Günter Palm: Das G steht für Grenzwacht

Von: Carsten Rose
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Halten die Alten Herren des FC Grenzwacht Hürtgen zusammen: Bruno Roßbroich (79, l.) und vor allem Mitbegründer Günter Palm, 80. Foto: Rose

Hürtgen. Der Günter, erzählt Bruno Roßbroich, müsste eigentlich zehn Jahre später als üblich Goldene Hochzeit feiern, denn wenn man zusammenrechnen würde, wie viele Tage und Nächte Maria Palm ihren Mann nicht gesehen hat, komme man eben auf zehn Jahre. Günter Palm, 80, hat so viel Zeit mit seiner anderen Liebe verbracht: der Altherren-Abteilung des FC Grenzwacht Hürtgen.

Man könnte meinen, das G in Günter steht für Grenzwacht, denn die Altherren hat er mitgegründet – vor 50 Jahren. Dieses Jubiläum und vor allem die Tatsache, dass Palm von Anfang an quasi alles organisiert, sind nicht alltäglich.

Wie er alles, was an Organisation in einer Fußballabteilung anfällt, bewältigt, und warum gerade er das erledigt, kann Palm leicht erklären. „Alle Vereine leben doch von Leuten, die in der Verwaltung beschäftigt waren“, sagt Palm, der mehr als 40 Jahre beim Kreis Düren gearbeitet hat und dort unter anderem 15 Jahre Personalchef gewesen ist; Roßbroich, sein guter Freund und Vereinskollege, der ihn unterstützt hat fast 50 Jahre für die Gemeinde Hürtgenwald gearbeitet. Und Palm ergänzt: „Von Berufs wegen will ich dann halt immer führen.“

So kam es, dass Palm von der Gründung 1967 bis 1983 Schrift- und Geschäftsführer war und seit 1983 bis heute der Vorsitzende der Altherren-Abteilung ist. Palm trifft also die wichtigen Entscheidungen und kümmert sich um die großen Aktionen der Abteilung. Zu den wichtigsten Terminen im Jahr gehörte mehr als 20 Jahre der „Gala-Abend“ an jedem letzten Samstag im Jahr mit bis zu 500 Besuchern und prominenten Gästen aus der Region.

Diese Abende haben abgesehen von viel Spaß eines gebracht: Einnahmen. Und die haben die Alten Herren vorrangig in Ausflüge investiert – damit ist die Kameradschaft mehr als intakt geblieben, erzählen Palm und Roßbroich. „Wir haben Europa zusammen gesehen. Manche waren dadurch überhaupt das erste Mal unterwegs. Stockholm, Kopenhagen, Prag, Budapest,...“, sagt Roßbroich.

Jedes Jahr im Sommer geht es immer noch nach Mallorca. In die ruhigen Ecken? „Nee, Ballermann“, sagt Palm wie selbstverständlich. Auf der Insel gönnt er sich dann auch mal ein Radler, sonst trinkt er keinen Alkohol, was etwas ungewöhnlich ist, denn seine Familie hat eine Kneipe im Ort. Verwunderlich ist jedoch nicht, dass er deswegen oft der Fahrer war. Heute ist das immer noch so, auch abgesehen vom Fetenfahrdienst ist Palm für den Verein viel in seinem kleinen Cabrio unterwegs.

Er teilt alle Einladungen persönlich aus, und wenn mal Not bei den Spielern herrscht, fährt auch von Tür zu Tür, um Ersatz zu mobilisieren. „Das war früher einfacher“, sagt Palm – an irgendeinem Punkt musste dieser Satz fallen. „Heute geht das Private vor. Früher war bei den Altenherren, weil man unbedingt weiter Fußball spielen wollte.

Und generell bestehen die ersten und zweiten Mannschaften heute ja meistens aus externen Spielern. Die Alten Herren aus dem eigenen Ort werden weniger.“ Heute seien etwa 30 der 60 Mitglieder aktiv in den beiden Ü 30- und Ü 50-Mannschaften der Grenzwacht. Palm selbst hat verletzungsbedingt nur in den Anfangsjahren noch gespielt.

Am Freitagabend steht das traditionelle Reibekuchenessen des jährlichen Pfingstturniers an, und weil es eben „traditionell“ ist, kann Palm dazu eine Geschichte erzählen: „Vor Jahrzehnten waren wir auf einem Turnier in Eschweiler über Feld, da gab‘s Reibekuchen. Dann sind die Kartoffeln ausgegangen. Einer von uns hatte einen Sack im Auto und bereitgestellt. Als Revanche haben die zwei Jahre bei uns Reibekuchen gemacht. So fing das an.“

Heute, sagt Palm, würden die meisten nur wegen der Reibekuchen zum Pfingstturnier. Manche der Frauen, die an den Herdplatten stehen, sind auch bald 80.

Alle diese Geschichten werden die Grenzwacht und Palm immer verbinden. Wenn er die Arbeit irgendwann ruhen lassen sollte, müsste man sie auf „fünf, sechs Schultern“ verteilen, Palm schaue überall nach dem Rechten, nicht nur bei den Altherren, sagt Karl-Josef Mainz, der Vorsitzende des Hauptvereins SG Vossenack/Hürtgen

Den Verwaltungsmensch Palm weiß Mainz anscheinend zu schätzen, denn er sagt: „Günter ist immer fordernd, aber man kann ihm einfach nicht böse sein.“ Sollte Palm demnächst aufhören, könnte Mainz sich als Abschiedsgeschenk eine Liege vorstellen – für Mallorca.

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