Düren - Größte Gefahren beim Schreiben sind Kitsch und Pathos

Größte Gefahren beim Schreiben sind Kitsch und Pathos

Von: heb
Letzte Aktualisierung:
11935884.jpg
Unter der Moderation von Michael Braun las Michael Köhlmeier aus seinem neuen Roman „Das Mädchen mit dem Fingerhut“. Foto: Buch

Düren. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass am Anfang etwas anderes steht als eine Figur.“ So beantwortet der österreichische Autor Michael Köhlmeier die Frage nach seiner Herangehensweise an einen Roman.

Er erläutert: „Es ist fast wie eine menschliche Beziehung. Nach zwei Seiten weiß ich, ob es mit der Figur funktioniert und mit jeder weiteren lerne ich sie dann besser kennen, teilweise lieben.“

Am Samstag gab Köhlmeier auf einer Lesung in der Stadtbücherei Düren diese und weitere Einblicke in sein Schreibwerk und stellte neben seinem neuen Werk „Das Mädchen mit dem Fingerhut“ auch dessen Vorgänger „Zwei Herren am Strand“ über Winston Churchill und Charlie Chaplin vor. Zu der Lesung eingeladen hatte der Kunstförderverein Düren, dessen Vorsitzender Hans-Joachim Güttler den Gast herzlich Willkommen hieß.

Im Gespräch mit Moderator Michael Braun teilte der Autor teils intime Hintergründe seiner Arbeit. Danach erlebte man die Lesungen aus seinen Büchern mit anderen Augen.

In „Das Mädchen mit dem Fingerhut“ erzählt Köhlmeier die Geschichte eines sechsjährigen Flüchtlingsmädchens, das in den Wirren der Flucht abhanden gekommen ist und nun wie ein „Wolfskind“ auf sich alleine gestellt leben muss. Fertiggestellt hat er das Buch bereits im Jahr 2014 – also schon bevor das Thema Flucht zum Leitthema in den Medien wurde.

„Das Wort Flüchtling kommt sowieso nie vor“, betont der Schriftsteller. Das Mädchen wisse ja schließlich nicht, dass es ein Flüchtling sei. Ihm sei es wichtig gewesen, dass er als Erzähler nicht viel mehr wisse, als das Mädchen selbst. Nur so könne die Geschichte ehrlich wirken.

„Die Gefahren bei einem solchen Thema sind Kitsch und Pathos“, weiß Köhlmeier. „Ein einziger kitschiger Satz kann wie eine faule Stelle wirken und das Buch zerstören“. Als Leser wolle man keine Gedanken in den Mund gelegt bekommen. Das käme einer Manipulation gleich.

Das „Nichtwissen“ wiederum macht die Wirkung von „Das Mädchen mit dem Fingerhut“ aus. Ein wenig sei die Geschichte daher auch wie ein Märchen, analysierte Moderator Michael Braun, „über allem steht die Frage, wie das nur gut gehen kann.“

Nachdem Michael Köhlmeier etwas mehr als 30 Seiten aus seinem aktuellen Buch gelesen hatte, hatte das Publikum einen guten Eindruck von der Geschichte gewonnen. Über die weitere Handlung verriet Köhlmeier nur so viel: „Alle Personen sind gut, denn jeder ist gut zu einem sechsjährigen Mädchen; oder er ist psychisch krank.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert