Birkesdorf - Gut Holz: Kegelclub „Ärm Söck“ feiert Geburtstag

Gut Holz: Kegelclub „Ärm Söck“ feiert Geburtstag

Von: Stephan Johnen
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Seit 60 Jahren trifft sich der Kegelclub „Ärm Söck“ regelmäßig in der Birkesdorfer Gaststätte „Im Kirchfeldchen“. Dort wird alle zwei Wochen trainiert. Foto: Stephan Johnen

Birkesdorf. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz: Was auf Kegeltouren geschieht, bleibt geheim. „So schlimm sind wir aber nicht“, versichert Herbert Sibber. „Wir haben aber schon viel Spaß bekommen“, fügt er augenzwinkernd hinzu.

Obwohl eigentlich nichts verraten wird, hat der 90-Jährige eine Anekdote schnell erzählt. Bei einer der mittlerweile 60 Kegeltouren gab es Meinungsverschiedenheiten mit dem Wirt. Zur Essenszeit lief ein Fußball-Länderspiel, auf das die Kegelbrüder aus Birkesdorf nicht verzichten wollten. Doch der Wirt war der Meinung, dass während des Essens der Fernseher in der Gaststube abgeschaltet bleibt. Als sich die Gäste Zugriff auf die Fernbedienung verschafften, kam der Gastgeber mit geladener Waffe zurück. „Er hat in die Decke geschossen“, berichtet Sibber. Den Rest des Spiels konnte die Truppe dennoch in Ruhe verfolgen. Am Nachbartisch saß ein zweiter Kegelclub, einige Mitglieder waren Polizisten. Wie das Spiel ausgegangen ist, daran kann sich niemand erinnern Diesen Gasthof jedoch haben die „Ärm Söck“ nie wieder angesteuert.

Vor 60 Jahren hat sich der Club aus der Handballabteilung des Birkesdorfer Turnvereins heraus gegründet. „1954 wurde die im Krieg zerstörte Kegelbahn der Gaststätte ‚ Kick‘ wieder aufgebaut. Seit dieser Zeit sind wir dort zu Gast“, blickt Gründungsmitglied Ernst Vie- höver zurück. Sein Schwager Klaus Dohmen trat kurze Zeit später bei – als erster Nicht-Handballer. Herbert Sibber ist der Senior, Manfred Braun mit 73 Jahren der Junior. Auch Karl-Heinz Krapohl (78), Willi Graff (80) und Paul Vogt (79) gehören zum Club. Seit 60 Jahren wird regelmäßig gekegelt, zunächst einmal die Woche, mittlerweile alle zwei Wochen. „Das ist der Tribut, den wir dem Alter zollen“, sagt Paul Vogt.

Über Neuaufnahmen musste seit der Gründung immer einstimmig entschieden werden. Manchmal gehörte auch Ausdauer dazu, um Mitglied zu werden. „Das erste Mal bin ich durchgefallen“, berichtet Manfred Braun. Aber er blieb an der Kugel, kegelte „auf Probe“ mit – und im zweiten Jahr war das Urteil der Jury einstimmig.

Wer die „Ärm Söck“ auf der Kegelbahn besucht, bekommt viel zu hören. Über das Leben in der Nachkriegszeit, den Wiederaufbau, über die Gemeinschaft im Verein, den Zusammenhalt, aber auch über die traurigen Kapitel aus sechs Jahrzehnten Vereinsgeschichte. Viele Mitglieder der ersten Stunde sind bereits verstorben, stets haben die Kegelbrüder den letzten Gang begleitet und Abschied von ihren Freunden genommen.

„Kegeln ist durchaus ein ernsthafter Sport. Und wir sind unsere Treffen auch jahrzehntelang sportlich angegangen“, erzählt Ernst Viehöver. Selbstverständlich gehörte nach jedem Training auch die Geselligkeit zum Programm, doch die „Ärm Söck“ haben viele Jahre lang durchaus ambitioniert an Turnieren teilgenommen. Bereits zu Zeiten, in denen es noch „Kegeljungen“ gab, die die Kegel nach jeden Wurf abräumten oder wieder aufstellten. „Der Junge hatte Essen und Trinken frei und bekam sechs Mark für den Abend“, erinnert sich Ernst Viehöver. Für jede „Neun“ und für jeden „Kranz“ gab es zehn Pfennig extra. Je besser die Kegler wurden, desto teurer wurden die Abende.

Heute lassen es die Kegelbrüder eher ruhig angehen. Die Nacht wird auf der Kegelbahn nicht mehr zum Tag gemacht, doch nicht selten heißt es noch bis Mitternacht „Gut Holz“. Im Jubiläumsjahr machten die Kegler übrigens erstmals eine Ausnahme: Sie unternahmen mit ihren Frauen einen Ausflug. Die jährliche Kegeltour war damit aber nicht gemeint. Die ist schließlich Männersache.

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