Düren - Glupschaugen auf der Bühne, große Augen im Publikum

Glupschaugen auf der Bühne, große Augen im Publikum

Von: Hannes Schmitz
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Knapp drei Stunden Programm: Entertainer Sascha Grammel beeindruckte als Meister seines Fachs. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Nach einem erneuten Lachanfall nahm Sascha Grammel einen philosophischen Einschub vor und hatte keinen Bammel, sich in der ausverkauften Arena des Kreis Düren mit der „Sein-Frage“ zu beschäftigen. Eingepfercht in einem übergroßen Puppenhäuschen fragte er sich: „Sascha, was machst du hier eigentlich als erwachsener Mensch?“

Dabei blickte er unverwandt sein Gegenüber an, eine fantasievoll gestaltete Puppe, die als der Außerirdische Herr Schröder mit der Sternschnuppe Ursula daher kam, der ansonsten alles schnuppe war, aber in diesem Moment stumm blieb. Ob dieser Szene im weiten Hallenrund wurde schnell jedem klar, warum das Zwerchfell des Protagonisten des Öfteren seine eigenen Attacken gegen ihn ritt und der vermeintliche Schlagabtausch zwischen Puppen und „Gesprächspartner“ wegen der eigenen Heiterkeit stockte. Das Publikum genoss die unfreiwilligen Pausen, bis sich der Akteur wieder fand.

Ein Erfolgsgeheimnis seines umjubelten Auftritts war es eben, Schwächen zu offenbaren, seine eigenen und die der „Puppenschar“. Er nahm sich gerne sehr oft selbst auf den Arm. Klang sein Lachen ab, nach dem er sich über seine eigenen Gags amüsiert hatte, nahm er den Faden an der Marionette wieder auf und ließ seine Show „Keine Anhung“ wie am Schnürchen weiter laufen.

Von Beginn führte Sascha Grammel sein Publikum an der humoristischen Leine in seine heile Puppenwelt. Der Spandauer ließ die Puppen tanzen, reden, mal mit Sinn, mal ohne Verstand, entwickelte skurrile Zwiegespräche, plauderte Nonsens mit Niveau. Er ist ein Bauchredner par excellence, Artist und Zauberer, der prächtig unterhielt mit seinem verschmitzten Lächeln und seiner offenen Art. Ein Entertainer, der die rund 2000 Zuschauer immer wieder in seine Show mit einbezog und sie zu Mitmach-Aktionen animierte.

Nach einem etwas „kraftraubenden Einstieg“ – den Berliner zog es auf Augenhöhe zu seinem Publikum – war die Bühnenrückkehr schwierig. Im Eifer des Gefechts hatte er übersehen, dass es von der Halle keine Treppe zu den Bühnenbrettern gab und so musste er zunächst einmal klettern und ließ dabei das Humor-Thermometer in die Höhe schnellen.

Sein Auftritt war geprägt von Selbstironie, Wortspielen, kaskadenähnlichen Monologen und „schmachtvoller“ Poesie. „Puppet-Comedy“ nennt der Berliner seinen Stil. Ein Comedian, der Elemente des Kabaretts und des Varietétheaters erstklassig beherrscht. Seine Puppenfreunde sind Marken für sich, in Zwischenmomenten zeigte er sich als erstklassiger Jongleur mit einer atemberaubenden Jonglage oder Zauberer, dessen Notenständer sich selbstständig machte.

Es ist beeindruckend, wie Grammel seinen Figuren Leben einzuhauchen scheint, sich mit ihnen scheinbar unterhält. Man könnte glauben, man sei als Zuschauer real in einer Scheinwelt. Da fetzte er sich mit dem kessen „Adler-Fasan“ Frederic, flirtete mit der ihn anhimmelnden Schildkröte Rosie (die ihn heiraten möchte) bei Kerzenlicht und machte einen doppelten „Hamburger“, Professor Dr. Peter Hacke, zum Ernährungswissenschaftler. Letztlich formte er aus einem Strumpf die putzige Puppe Rüdiger mit großen Glupschaugen.

Das Publikum bestaunte mit ebenso großen Augen die Vielfalt der Showelemente, die sich von „keine Anhung“ in sehr viel Ahnung wandelte. Ein Meister seines Fachs stand auf der Bühne, der in knapp drei Stunden Spielzeit keine Langeweile aufkommen ließ und herzerfrischende Szenefolgen bot, die nicht nur witzig und originell, sondern auch geistreich und mit feinen kabarettistischen Spitzen gespickt waren.

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