Düren - Günter Wallraff liest in der Aula des Stifts aus aktuellem Buch

Günter Wallraff liest in der Aula des Stifts aus aktuellem Buch

Von: Bruno Elberfeld
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Günter Wallraff (l.) und der
Günter Wallraff (l.) und der Organisator der Lesung, Dr. Achim Jäger, kurz vor der Veranstaltung in der Aula des Gymnasiums. Foto: bel

Düren. Die Frage aus dem Publikum in der nahezu voll besetzten Aula des Stiftischen Gymnasiums Düren war spannend. „Wie sind Sie auf die Idee gekommen, undercover zu recherchieren?”, wollte ein Mann wissen.

Die Frage war deshalb so spannend, weil die vielen Rollen, in die der Journalist und Schriftsteller Günter Wallraff aus Köln geschlüpft ist und noch immer schlüpft, einige Gefahren mit sich bringen. „Die Bundeswehr ist schuld daran”, erklärte Wallraff, der Männer wie Christus, Sokrates, Martin Luther Kind und Mahatma Gandhi zu seinen Vorbildern zählt.

Wallraff hatte den Antrag für die Befreiung vom Kriegsdienst zu spät eingereicht. Aus Gewissensgründen wollte er keine Waffe in die Hand nehmen. Er musste den Dienst antreten, wurde zehn Monate lang schikaniert. Wallraff führte Tagebuch über die Ereignisse in seiner „Strafkompanie”. Den Deal „Nicht-Veröffentlichung” des Tagesbuchs gegen Entlassung lehnte er ab. Er wurde in die Bundeswehr-Psychiatrie in Koblenz eingeliefert.

„Dort wurde ich mit dem Ehrentitel Abnorme Persönlichkeit, für Krieg und Frieden untauglich, Tauglichkeitsgrad 6, entlassen”, erzählte der Schriftsteller mit einem breiten Grinsen. Der gelernte Buchhändler erkannte, dass „Öffentlichkeit der Sauerstoff einer Demokratie ist”. Nicht mehr in der Lyrik sah er jetzt seine Zukunft, sondern in der Undercover-Recherche als Journalist.

Das Programm, das Dr. Achim Jäger zusammen mit Günter Wallraff für diesen Abend zusammengestellt hatte, faszinierte die Menschen. Wallraff hatte viel zu erzählen. Man hörte ihm gerne zu, war das doch alles erlebte Wirklichkeit, von der man höchstens etwas erahnt hatte. Viele konnten nur staunen.

Ausschnitte aus dem Film „Schwarz auf weiß”, der in vielen Ländern viele Wochen auf den Hitlisten gestanden hatte, machten betroffen, ließen aber auch Freiräume für gewollte Komik, wenn ein kleiner schwarzer Junge zuschaut, wie der schwarze Wallraff in der Maske wieder weiß wird.

Alle Protagonisten in dem Film, in dem Wallraff in schwarzer Haut einen Schrebergarten mieten will, auf einem Campingplatz mit seiner „Familie” einen Dauerplatz pachten oder in Bayern in der Nähe von Rosenheim gar einen Jagdschein machen will, sind nach eigener Aussage „natürlich nicht fremdenfeindlich, nein.”

Gefährlich wird die Rolle als Farbiger nach einem Fußballspiel zwischen Energie Cottbus und Dresden. Da hätte Blut fließen können. Aber, wie alle ja wissen, sind immer die Umstände schuld. Ein Schwarzer mit Jagdschein? Wo will der denn jagen? Ein Schwarzer im Schrebergarten? Da laufen doch alle anderen davon. Das passt doch nicht. Nach den Filmausschnitten las der Journalist aus seinem aktuellen Buch „Aus der schönen neuen Welt” mit dem Untertitel „Expeditionen ins Innere”. Darin erzählt er, wie er in verschiedenen Rollen Missstände in Deutschland aufdeckt.

Hausverbot bei McDonalds

Als Obdachloser verkleidet besucht Wallraff die Heim-Container-Siedlung in Frankfurt und den berüchtigten Bunker in Hannover, wo die Obdachlosen nachts eingeschlossen wurden. Nach Veröffentlichung der menschenunwürdigen Zustände sind beide Obdachlosen-Unterkünfte mittlerweile geschlossen.

Stolz blickt Günter Wallraff auf seine Arbeit als Undercover-Ermittler zurück. Der Erfolg gibt ihm recht. Nach dem Öffentlichmachen der schlimmen Zustände hat sich über kurz oder lang immer etwas geändert. Mittlerweile darf er sogar wieder zu McDonalds rein, wo er wegen seiner Recherche vor Jahren als Reinigungskraft in einer Küche Hausverbot hatte.

Günter Wallraff, 1942 geboren, ist noch nicht müde. „Ich habe noch einiges vor”, versprach er, „da reichen zwei Leben nicht!”
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