Langerwehe - Hände der Pianistinnen trotzen der Kälte

Hände der Pianistinnen trotzen der Kälte

Von: Bruno Elberfeld
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César und Sabine Avilés sowie Christina und Georg Kugler (v.l.) begeisterten in der Alten Kirche auf dem Rymelsberg in Langerwehe mit „besinnlicher Musik“ zu Allerheiligen. Foto: Bruno Elberfeld

Langerwehe. Wie jedes Jahr fand zu Allerheiligen in der Alten Kirche auf dem Rymelsberg in Langerwehe ein Konzert statt. Veranstalter waren die Pfarre St. Martin Langerwehe und der Förderverein „Alte Kirche“.

Am Klavier, im Duett, als Solistinnen und vierhändig: Sabine Avilés und Christina Kugler. César Avilés begeisterte mit seiner Violine ebenso wie Georg Kugler mit dem Violoncello. Das Programm nahm den Hörer mit auf eine musikalische Zeitreise über vier Jahrhunderte hinweg.

Georg Kugler eröffnete das Konzert mit dem „Prelude“ aus der „Suite Nr. 2 d-Moll“ für Violoncello von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Die Gäste in den Kirchenbänken, auf Rat der Veranstalter meist in warme Kleidung gepackt, beeindruckte Kuglers Spiel, auch seinen beharrlichen Kampf gegen die Kälte im Raum, bei der selbst Stücke aus Bachs „Wohltemperierten Klavier“ (ein Kalauer) nicht „wohl geklungen“ hätten.

Weich und empathisch

Bach fand seine Fortsetzung mit Mozarts (1756-1791) „Tempo di Minuetto“, dem 2. Satz aus der „Sonate e-Moll für Violine und Klavier. César Avilés, verwachsen mit dem Instrument, spielte weich und empathisch. Begleitet am Flügel wurde er von Sabine Avilés. Kam Bachs Werk getragen, mathematisch genau und messbar daher, war „Tempo di Minuetto“ hörbar beschwingt und tänzerisch, eben Mozart.

Auf dem Weg ins 19. Jahrhundert interpretierten Georg Kugler und Christina Kugler „Berceuse, Serenade, Elegie und Cradle song“, vier Stücke für Cello und Klavier, von Frank Bridge (1879-1941). Harmonische Einsätze, blindes Verstehen bei diesem Duo genauso wie bei Sabine und César Avilés.

Christina Kugler fuhr fort mit Leos Janácek (1854-1928) und seinem Klavierwerk „Auf verwachsenem Pfade“. In fünf Episoden erinnert der Komponist an gemeinsame „Abende“, beobachtet ein „verwehtes Blatt“ im Herbstwind, bemerkt in „Es stockt das Wort“ Sprachlosigkeit, verweist auf ein „Käuzchen, das nicht fortgeflogen ist“ und wünscht „Gute Nacht“. Die Gäste in den Bänken der Alten Kirche konnten bei aufmerksamem Zuhören einzelne Bilder oder auch ganze Geschichten an sich vorbeiziehen sehen.

Das Adagio, 2. Satz, aus Johannes Brahms (1833-1897) Sonate d-Moll für Violine und Klavier bestritten wieder César und Sabine Avilés. Weicher und gefühlvoller Anschlag der unterkühlten Tasten und eine körperbetonte Interpretation mit der Violine ließen wohl zeitweise das eigene Frösteln vergessen.

Der Schlussakkord war Sabine Avilés und Christina Kugler vorbehalten. Vierhändig präsentierten sie die „Legenden Nr. 1 d-Moll und Nr. 5 As-Dur“ von Antonin Dvorák (1841-1904).

Stürmisch und furios, mal zurückhaltend, mal dominant, tanzten die vier Hände der Pianistinnen der Kälte trotzend über die schwarz-weißen Tasten, ein robustes Werk, das versuchte, die Lebensgeister der Besucher neu zu beleben.

Kalt trotz Kleidung

Ein tolles Konzert, mit perfekter Technik und brillanter Interpretation. Nur schade, dass keine Zugabe mehr gefordert wurde, leerte sich der Kirchenraum nach dem Verklingen der letzten Töne. Offenbar war es den Menschen trotz Winterkleidung zu kalt geworden.

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