei von den RWE-Mitarbeitern ausgegangen. Bei den Granaten handele es sich um Weltkriegsrelikte, wie sie in dem damals stark umkämpften Gebiet öfter auftauchten.

Nach Polizeiangaben hatten die Waldschützer eine Arbeitsmaschine besetzt und RWE-Mitarbeiter verletzt. Einer der Männer, die sich gegen die Abholzung des Waldes für den Braunkohletagebau wenden, drohte mit Selbstmord.

„Mit Beginn von Rodungsarbeiten zur Erweiterung des Hambacher Tagebaus nimmt die Aggressivität vermummt auftretender Aktivisten gegen Beschäftigte des Tagebaus deutlich zu“, schreibt die Kreispolizei Düren in einer Pressemeldung vom Donnerstag. 

Bereits am Mittwochmittag waren demnach Aktivisten aus dem Wald bei Morschenich gelaufen und hatten einen von RWE-Mitarbeitgern gesteuerten sogenannten Mulcher besetzt. Die herbeigerufene Polizei versuchte zunächst, die Aktivisten zum Verlassen des Fahrzeugs zu bewegen. Einer der Waldschützer auf der Maschine legte sich daraufhin ein Seil um den Hals und drohte, sich durch einen Sprung von dem Gerät selbst zu strangulieren, sollten die Beamten weiter vorrücken. Weitere Aktivisten stellten sich den herankommenden Einsatzkräften derweil in den Weg. Diese alarmierten vorsorglich einen Rettungswagen und einen Notarzt.

Die Polizei beendete schließlich die Situation. Der mit Selbstmord drohende Besetzer wurde von der Maschine geholt und zur Polizeiwache gebracht. Gegen den 23-Jährigen wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Am Donnerstagvormittag kam es gegen 10.50 Uhr dann zu einem erneuten Polizeieinsatz. Wieder hatten laut Polizeibericht Angehörige der Waldbesetzerszene Mitarbeiter von RWE „massiv angegriffen und verletzt“. Die Vermummten hätten für ihren Angriff nicht nur Latten, sondern auch Pfefferspray und Spreng- oder Knallkörpern eingesetzt. Mehrere der Waldarbeiter seien verletzt worden, dennoch konnten sie drei der Angreifer bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Die übrigen zogen sich zurück. Die Polizei umstellte einen Baum, in dem sich weitere Waldschützer zurückgezogen hatten.

Doch erst gegen 23:25 Uhr konnte der Großeinsatz beendet werden. Die Polizei nahm mehrere der Besetzer fest. Zudem wurde das Wiesencamp auf gerichtliche Anordnung durchsucht. Um die Personalien der Besetzer festzustellen, die sich auf Bäumen verschanzten, war auch das Höheninterventionsteam der Polizei vor Ort. Bei der Durchsuchung des Camps konnte Weltkriegsmunition, sowie Blendgranaten, gefunden werden. Diese war mutmaßlich von den Waldschützern in ihrem Camp abgelegt worden. 

Insgesamt wurden vierzehn Personen vorläufig festgenommen. Gegen einen der Waldschützer lag bereits ein Haftbefehl vor. Alle anderen hatten sich entweder auf Barrikaden verschanzt oder aber auf Baumplattformen in mehreren Metern Höhe befunden und dort zum Teil auch angekettet. Die Festnahmen gestalteten sich deswegen sehr langwierig.

Gegen 22:00 Uhr war auch der letzte Tatverdächtige gefasst, der sich in 25 Metern Höhe befand. Er konnte schließlich in einem Korb eines Hubwagens auf den Boden gebracht werden. Gegen die Täter wurden Strafverfahren eingeleitet. Sie sollen sich am Freitag gegenüber einem Haftrichter verantworten.

Die Polizeiaktion hinterließ auch andernorts ihre Spuren: Vor der Polizeiwache Düren tauchte in der Nacht ein Plakat mit der Aufschrift „Freiheit für Gefangene“ auf.

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