Golzheim - Golzheim aktiv: IG bietet Einkaufsdienst an

Golzheim aktiv: IG bietet Einkaufsdienst an

Von: Stephan Vallata
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Gelebte Solidarität: Karin Rixen (r.) von der Interessengemeinschaft "Golzheim aktiv" hilft Annemarie Classen bei ihrem Einkauf. Seit einigen Wochen bietet der Verein einen Fahrdienst an. Foto: S. Vallata

Golzheim. Frau Adorf schreibt sich mit R und nicht mit L. Adorf heißt es, nicht Adolf. Soviel Ordnung müsse dann doch sein, sagt Maria Adorf, 88 Jahre alt, nachdem sie auf der Rückbank Platz genommen hat und prompt als Frau Adolf begrüßt wird. Schwamm drüber.

„Wer fährt uns denn heute morgen?”, will die ältere Dame wissen. „Ich bin´s doch, Frau Rixen”, sagt Karin Rixen, die vorne hinter dem Lenkrad schon vor einiger Zeit Platz genommen hat. Es ist Donnerstag, so ungefähr 9 Uhr. Und es ist Zeit für einen Einkauf.

Wenn man kein Auto hat, Busse unregelmäßig fahren und es im Ort keinen Supermarkt gibt, kann so ein Vorhaben etwas problematisch werden. Weil das so ist, hat sich der Verein „Golzheim aktiv” entschlossen, genau daran etwas zu ändern.

Seit einigen Wochen gibt es also einen Einkaufsfahrdienst für Menschen, die nicht mobil sind. Natürlich betrifft das vor allem Senioren, aber es gibt auch junge Menschen ohne Autos.

„Hier müssen wir aufpassen”, sagt Frau Rixen. „Hier gilt Tempo 30.” Gesagt, getan. Frau Rixen passt auf. Neben ihr im Auto sitzt auch noch Annemarie Classen, 74 Jahre alt. Genau wie Maria Adorf nimmt sie das Vereinsgebot gerne in Anspruch.

Die Fahrt führt die Frauen nach Buir in zwei benachbarte Lebensmittelmärkte. Frau Classen müsste vorher allerdings noch mal schnell zur Apotheke. Das sei gar kein Problem, sagt Frau Rixen, da man ja eh unterwegs sei.

Angefangen hat alles vor etwa einem Jahr. Ortsvorsteher Johannes Müller hatte zur einer Dorfkonferenz eingeladen, um die Stärken und Schwächen von Golzheim zu analysieren.

Fazit war: Golzheim sei ein aktives und lebendiges Dorf, doch viele wünschten sich weitere Angebote im kulturellen und sozialen Bereich. Zwei Monate später gründete sich schon die Interessengemeinschaft. Sofort traten 80 Bürger ein.

„Wir wollen auf keinen Fall als Konkurrenz zu den Vereinen auftreten”, sagt Beisitzerin Maria Schoeller. Deren Angebote sollen vielmehr ergänzt werden.

Ihrer Amtskollegin Sibylle Granitzka gefällt vor allem die „Aufbruchsstimmung”, die sich eingestellt habe: „Das Leben hier im Dorf liegt vielen am Herzen.”

Das Ziel ist erreicht, der Einkauf kann beginnen. Maria Adorf und Annemarie Classen schnappen sich zwei Einkaufswagen und legen los.

Beide sind froh darüber, nicht jedes Mal auf neue eine Mitfahrgelegenheit suchen zu müssen. Zwar habe sie nie ohne Brot und Butter dagesessen, sagt Frau Adorf.

Nur: Andere um Hilfe zu bitten, sei ihr oftmals schwer gefallen. Jetzt gibt es eben feste Termine und feste Treffpunkte. So kann Solidarität funktionieren.

Fahrerin Karin Rixen ist selbst schon seit ein paar Jahren Rentnerin. Anderen zu helfen, sei es ihrem schwerbehinderten Mann oder anderen Menschen, ist für sie fast schon so etwas wie eine Selbstverständlichkeit. Es macht sie froh.

„Das ist ein Gefühl, das kann man gar nicht beschrieben.” Neben ihr gibt es weitere 15 Frauen, die sich ehrenamtlich dazu bereit erklärt haben, im Wechsel den Fahrdienst zu übernehmen.

Der Einkauf ist erledigt, die Einkäufe sind eingeladen. Die Fahrt führt zurück nach Golzheim. Dort angekommen, hilft Karin Rixen den beiden Passagieren dabei, die Waren in die Wohnung zu bringen. Nächste Woche sind Frau Adorf und Frau Classen bestimmt wieder mit dabei.
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