Gitarre und Geige entdecken die tiefe Seele

Von: Bruno Elberfeld
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Klaus Mühlbauer (l.) und Manager Lutz Dolfuss (Mitte) waren – wie alle Gäste im voll besetzten Saal des Nörvenicher Schloss – vom Spiel der „Chambers“ begeistert. Foto: Bruno Elberfeld

Nörvenich. Gestylt waren die Besucher beim Konzert der „Chambers“, das sind die Virtuosen der Jungen Philharmonie Köln, wie zu einem klassischen Konzert. Doch nicht die Noten von Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven oder Wolfgang Amadeus Mozart lagen auf den Pulten, sondern Tondichtungen von Komponisten aus Spanien.

Mittelpunkt des Konzerts im voll besetzten Saal des Schlosses Nörvenich war Michael Goldort, ein Gitarrist erster Güte. Goldort und seine Gitarre schienen verwachsen, bildeten eine Einheit, nur schwerlich aufzulösen. So pathetisch es klingen mag: Die Beiden kennen sich, sie vertrauen einander, denn was Goldort mit seinen akrobatisch-gelenkigen Fingern, mit dem menschlichen Auge kaum zu verfolgen, auf und mit dem Instrument „anstellt“, konnte die Menschen nur staunen lassen.

Mit wachsend sinnlicher Ausstrahlung zauberte der Gitarrist virtuose Läufe, gestoppt hier und da von kräftigen Akkorden. Themen spanischer Volkslieder schimmerten in den Kompositionen durch. Viele Stücke zeigten ein Konglomerat vieler kultureller Einflüsse: arabische, jüdische, christliche und auch Musik des fahrenden Volkes, unter den Namen Sinti und Roma bekannt, die in vielen Städten Andalusiens auch heute noch ihre eigenen Weisen singen und spielen.

Michael Goldort zelebrierte „Gran Jota Aragonesa“ von Francisco Tarrega (1852-1909). Melancholische und lebhaft- tänzerische Elemente prägen die Komposition. Das Duett Gitarre und Geige, die Solisten Goldort und Artem Kononov, entdeckte die tiefe Seele der Menschen, deren Musik auch heute noch ein Teil ihrer Identität ist. Die Komposition hat Enrique Granados (1887-1916) geschrieben und heißt „Danse Espagnole“.

Ein weiteres Solo präsentierte Michael Goldort mit Georges Bizets (1838 bis 1875) berühmter Oper Carmen. Goldort hat bekannte Melodien aus diesem Musikdrama entnommen und umspielt sie mit selbst komponierten Noten, um die Fantasie der Hörer anzuregen, um Carmen einmal in einem etwas anderen Licht zu zeigen.

Einer der Höhepunkte gewährte Joaquin Rodrigo (1901 bis 1999) und seine Komposition „Concierto de Aranjuez“. Das Leben in den spanischen Gärten von Madrid wird vor den Hörern lebendig. Joaquin Rodrigo war im Alter von vier Jahren erblindet. Seine Mutter und später seine Frau „ersetzten“ ihm das Augenlicht. Goldort ließ die Gitarre sprechen, weinen, klagen, um dann doch wieder in eine lebenbejahende Fröhlichkeit zu wechseln.

Ein weiteres Instrument gesellte sich zu den Seiteninstrumenten: die Oboe. Auch sie vermag die menschliche Stimme in großartiger Weise zu imitieren. In dramatischen Augenblicken demonstrieren alle Instrumente eine bedrohliche Vielstimmigkeit, die sich bald wieder auflöst und in die friedliche Suche nach Lösungen mündet.

Neben dem Sologitarristen brillierten Artem Kononov und Alexey Galikhanov mit ihren Violinen. Galikhanov spielte Zigeunerweisen“ von Pablo de Saraste (1844-1908), die Welt des fahrenden Volkes vereint in einem Stück. Sein Kollege Artem Kononov interpretierte ebenso virtuos und empathisch „Introduction et Tarantelle“ von Pablo de Saraste.

Der versöhnlich weichen Einführung folgen dramatische Einschnitte. Unerhörte Tonfolgen und ein immer wieder dynamisch hüpfender Bogen lassen Gefühlen freien Lauf. Der Solist – so könnte die treffende Beschreibung heißen – traktierte sein geliebtes Instrument.

Wieder einmal fand auf Schloss Nörvenich ein Konzert statt mit Musikern von hoher technischer Perfektion, gepaart mit einem tollen empathischen Verständnis. Im nächsten Jahr werden sie wiederkommen, wie immer am zweiten Sonntag im September, versprach der Vorsitzende des „Schlosskonzertvereins Nörvenich 1995“, Klaus Mühlbauer. Es spielten: Violinen Artem Kononov, Akiko Ueno, Alexey Galikhanov, Oboe: Adrian Pulido; Viola: Denis Hindenburg; Cello: Alexander Dimitrov; Kontrabass: Mark Gertzel.

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