Gürzenicher Bach: Bodengutachten verzögert Ausbau

Von: Carsten Rose
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Fließt noch immer durchs selbe Becken: der Gürzenicher Bach an der Schillingsstraße. Foto: C. Rose

Düren. Eigentlich sollte der Gürzenicher Bach im gleichnamigen Stadtteil schon längst durch ein neues Bett fließen. Eins, das dem Hochwasserschutz gerecht wird. Die ersten Planungen sind bereits sechs Jahre alt, 2014 sollten die Arbeiten beginnen – die aktuelle Prognose lautet: Mitte 2017 ist realistisch.

Es hakt besonders an einem Bodengutachten.

Der Bach, der aus dem Gürzenicher Wald kommend parallel zur Schillingsstraße fließt, steigt bei starkem Regen über die Ufer. Bis zu 8000 Liter pro Sekunde könne der Bach führen, wenn man in den sogenannten Hundertjährlichkeiten (also extreme Hochwasser, die im Schnitt alle 100 Jahre auftreten) rechnet, erklärt Pressesprecher Marcus Seiler vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER).

Der WVER ist für die Planungen zuständig. „Das ist mehr Wasser als die Rur momentan bei Trockenwetter führt“, erklärt Seiler zum Vergleich. Ein Konzept zum Hochwasserschutz soll dieses Problem aus der Welt schaffen. Das Betonprofil, durch das der Bach fließt, soll tiefer und breiter werden. Und zwar im Ort selbst, denn dort fließt mit 5000 Litern das meiste Wasser der als Maßstab geltenden 8000 Liter zum Beispiel über die Straßen in den Bach, sagt Seiler. Ein Rückhaltebecken vor der Ortschaft sei also keine Option als Lösung des Problems gewesen.

Grundwasser kann ansteigen

Dass sich noch nichts getan hat, liege an einem Bodengutachten, sagt Ralf Kreischer, der das Umweltamt des Kreises Düren leitet. Zum Umweltamt gehört die Untere Wasserbehörde, die das Gutachten analysieren muss und letztlich die Genehmigung erteilt. Oder auch nicht. Nach jenem Bodengutachten, das der WVER in Auftrag gegeben hat und das dem Kreis seit August dieses Jahres vorliegt, können anliegende Häuser gefährdet sein. „Die Schalen des Betonbeckens des Baches sind heute schon undicht“, sagt Kreischer, „und wenn der Grundwasserstand ansteigt, könnten die Keller einiger älteren Häuser, die nicht den heutigen Standards entsprechen, volllaufen.“ Es handele sich um zwei bis drei Häuser, sagt Kreischer.

Marcus Seiler teilt mit, dass im Laufe des Verfahrens Grundwassermessstellen ausgeschrieben würden, „damit wir später beobachten können, inwieweit sich eine Veränderung im Grundwasser durch die Maßnahme ergibt“. Es ist auch eine Abdichtung des Untergrunds des Bachbettes im Gespräch. „Sollte der Kreis zu der Meinung kommen, dass eine Abdichtung erforderlich ist, wird dies auch in der Maßnahme von uns so umgesetzt.“

Für den Wasserverband ist diese Problematik nicht das einzige Hindernis in seiner Planung. Hinzu kommt die Situation auf Höhe der Schillings-Apotheke an der Ecke Dr.-Decker-Straße. Dort macht der Bach einen Knick nach links – und das Grundstück ist Privatgelände. Ergo: Es muss ein Bypass gelegt werden, der dieses Grundstück unter der städtischen Straße rechts umgeht. „Über diesen Kanal soll das Hochwasser dann abgeführt werden“, sagt Ralf Kreischer. „Aber dieser Bypass wird die Geschäfte an dieser Ecke einschränken, weil die Straße massiv aufgerissen werden muss. Daher muss man auch über Entschädigungszahlungen nachdenken.“

Außerdem stünden seitens des WVER noch sogenannte Detailplanungen aus, die dem Kreis fehlten. Dabei handele es sich zum Beispiel um die Brücken; deren Radien seien zu klein, so dass Landwirte mit „ihren immer breiteren Geräten“ den Bach nicht problemlos überqueren könnten, sagt Kreischer.

Aufgrund der „komplizierten Gemengelage“ und weil es „schwierig ist, alle Interessen zu berücksichtigen“, wie Kreischer betont, rechne er mit weiteren Einwänden beim nächsten Entwurf. „Mitte 2017 könnte es ein Ergebnis geben“, sagt Kreischer. Die Bauzeit betrage dann laut Marcus Seiler vom WVER etwa 14 Monate. Wie bereits im Mai 2013 veranschlagt, würde das Projekt etwa 5,2 Millionen Euro kosten. „Die Eingriffe ins Gewässer sind durch das Land förderungsfähig“, sagt Seiler, „das wären 80 Prozent der gesamten Arbeiten.“

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