Großen Familienschatz nach 74 Jahren wiederentdeckt

Von: Sandra Kinkel
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Brunhilde und Karl Heidbüchel und Herbert Pelzer (links) freuen sich sehr über den Besuch der Familie Navarez aus Texas. Foto: Sandra Kinkel

Winden. Julietta Navarez wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel. „Für uns ist das wirklich ein großer Schatz“, sagt die US-Amerikanerin. „Ich hätte niemals gedacht, dass wir jemals Sachen von meinen Großeltern zurückbekommen.“

Julietta Navarez ist die Enkeltochter von Joseph Treu, einem Juden, der bis 1941 mit seiner Familie in Nörvenich hewohnt hat und dann nach Mexiko ausgewandert ist. „Meine Mutter“, erzählt Karl Heidbüchel aus Winden, „hat als junges Mädchen im Haushalt der Metzgerei Ludwig Treu in Winden gearbeitet. Und der Joseph Treu aus Nörvenich war der Sohn des Ludwig Treu aus Winden.“

Bis zu ihrem Tod, so Heidbüchel, habe seine Mutter immer sehr gerne von dieser Zeit erzählt.“ Aber nicht nur das. Karl Heidbüchels Mutter Elisabeth hatte sich mit der jungen Karline Treu, der Schwester von Joseph Treu aus Nörvenich, angefreundet. Karl Heidbüchel: „Im Herbst 1940 hat meine Mutter von Karoline Treu eine Botschaft bekommen. Sie sollte sich geheim mit ihr treffen.“ Karoline Treu hatte damals große Angst vor den Nationalsozialisten. Heidbüchel: „Dann hat sie meiner Mutter ein Silberbesteck für zwölf Personen aus dem Familienbesitz der Treus gegeben. Mit der Bitte, es bis nach dem Krieg zu verwahren.“

Karoline Treu ist in einem Konzentrationslager ums Leben gekommen. Karl Hiedbüchels Mutter hat das Silberbesteck und zwei Taschenuhren sorgfältig verwahrt. Kurz vor dem schrecklichen Angriff auf Düren am 16. November 1944, bei dem auch Winden stark zerstört wurde, haben Elisabeth Heidbüchel und ihr Mann das Besteck zusammen mit eigenen Wertgegenständen in einer Tonne im Garten vergraben. Karl Heidbüchel: „Unsere Wohnung wurde komplett zerstört. Aber der Inhalt der Tonne ist unversehrt geblieben.“

Seit dem Tod von Elisabeth Heidbüchel ist das Besteck in der Obhut von Karl und Brunhilde Heidbüchel. Und als die im vergangenen Jahr durch einen Artikel in unserer Zeitung davon erfahren haben, dass Nachkommen von Josef Treu in Texas gibt, haben sie ihnen das Besteck zurückgeschickt. „Wir wollten uns wirklich persönlich bei Familie Heidbüchel bedanken“, sagt Julietta Navarez. „Dass, was diese Leute für uns getan haben, ist wahrlich nicht selbstverständlich.“ Wir, das sind noch Julietta Navarez‘ Ehemann Raphael, ihre Schwester Patricia Soriano-Treu und die drei Urenkelinnen von Josef Treu Adriana, Roxana und Angelika. Klar, dass die Amerikaner auch das Geburtshaus ihres Großvaters und das Grab ihrer Urgroßeltern in Nörvenich besucht haben.

Julietta Navarez: „Wir schauen uns auch noch Heidelberg, Rothenburg und Schloss Neuschwanstein. Aber der Hauptgrund dieser Reise ist, dass wir Familie Heidbüchel kennenlernen wollten.“ Karl Heidbüchel hatte auch noch zwei Taschenuhren, die Josef Treu gehört haben. „Die Uhren sind mindestens 200 Jahre alt. Wir konnten sie nicht mit der Post nach Amerika schicken, weil wir für den Transport keine Versicherung gefunden haben.“

Für Herbert Pelzer vom Heimat- und Geschichtsverein Nörvenich, der den Kontakt zwischen Familie Heidbüchel und den Nachkommen von Josef Treu vermittelt hat, ist das Treffen etwas ganz Besonderes. „Das erlebt man wirklich nicht alle Tage“, sagt er. „Für mich ist das eine aufregende Geschichte.“

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