Gut beschirmt zur Pietà in den Kurpark pilgern

Von: Gudrun Klinkhammer
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Regionaldekan Pfarrer Hans Doncks (am Pult) und Weihbischof Manfred Melzer aus Köln gestalteten die Liturgie mit weiteren Helfern. Foto: gkli

Heimbach. Behütet von einem grünen Schirm und getragen von vier Gemeindemitgliedern hielt die Pietá am Samstagabend mit rund 400 Pilgern Einzug in den Kurpark. Im Kirchenjahr der Barmherzigkeit lautet der Titel der Heimbacher Wallfahrtsoktav „Selig die Barmherzigen“.

Helmi Breuer, Ortsvorsteherin von Heimbach, und ihr Mann Helmut begrüßten die Pilger am Eingang des Kurparks und verteilten Liedzettel. Weihbischof Manfred Melzer aus Köln zelebrierte die Messe mit Regionaldekan Pfarrer Hans Doncks. Melzer erinnerte sich während der Liturgie an seinen letzten Besuch in Heimbach vor 44 Jahren. Der Weihbischof schmunzelte, als er in die Runde der Besucher schaute, und sagte: „Wir haben uns lange nicht gesehen, aber nicht aus den Augen verloren.“

70.000 Pilger jährlich

Sehr genau konnte er sich noch an seinen Aufenthalt vor mehr als vier Jahrzehnten erinnern. Er verbrachte damals eine Zeit in der Abtei Mariawald. Dann führte ihn sein Weg nach Heimbach in die Kirche St. Clemens und Salvator zur Pietá, zum Gnadenbild der „Schmerzhaften Mutter Gottes“. Der Weihbischof fragte die Pietá, ob er als Priester den richtigen Weg einschlagen werde. Die Statue gab dem heutigen Weihbischof anscheinend die richtige Antwort.

Seit mehr als 500 Jahren verehren die Menschen das Gnadenbild der „Schmerzhaften Mutter Gottes“. Bis zu 70.000 Menschen pilgern alljährlich nach Heimbach. Der Heimbacher Heinrich Fluitter war es, der um das Jahr 1470 herum nach Köln fuhr und dort für neun Mark eine Pietá erwarb, die ihn faszinierte. Er stellte die Plastik im Kermeter auf.

Noch heute steht an dieser Stelle ein Heiligenhäuschen mit einer Nachbildung der echten Pietá. Zisterzienser kamen 1486 hinzu, bauten das Kloster Mariawald, um dort die Pietá rund 300 Jahre lang zu beherbergen und die Pilger zu verpflegen. Wie Helmut Breuer weiß: „Bis 1795 stand die ,Schmerzhafte Mutter Gottes‘ in der Abteikirche, aufgrund von Kriegswirren kam sie 1804 nach Heimbach.“ Dort wird sie seither angebetet. Zur Wallfahrtsoktav verlässt die Figur in der Regel ihren Platz in der Kirche und wird – wenn es das Wetter zulässt – zur Eröffnungsmesse in den Pavillon im Kurpark getragen.

Zu den Pilgern gehörten am Samstagabend Willi und Gertrud Schneider aus Embken und Erwin und Margret Kreutz aus Inden-Altdorf. Margret Kreutz, 76 Jahre, erinnert sich daran, dass sie bereits als Kind mit ihren Eltern nach Heimbach pilgerte. Damals ging es per Bus an die Rur. Margret Kreutz: „Später fuhren wir dann mit den eigenen Kindern hierher.“ Liegt kein massiver Grund wie etwa eine Krankheit vor, dann pilgert das Ehepaar Kreutz jedes Jahr wieder zur Pietá. Margret Kreutz: „Man muss ja auch mal Danke sagen, wenn alles wieder gut wird.“

Ähnliches berichtet das Ehepaar Schneider. Auch die heute 79-jährige Gertrud Schneider pilgert von Kind an zur „Schmerzhaften Mutter Gottes“, die ihren toten Sohn in den Händen hält. Sie sagt: „Damals gingen wir von Embken aus noch zu Fuß, heute fahren wir mit dem Auto.“ Ein Jahr ohne Anbetung der Mutter Gottes, das können sich die beiden Paare gar nicht vorstellen. Margret Kreutz: „Man meint einfach, man muss zur Wallfahrt nach Heimbach.“

Begleitet wird die Wallfahrtsoktav von einem traditionsreichen Krammarkt in Heimbach auf dem Parkplatz „An der Laag“, der täglich geöffnet ist und am Sonntag, 10. Juli, endet.

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