Hambach: Einblicke in die Zeit des Untertageabbaus

Von: Jörg Abels
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Wenn sich der Schaufelradbagger den gut erhaltenen Strecken auf bis zu zwei Meter genähert hat, übernehmen Kleingeräte den Rest. Der Stahlbeton- und Holzausbau der Stollensysteme wird abgerissen, voneinander getrennt und entsorgt. Foto: Jörg Abels
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Wenn sich der Schaufelradbagger den gut erhaltenen Strecken auf bis zu zwei Meter genähert hat, übernehmen Kleingeräte den Rest. Der Stahlbeton- und Holzausbau der Stollensysteme wird abgerissen, voneinander getrennt und entsorgt. Foto: Jörg Abels
Hambach
Projektleiter Hans Peter Schöngen, RWE Power. Foto: J. Abels

Morschenich. Der Blick in den freigelegten Stollen öffnet ein Tor in die Vergangenheit. Während einer der gigantischen Schaufelradbagger nur wenige Hundert Meter entfernt täglich bis zu 240.000 Tonnen Braunkohle aus dem 70 Meter starken Flöz des Tagebaus Hambach fördert, haben die Bergleute in diesem nur wenige Quadratmeter großen Hohlraum Mitte der 1950er Jahre täglich per Hand gerade einmal 140 Tonnen abgebaut; und zwar 300 Meter tief in der Erde, vor den über ihnen liegenden Erdmassen nur geschützt durch eine wenige Zentimeter dicke Stahlbetonummantelung und eine Holzverkleidung.

„Pro Schicht arbeiteten sich damals zwei Bergleute rund einen Meter weiter vor“, erklärt Hans Peter Schöngen von Tagebaubetreiber RWE Power, der als Projektleiter für den ordnungsgemäßen Rückbau der Schachtanlage zuständig ist. Kein Wunder, dass die Anfang der 50er Jahre nahe Morschenich mit zwei rund 330 Meter tiefen Schächten fertiggestellte Tiefbaugrube Union 103 schon kurz nach ihrer Inbetriebnahme aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit 1955 wieder geschlossen werden musste. Dazu kamen immer wieder Wassereinbrüche, die den Untertageabbau erschwerten.

Übriggeblieben ist mitten im heutigen Abbaufeld des Tagebaus Hambach neben den beiden Schächten, die seit 2011 mit dem fortschreitenden Tagebau bereits rund 80 Meter tief abgerissen wurden, ein rund elf Kilometer langes Streckennetz, das nun alle vier bis fünf Monate freigelegt wird. Der mächtige Schaufelradbagger nähert sich den Tunneln bis auf etwa zwei Meter, erklärt Tim Jaetzel, Leiter der Tagebauplanung. Die restliche Braunkohle wird von Kettenbaggern entfernt. Rund 650 Meter des Streckennetzes haben die RWE-Mitarbeiter auf diese Art in den vergangenen beiden Jahren bereits freigelegt, zerlegt und getrennt nach Beton, Stahl und Holz entsorgt.

Jetzt liegen weitere 235 Meter frei. Ein aufwendiges und teures, aber notwendiges Verfahren. Denn der Stahlbeton kann nicht einfach so von den Schaufelradbaggern aufgenommen werden. Er würde mit seinen spitzen Kanten die Transportbänder zerstören. Und daher muss RWE Power jährlich rund eine halbe Million Euro aufwenden, um die ehemalige Schachtanlage ordnungsgemäß zu beseitigen. Insgesamt sind für den Rückbau 15 Jahre vorgesehen. Nach derzeitigem Planungsstand hat der Kohlebagger die Schächte der ehemaligen Tiefbaugrube unweit von Morschenich 2026 erreicht. Bis dahin fallen beim Rückbau rund 50.000 Kubikmeter Beton und Mauerwerk an, 10.000 Tonnen Grauguss und Stahl und rund 6000 Kubikmeter Grubenholz.

Bislang sind die RWE-Experten beim Rückbau der ehemaligen Schachtanlage von Überraschungen verschont geblieben. Die in den 50er Jahren aufgezeichneten Vermessungsdaten sind so genau, dass sich der GPS-gesteuerte Schaufelradbagger bislang problemlos dem Streckennetz nähern konnte. Wie schon die beiden Schächte hat auch der Großteil der Strecken die Jahrzehnte nahezu unbeschadet überstanden, so dass sich die heutigen Bergleute ein genaues Bild von der Arbeit ihrer Vorgänger machen können.

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