Günter Lamprecht erzählt aus seinem Leben

Von: Jan Ole Feeken
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Günter Lamprecht signierte im Anschluss an die Lesung sein Buch „Und wehmütig bin ich noch immer“. Foto: Jan Ole Feeken

Düren. „Und wehmütig bin ich immer noch“, so lautet der Titel der Autobiographie des Schauspielers Günter Lamprecht, der am Dienstag im Großen Saal der evangelischen Gemeinde zu Düren eine Lesung hielt.

Filme wie „Berlin Alexanderplatz“, „Der Tod zu Basel“ oder als Tatortkommissar „Franz Markowitz“ brachten ihm deutschlandweite Bekanntheit und Anerkennung als Schauspieler ein. Doch bis dahin war es für den am 21. Januar 1930 geborenen Berliner ein weiter und von Beschwerden gepflasterter Weg.

Im Rahmen einer Lesung aus Heinrich Bölls Roman „Der Engel schwieg“, zum Thema „Trümmerliteratur im vergangenen September im Heinrich-Böll-Haus in Langenbroich, war Günter Lamprecht bereits in Düren zu Gast und auf persönlichen Wunsch von Dürens Bürgermeister Paul Larue, aus seiner Autobiographie zu lesen, hielt er sein Versprechen und beehrte alle Gäste ein weiteres Mal mit seiner Anwesenheit.

Kurze aber herzliche Worte des Bürgermeisters und von Katharina Oidtmann, Leiterin der Stadtbücherei, führten in eine eindrucksvolle Lesung ein. Und dann fing er an zu lesen. Es begann eine Reise in eine fast vergessene Zeit und in ein Leben, das behüteter und zugleich beschwerlicher nicht hätte sein können.

Auf wundersame Art und Weise, mit einem Detailreichtum der Schilderungen seiner Kindheit, entführte er die Hörerinnen und Hörer in seine Welt. Nein, man wurde zu Günter Lamprecht. Gemeinsam, eine Symbiose zwischen Leser und Hörer war entstanden, lernte man die Familie mütterlicherseits kennen, reiste in die Masuren zu den Großeltern, ertrank fast im angrenzenden See und lernte eine Welt kennen, fernab der braunen Bedrohungen, die sich am Himmel zusammenbraute.

Mit Rohrstock bestraft

Doch ehe man sich versah, war die Idylle zerbrochen. Unruhig rutschte man auf seinem Stuhl hin und her, als der damalige Mathematiklehrer, für jeden Fehler, mit dem Rohrstock einen Striemen auf das Gesäß zeichnete, litt bei der Aufgabe an der Tafel und jubelte innerlich, als die Mutter den Lehrer zurechtwies und der Rohrstock anschließend für immer in der Schule verboten wurde.

Günter Lamprecht saß an einem kleinen Tisch, erhöht auf einem Podium und nur der Schein der Leselampe erhellte Hände und Gesicht. Der Rest des großen Saals war abgedunkelt. Im Kopf hörte man das ferne Brummen der alliierten Bomber und zog sich zurück in den Luftschutzbunker. Just im nächsten Moment sprang man aus der Deckung, rannte als Sanitäter im zerstörten Berlin an die vorderste Kampflinie, rettete einen verwundeten Soldaten und musste, im Lazarett angekommen, einen Gefallenen verscharren.

Und dann? Ja dann verzog sich der dunkle Nebel und es galt Normalität einkehren zu lassen. Auf eine abgebrochene Dachdeckerlehre folgte eine Ausbildung zum Orthopädiemechaniker, ein sehr sicherer Arbeitsplatz zu jener Zeit. Doch das war noch nicht das Ende. Ein schicksalsträchtiger Besuch in einem Jazzkeller ebnete Günter Lamprecht den Weg zu der Person, die wir heute kennen.

Beindruckendes Dokument

Mit ein wenig Glück, zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen zu sein und viel Talent, errang er ein Stipendium an der Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel. An diesem Punkt endete die Lesung und die Gäste wurden durch erhellen des Saales in die Realität zurückgeholt und eine Erleichterung war spürbar aufgrund dieses „Happy-Ends“.

Ein beeindruckendes Dokument eines Zeitzeugen, verpackt mit der Kunst des Ausdrückens, gab intime Einsichten in die Jahre einer sehr bewegten Kindheit und Jugend. „Und wehmütig bin ich noch immer“ ist ein Mutmacher, dass es auch in dunklen und schwierigen Lebensabschnitten Momente der Geborgenheit, der Liebe, des Glücks und der Perspektive gibt.

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