„GOTTesREICHt“: Ein eindeutig mehrdeutiges Motto der Anna-Oktav

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„GOTTesREICHt“ lautet das Motto der Anna-Oktav. Eine Provokation? Die DZ hat sich mit Hans-Otto von Danwitz unterhalten. Foto: Johnen

Düren. Es ist kaum möglich, das Motto der am Samstag beginnenden Anna-Oktav auf einen Blick zu verstehen. „GOTTesREICHt!“ prangt das Wortspiel auf einem Banner an der Annakirche. „Gott, es reicht!“ lautet die Botschaft, aber genauso „Gottes Reich“ und „Gott reicht!“. Ein frommer Spruch oder eine Provokation? Um einen Druckfehler handelt es sich jedenfalls nicht, vielmehr um einen Denkanstoß.

„Die Vorbereitungsgruppe wollte zu diesem Stutzen und Drei-Mal-Hinschauen anregen“, erklärt Pfarrer Hans-Otto von Danwitz im Gespräch mit DZ-Redakteur Stephan Johnen.

Wem reicht es? Uns mit Gott – oder Gott mit den Menschen?

von Danwitz: Ich glaube beides trifft zu. Gottes Botschaft lautet, dass es auf Erden zugehen kann wie im Himmelreich, dass Gerechtigkeit und Frieden herrschen, Toleranz und Offenheit bestehen, jeder Mensch geachtet wird, wie er ist. Mit Blick auf die Erde und die heutigen Zustände wird er manchmal denken: „Es reicht. Wieso gehen die Menschen so miteinander um?“

Woran könnte es liegen?

von Danwitz: An Kleingläubigkeit und Egoismus vielleicht.

Wieso wenden sich Menschen von Gott ab, treten aus der Kirche aus?

von Danwitz: Der Kern der Botschaft Gottes lautet: Gestalte dein Leben so, dass es heil ist. Es liegt in der dem Menschen geschenkten Freiheit, nach seinem Gewissen zu entscheiden, wie er nach dem Willen Gottes lebt. Aber viele Menschen stoßen sich an den Regeln der Kirche. Regeln, die von Menschen gemacht wurden. Ich glaube, es ist an der Zeit, dass auch Kirche sich auf andere Wege begibt. Das ist keine Verwässerung, sondern eine Rückbesinnung auf die Kernbotschaft.

Können Sie ein Beispiel nennen?

von Danwitz: Wenn jemand nach einer gescheiterten Beziehung feststellt, dass das Leben nicht mehr heil ist, sollte er einen Neuanfang wagen dürfen. Damit legt ein Mensch mit einer zweiten Eheschließung den Grundstein für eine gute, neue Zukunft. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies dem Willen Gottes widerspricht. Kirche sollte für alle Menschen da sein. Ohne Einschränkungen.

Soll das Motto provozieren?

von Danwitz: Wenn es eine Provokation ist, Menschen dafür zu sensibilisieren, was andere Menschen beschäftigt und belastet: ja. Wir wollten Menschen auch dazu provozieren, sich dem zu stellen und sich in Gesellschaft und Kirche einzubringen.

Was belastet Menschen?

von Danwitz: Vielen Menschen reicht es, weil sie große Probleme im Leben haben. Es reicht ihnen, weil sie nicht mit dem Geld auskommen, weil sie keine Arbeit haben, weil sie krank sind oder einfach nicht wissen, wie sie weitermachen sollen. Ich habe den Eindruck, dass viele aufgegeben haben. Ihnen fehlt die Motivation, das eigene Leben noch einmal in die Hand zu nehmen.

Mit welchen Konsequenzen?

von Danwitz: Das Leben blubbert dann ohne Hilfe so vor sich hin.

Die Kirche hat dafür doch viele Beratungsstellen, die Caritas und die Kleiderkammern?

von Danwitz: Das ist richtig. Die Arbeit dort ist auch wichtig. Aber ich definiere Gesellschaft so, dass jeder einzelne Mensch auch schaut, was in seinem Umfeld geschieht, wo er helfen kann. Das vermisse ich manchmal.

Wird Kirche als eine Art Dienstleistungsunternehmen wahrgenommen? Mit dem Zahlen der Kirchensteuer ist die eigene Arbeit getan, Nächstenliebe und Solidarität sind sozusagen institutionalisiert?

von Danwitz: Womöglich ist das ein wenig so. Das reicht aber nicht. Ich wünsche mir, dass alle Menschen nach links und rechts gucken. Es geschieht zweifelsfrei sehr viel, beispielsweise in der Flüchtlingsarbeit. Aber wir können wacher sein, selbst mehr tun, als wir uns manchmal zutrauen. Niemand muss gleich die ganze Welt retten, aber in der eigenen Umgebung gibt es genug zu tun.

Könnten viele Menschen dieses Interesse nicht als Einmischung sehen und eher abwehrend reagieren?

von Danwitz: Das kann passieren. Aber seien wir doch ehrlich: Einwände haben wir schnell parat. Aber handelt es sich dabei nicht oft um Entschuldigungen, etwas gar nicht erst zu versuchen, als um wirkliche Einwände?

Wie definieren Sie Kirchengemeinde?

von Danwitz: Es ist nicht nur die Gruppe, die zur Messfeier zusammenkommt. Gemeinde bedeutet für mich Anteilnahme, ein Austausch, ein Interesse daran, was Menschen beschäftigt. Die Gestaltung des kirchlichen Lebens ist mit der Zeit relativ amtlich geworden.

Was können die Menschen daran ändern?

von Danwitz: Während der Oktav wollen wir an den einzelnen Tagen konkret Beispiele nennen, wie Menschen sich einbringen, welche Aufgaben sie übernehmen können. Wir brauchen Menschen, die bereit sind, neue Pfade zu gehen, etwas Neues auszuprobieren. Wir brauchen Querdenker.

Sind Querdenker nicht eher Störenfriede, die bewährte Abläufe in Frage stellen?

von Danwitz: Die großen Heiligen waren Querdenker! Beispielsweise Franziskus. Er hat so ziemlich alles in Frage gestellt und verändert, was in der Kirche als Gesetz galt. Sein damaliges Wirken hat heute noch Bestand. Wir können auf Querdenker nicht verzichten.

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