Gründerregion Aachen: Der weite Weg zum eigenen Unternehmen

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
9782018.jpg
Hier kocht die Chefin selbst: Steffi Plum werkelt Tag für Tag in ihrem „Petit-Buffet-Bus“. Foto: bel
9648187.jpg
Den Kantinenbus haben Kinder von außen bemalt.

Weisweiler/Merken. „Hast du Hunger, Liebelein?“, wird der Gast von Steffi Plum begrüßt. Die Wirtin aus Merken empfängt alle so, die an ihrem ausgedienten Schulbus auftauchen, ist stets freundlich und geradeheraus. „Ich kann nicht anders“, sagt sie, „das ist mir angeboren.“ Die Gäste in ihrem kleinen Imbiss danken es ihr und kommen wieder.

„Steffis Buffet-Wagen ist für mich wie die frühere Eckkneipe“, sagt der eben als „Liebelein“ begrüßte Mann. Steffi Plum hat offenbar ihre Wunscharbeitsstelle gefunden. Doch es war, wie sie im Rückblick schildert, ein weiter und dorniger Weg, bei der ihr in der letzten Phase die Gründerregion der Städteregion Aachen und der Kreise Düren, Euskirchen, Heinsberg zur Seite stand.

Der Traum von Steffi Plum war die Selbstständigkeit. Die geborene Jülicherin ging in Inden zur Schule, ihre Eltern betrieben dort eine Metzgerei. Nach der Lehre zur Fleischereifachverkäuferin arbeitete sie in verschiedenen Betrieben in Jülich und Eschweiler.

Bäckerwagen als Startschuss

Sie leitete eine Tchibo-Filiale, gründete eine Familie, arbeitete in der elterlichen Metzgerei in Inden, wurde Herrin einer Frittenbude, tauschte diese gegen eine Gaststätte in Langerwehe und arbeitete in einer Merkener Metzgerei – ohne je wirklich anzukommen.

Irgendwann erwarb sie einen Bäckerwagen und nannte ihn „Steffis Petit Buffet“. Sie verkaufte ihre Produkte am Indemann und versuchte ihr Glück auf Wochenmärkten. Aber auch das wollte nicht so richtig funktionieren. „Von irgendwelchen Leuten bekam ich aber dauernd Knüppel zwischen die Beine geworfen“, erinnert sich Plum an diese Zeit.

Im Jahre 2011 nahm ihr Lebenstraum dennoch Konturen an. Sie bekam für ihren Bäckerwagen in Weisweiler einen festen Standplatz an einer Kfz-Werkstatt. Bei Regen und Hagel war der Wagen jedoch nicht optimal, denn die Gäste standen im Freien und wurden nass. Wie der Zufall es wollte, stieß ein Langerweher Busunternehmer zu dieser Zeit einen ausgedienten Schulbus ab. Er schenkte Steffi Plum kurzerhand das Gefährt.

Doch wie wird man selbstständig? Wo erhält man finanzielle und ideelle Unterstützung? Hier kam die Gründerregion Aachen ins Spiel. Hier erhalten Existenzgründer alle wichtigen Informationen, können von den Erfahrungen anderer Gründer profitieren und neue Kontakte zu knüpfen, etwa zu Sparkassen oder den Volks- und Raiffeisenbanken.

Steffi Plum machte sich schlau, ließ sich beraten, nahm an Veranstaltungen teil. Ein Finanzplan wurde erstellt, Eigenleistung, Erspartes, Zuschüsse und Kredite wurden addiert. Der Bus wurde für kleines Geld umgebaut. Hierbei halfen Freunde und Bekannte. Trotz ller Hilfre stellte es sich als schwierig heraus, die bürokratischen Vorgaben zu erfüllen.

Für Anette Reinholz von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung des Kreises Düren ist der Fall ein positives Beispiel einer Existenzgründung. „Wir haben gegenüber der Leistung von Steffi Plum allergrößten Respekt, zumal es zu Beginn des Prozesses für Frau Plum hieß, innerhalb sehr schwieriger Rahmenbedingungen zu agieren“, sagt Reinholz.

Diese Zeit ist passé. Steffi Plum werkelt nun in ihrer Buskantine auf dem Gelände einer Firma im Weisweiler Gewerbegebiet. Wo früher Schüler ihre müden Beine ausstreckten, nehmen heute von früh am Morgen bis in den Abend Lkw- und Busfahrer, Arbeiter nahe gelegener Gewerbe, aber auch Lehrer und Schüler ihren Imbiss ein. Bedient werden sie von einer zufriedenen Unternehmensgründerin.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert