Großes Aufatmen auf dem Fliegerhorst

Von: Jörg Abels
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Hatte gestern allen Grund zum
Hatte allen Grund zum Strahlen: der Kommodore des Jagdbombergeschwaders 31 „Boelcke”, Oberst Andreas Hoppe. Foto: Abels

Nörvenich. Die alles entscheidende E-Mail erreichte Oberst Andreas Hoppe am Mittwochmorgen kurz vor 10 Uhr, eine halbe Stunde, bevor das neue Stationierungskonzept der Bundeswehr offiziell veröffentlicht wurde.

Ein kurzer Blick - und der Kommodore des Jagdbombergeschwaders 31 „Boelcke” konnte mit seinen Soldaten nach Monaten der Ungewissheit aufatmen. Während im Zuge der Bundeswehrreform 31 Standorte geschlossen und 90 drastisch verkleinert werden, bleibt der Eurofighter-Verband am Standort Nörvenich erhalten. In Windeseile machte die positive Kunde aus dem Bundesverteidigungsministerium auf dem Fliegerhorst die Runde. „Wir werden jetzt unsere ganze Energie in den weiteren Aufbau des Eurofighter-Flugbetriebs stecken und hoffen, in ein bis zwei Jahren komplett einsatzfähig zu sein”, kommentierte Hoppe die Entscheidung „freudig erleichtert”.

Und der Fliegerhorst wird personell sogar noch um 130 auf am Ende rund 1300 Soldaten und zivile Mitarbeiter aufgestockt. Denn der bisher in der Boelcke-Kaserne in Kerpen untergebrachte Stab des Geschwaders mit rund 100 Dienstposten wird ebenso nach Nörvenich verlegt wie ein Teil des dort bislang stationierten Sanitätszentrums. Als Standortältester und damit Hausherr am Doppelstandort Nörvenich/Kerpen machte Hoppe aber auch keinen Hehl daraus, dass „heute zwei Herzen in meiner Brust schlagen”. Denn die Boelcke-Kaserne in Kerpen wird komplett aufgelöst. Während Geschwaderstab und Sanitäter nach Nörvenich verlegt werden, wird das II. Objektschutzbatallion der Luftwaffe aufgelöst. Betroffen sind gut 600 Soldaten, die nun versetzt und größtenteils mit ihren Familien umziehen werden. „Das bedauere ich zutiefst”, betonte Hoppe. „Denn obwohl die Einheiten mir nicht direkt unterstellt sind, war die Zusammenarbeit immer sehr gut.”

Dass die im Zuge der Eurofighter-Einführung in den Fliegerhorst fließenden Investitionen in Höhe von 150 Millionen Euro ein gewichtiges Argument bei der Entscheidung pro Nörvenich waren, steht für Hoppe außer Frage. „Ich bin aber überzeugt, dass die hervorragende Arbeit, die wir als Geschwader in den vergangenen Jahrzehnten geleistet haben, ebenso entscheidend war”, betonte der Oberst, und verwies auch auf die „tiefe Verwurzelung in der Region, in der wir voll akzeptiert sind”.

Noch offen ist, wann die Umstrukturierung umgesetzt wird. Zum Zeitplan konnte Hoppe am Mittwoch noch ebenso wenig sagen wie zur Frage, ob noch zusätzliche Investitionen auf dem Fliegerhorst Nörvenich notwendig sind. „Ob wir bestehende Infrastruktur für den Geschwaderstab nutzen können oder neue errichten müssen, muss jetzt noch geprüft werden.”

Inwieweit die im Zuge der Bundeswehrreform angekündigte Reduzierung der Zahl der Eurofighter von ursprünglich einmal 180 auf 140 Auswirkungen auf Nörvenich hat, konnte Oberst Hoppe am Mittwoch noch nicht kommentieren. „Aktuell gehen wir weiter davon aus, dass wir 35 Maschinen erhalten. Wie die 140 Eurofighter auf die vier Verbände aufgeteilt werden, ist noch offen.”

Die Nachricht aus dem Bundesverteidigungsministerium wurde am Mittwoch auch im politischen Lager mit großer Erleichterung aufgenommen. „Angesichts der enormen Einschnitte im Zuge der größten Strukturreform der Bundeswehr in ihrer Geschichte ist der Bestand des Fliegerhorstes Nörvenich sowie des Mechatronikzentrums in Jülich eine exzellente Entscheidung für den Kreis Düren”, betonte der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel (CDU, MdB). Das Jagdbombergeschwader sei wichtiger Auftraggeber für Unternehmen und Handwerksbetriebe in der Region. „Es ging bei dieser Entscheidung auch um die Sicherung hunderter Arbeitsplätze, die für unsere Region unverzichtbar sind. Diese bedeuten zudem Kaufkraft in Höhe von 50 Millionen Euro jährlich und stärken die Wirtschaftskraft der gesamten Region.”

Dass viele Arbeitsplätze erhalten bleiben und auch Wirtschaftskraft in der Region gebunden wird, nahm auch Dietmar Nietan (SPD, MdB) erleichtert zur Kenntnis. „Besonders freut mich, dass der Standort des Jagdbombergeschwaders nicht nur erhalten, sondern sogar ausgebaut wird”, erklärte Nietan. „Für uns im Kreis Düren ist von großer Wichtigkeit, dass das Mechatronikzentrum der Bundeswehr in Jülich bestehen bleibt. Hier wird hervorragende Arbeit mit hoch qualifiziertem Personal auch zukünftig geleistet werden”, ist sich Sozialdemokrat Nietan sicher. Die Auflösung des Kreiswehrersatzamtes in Jülich sei keine gute Nachricht, aber aufgrund der Aussetzung der Wehrpflicht zu erwarten gewesen.

Angesichts der immensen Investitionen in Nörvenich wäre eine Entscheidung gegen den Fliegerhorst „nicht nachvollziehbar gewesen”, sagte Kreisdirektor Georg Beyß in Vertretung von Landrat Spelthahn. „Um so mehr freuen wir uns mit den Angehörigen des Geschwaders, dass der Standort Nörvenich jetzt eine gesicherte Zukunft hat.”
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