Düren - Händler stellen Ordnungsdienst der Stadt infrage

Händler stellen Ordnungsdienst der Stadt infrage

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Ordnungsamt
„Das Bitten um Almosen ist nicht verboten“, betont Lisa Rühmann, Leiterin des Amtes für Recht und Ordnung. Die Kritik einiger Händler, der Ordnungsdienst müsse aktiv werden, weist sie zurück. Foto: Jörg Abels
11473156.jpg
Norbert Wolf, Daniel Böttke und Ulf Minartz (von links) fordern eine Verbesserung des städtischen Ordnungsdienstes. Foto: Johnen

Düren. Was kann der Ordnungsdienst der Stadt Düren bewirken? Diese Frage stellen sich die Einzelhändler Ulf Minartz und Norbert Wolf sowie Daniel Böttke, Manager des Stadtcenters. Von einer Präsenz der Mitarbeiter, die für Sicherheit und Ordnung sorgen sollen, sei in der Innenstadt kaum etwas zu spüren.

„Der Bürger wird veräppelt“, ist Böttke überzeugt. Das Personal reiche nicht aus, um etwas zu bewirken. „Der Ordnungsdienst übernimmt Aufgaben im gesamten Stadtgebiet, nur nicht in der Innenstadt, wo es nötig wäre“, sagt er. Das subjektive Sicherheitsgefühl habe sich nicht verbessert, sondern verschlechtert.

„An jeder Ecke der Stadt wird gebettelt, die Ladendiebstähle häufen sich und an manchen Stellen sitzen schon mittags Menschen mit einer Kiste Bier und einer Flasche Korn. Das ist ein tolles Bild, das Düren da abgibt“, ärgert sich Norbert Wolf. „Mit Einrichtung des Ordnungsdienstes wurde uns ein Wandel in der Stadt versprochen. Wir beobachten eine Art von Kapitulation“, sieht Wolf auch Bürgermeister Paul Larue (CDU) in der Pflicht, das Thema zur Chefsache zu machen.

„Der Ordnungsdienst in dieser Form funktioniert nicht. Er ist nicht das, was wir brauchen“, bilanziert Ulf Minartz. Den Mitarbeitern fehle womöglich die Schulung, um Menschen in einem freundlichen, aber bestimmten Ton anzusprechen. Seien es Radfahrer, die über die Wirtelstraße fahren, oder Passanten, die Zigarettenkippen und Kaugummis auf den Boden werfen. „Mit solchen vermeintlichen Kleinigkeiten geht es los, wenn ich ein Umdenken erreichen will und die Innenstadt ein attraktiveres Umfeld sein soll“, sagt Minartz. „Ich weiß nicht, ob solche Sachen aus Versehen übersehen werden, oder ob man sie nicht sehen will“, fordert Daniel Böttke ein „beherzteres Eingreifen“. Kein Verständnis hat Norbert Wolf dafür, dass morgens „ein Fahrzeug unbehelligt in der Innenstadt hält, mehrere Bettler aussteigen lässt und diese am Nachmittag wieder einsammelt“.

Lisa Rühmann, Leiterin des Amtes für Recht und Ordnung, stellt sich schützend vor ihre Mitarbeiter. „Wir lassen uns nicht zur Illegalität animieren“, weist sie die Vorwürfe, der Ordnungsdienst würde nicht konsequent handeln, zurück. „Wir sind an Recht und Gesetz gebunden“, betont sie. Es sei nun einmal nicht verboten, auf öffentlichen Plätzen Alkohol zu konsumieren oder um Spenden zu bitten. „Anders sieht das aus, wenn wir über aggressives Betteln oder Betrunkene reden, die Passanten anpöbeln“, erklärt die Juristin. In diesen Fällen handle der Ordnungsdienst. Gleiches gelte bei Verwarnungsgeldern. Zunächst sei auf mündliche Verwarnungen gesetzt worden, wenn jemand seine Zigarettenkippe weggeworfen hat oder Müll neben dem Mülleimer fallen ließ. Wer nun erwischt wird, werde konsequent zur Kasse gebeten. Im Fall des gewerbsmäßigen Bettelns sei die Polizei zuständig. „Wir haben es in solchen Fällen oft mit organisierter Kriminalität zu tun.“

 

Dass Mitarbeiter des Ordnungsdienstes auch tätig sind, um beispielsweise Schulschwänzer zur Schule zu bringen oder Halter von Fahrzeugen ausfindig zu machen, sei der Tatsache geschuldet, dass mit Aufstockung des Personals um drei Stellen der Ordnungsdienst auch bisherige Außendienst-Aufgaben übernommen habe.

„Mit zehn Leuten können wir keinen 24-Stunden-Dienst organisieren. Das ist auch nicht unser Auftrag“, sagt sie. Montags bis freitags von 7.15 bis 20 Uhr und entweder freitags oder samstags von 20 bis 2 Uhr seien Mitarbeiter im Dienst und eine Doppelstreife unterwegs. „Für ein Zweischichtsystem an sechs Tagen pro Woche bräuchten wir zwei Mitarbeiter mehr“, rechnet sie vor. Aufgrund von Krankheit oder Ausscheiden aus dem Dienst seien derzeit drei Stellen nicht besetzt, eine Ausschreibung laufe.

„Wir brauchen einen klaren politischen Auftrag, was der Ordnungsdienst machen soll und was nicht“, betont Lisa Rühmann. Sei dies geklärt, könne der Personalbedarf ermittelt werden. Was das Thema Aus- und Fortbildung betrifft, hat Rühmann klare Vorstellungen: „Aktuell haben wir dafür ein Budget von 1000 Euro. Ich habe den Antrag gestellt, dass es auf 6000 Euro angehoben wird.“ Parallel werde ein neues Ausbildungskonzept erarbeitet.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert