Guildo hat den Regio Shuttle lieb

Von: Jörg Abels
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Wie leicht oder schwer haben es Rollstuhlfahrer im Dürener ÖPNV? Schlagersänger Guildo Horn wechselte gestern einmal die Perspektive und Nahm Rurtalabhn und DKB unter die Lupe. Foto: Jörg Abels
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Auf den Höhenunterschied an den Bahnsteigen weist die Rurtalbahn schon im Zug mit Durchsagen hin.

Düren. Das Lob kam aus berufenem Munde: „Der Zug ist mit Abstand der beste, den wir auf unserer Tour erlebt haben“, stellte Entertainer Guildo Horn am Montag fest, nachdem er den neuen Regio Shuttle der Rurtalbahn aus der Perspektive eines Rollstuhlfahrers unter die Lupe genommen hatte.

Horn, der Deutschland 1998 beim Eurovision Song Contest mit dem Lied „Guildo hat Euch lieb“ vertreten hat, ist seit 2012 in NRW als Botschafter der Kampagne „Für mehr Miteinander in Bus und Bahn“ unterwegs. Er testet den ÖPNV und will die Fahrgäste für den Umgang mit mobilitätseingeschränkten Mitreisenden sensibilisieren.

„Irgendwann sind die technischen Hilfsmittel erschöpft und dann geht es darum, sich gegenseitig zu helfen.“ Was Guildo Horn im Regio Shuttle besonders faszinierte war neben dem behindertengerechten WC vor allem die Möglichkeit, als Rollstuhlfahrer per Knopfdruck Kontakt zum Zugführer aufnehmen zu können, damit er am Ziel der Fahrt eine Rampe zum Bahnsteig anlegen kann. Eine Einrichtung, die auch die im Rollstuhl sitzende Birgit Kalwitz von der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke ausdrücklich lobte.

Rurtalbahn-Geschäftsführer Herbert Häner musste sich aber auch Kritik anhören. Jörg Conrad, erblindeter Kursteilnehmer im Berufsförderungswerk Düren, bemängelte, dass in den neuen Zügen die Haltesignal-Knöpfe nicht mehr unmittelbar an den Türen angebracht und damit schwer zu finden sind. Häner sicherte zu, diesen Aspekt ebenso noch einmal zu überprüfen wie die für Rollstuhlfahrer zu hohe Anbringung der Knöpfe.

Jörg Conrad veranschaulichte auch an anderer Stelle, wie schwer es Blinde haben, wenn sie Zug fahren wollen. Am Dürener Bahnhof beispielsweise sind die Rillen der taktilen Leitsysteme mit dem Blindenstock nur schwer von der ebenfalls aufgerauhten Bahnsteigkante zu unterscheiden. Problem sei auch, dass die Züge nie am gleichen Ort halten.

„Wir müssen uns dann mit der Hand bis zur Tür vortasten“, erklärte Conrad. Glücklicherweise, und das bestätigte auch Birgit Kalwitz, sei die Hilfsbereitschaft groß, auch die Jugend sei besser als ihr Ruf, ergänzte Elfriede Vieth vom Seniorenrat der Stadt.

Dass die Züge nicht immer exakt am selben Punkt halten könnten, läge vor allem an den auch vom Wetter abhängigen Bremswegen, erklärte Herbert Häner, der auch um Verständnis dafür warb, dass nach der Umrüstung vom Regio Sprinter auf den Regio Shuttle beim Ein- und Ausstieg Höhendifferenzen überbrückt werden müssen. Standards hätte sich im Laufe der Jahre geändert und die Bahnsteige könnten nicht ohne weiteres baulich angepasst werden. Dass ein Umbau auch eine Kostenfrage sei, wollte Häner nicht verhehlen.

Mit der wird sich auch sein Kreisbahn-Kollege Bernd Böhnke noch beschäftigen müssen, denn bis 2022 müssen auch alle Bushaltestellen – allein die DKB fährt rund 700 an – behindertengerecht umgestaltet werden. „Da werden wir sicher Kompromisse eingehen müssen“, kündigte Böhnke an.

Was die Fahrzeuge betrifft, betonte AVV-Geschäftsführer Hans Joachim Sistenich, werde nur noch die Anschaffung behindertengerechter Busse gefördert. Die DKB hat dabei bewusst auf anfällige elektrische Rampen für Rollstuhlfahrer verzichtet und setzt auf mechanische – was Birgit Kalwitz ausdrücklich begrüßte. Und die dürfen nicht nur vom Busfahrer aufgeklappt werden. „Mit einem Griff kann jeder Fahrgast einem Rollstuhlfahrer helfen“, erklärte Sistenich.

„Wir werden mit so einer Aktion wie heute nicht auf Anhieb die Welt verbessern“, war auch Guildo Horn klar. Der Weg sei das Ziel. Es gehe darum, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen und Schwächeren zu helfen. Nur eine Bitte hatte der erblindete Jörg Conrad noch: „Ansprechen ja, aber nicht immer direkt anfassen.“

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