Girbelsrather Schautänzer: Das Warten ist das Schlimmste

Von: Julian Loevenich
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Endlich auf der Bühne: Die Schautanzgruppe aus Girbelsrath kann ihr Können zeigen. Foto: Julian Loevenich

Düren. Bis zu ihrem Auftritt sind es nur noch ein Bruchteil von Minuten, die ernsten Mienen sind gestrafft von der Anspannung. Lediglich wenige Augenblicke dann geht es für die 30 Tänzerinnen und zwei Tänzer der Schautanz-Gruppe der Karnevals- und Bühnenfreunde Girbelsrath ins Rampenlicht der Norddeutschen Meisterschaft im karnevalistischen Tanzsport am Wochenende in der Arena Kreis Düren.

Zwei Stunden vorher: Andre Everhartz sitzt inmitten einer Traube von Mädchen auf der großen Tribüne am anderen Ende der Arena, alle tragen sie hier bunte, glitzernde Kostüme und Schminke im Gesicht. „Im Moment sind wir noch recht gelassen“, erzählt Everhartz. Er ist sozusagen der Trainer der Schautanzgruppe aus Girbelsrath. Gleichzeitig ist er dort aber auch selbst Tänzer.

Langes Warten

Auf der gegenüberliegenden Seite der riesigen mit Menschenmassen gefüllten Halle hat der Wettbewerb auf der Bühne schon längst begonnen. „Wir sind die Startnummer 18“, erklärt Everhartz, das bedeutet für die Girbelsrather: Sie starten als letzte Gruppe, müssen also lange warten.

Während sich auf den Brettern Tänzerinnen und Tänzer aus dem gesamten Nordteil der Bundesrepublik abmühen in theatralischen Darbietungen, erläutert ein entspannt wirkender Everhartz die Disziplin. „Beim Schautanz wird immer ein Thema vertanzt und im Unterschied zum Gardetanz gibt es dabei zum Beispiel auch Elemente aus dem Jazz und Hip-Hop.“ Auch die Musik kommt weitaus herkömmlicher und moderner daher als man es von manch einem Gardetanz gewohnt sein mag.

Alles muss stimmen...

Die Bewertungskriterien allerdings sind nicht weniger rigide. Thematik, Kostüm, Kreativität, Schritt- und Bewegungsvielfalt, Präsentation, Ausführung sowie Choreigraphie sind nur Oberbegriffe eines Rattenschwanzes an Erwartungen an die Sportler, die eine siebenköpfige Jury penible beobachtet.

Jeder Juror kann dabei 100 Punkte vergeben, wobei niedrigstes und höchstes Ergebnis gestrichen werden. „Bei vergangenen Wettkämpfen in diesem Jahr hatten wir leider nicht immer so gute Punktzahlen“, gesteht Everhartz. Doch bereits im Oktober qualifizierte sich die Truppe für die Meisterschaft, seit März vergangenen Jahres hatten sie da bereits schon speziell unter anderem Konditions- und Kraftaufbau trainiert, daher ist das Ziel klar: „Wir wollen zur Deutschen Meisterschaft.“

Es ist eine Kampfansage. Als es allerdings knapp eine Stunde vor Auftritt hinter die Bühne geht, steigt die Anspannung. Everhartz: „Bisher gab es einige Überraschungen bei der Punktevergabe.“ In einer kleinen Halle mit blauem Teppichboden unterhalb der Tribüne spricht er seinen Mitstreitern noch einmal Mut zu, eine ruft in den Kreis: „Habt mega Spaß und haltet immer den Kopf oben. Gebt im Finale alles, egal, wie sehr es schmerzt“.

Dann geht es in Richtung Bühnenaufgang. Einige springen umher zur Musik, die durch den Gang dröhnt, andere gehen noch ein letztes Mal die Schritte durch. Links und rechts liegen Kleidung und Koffer der Konkurrenten herum. Entspannt ist da kaum einer mehr. Die Gruppe wird auf die Bühne gebeten, zwei Stunden haben sie gewartet, konnten die Konkurrenz sehen.

Jeder weiß, dass er sich keinen Fehler erlauben darf und es Platz sieben mindesten werden muss, um bei der Deutschen Meisterschaft dabei zu sein. Auf der Bühne geht es plötzlich ganz schnell. Zum Tanzthema „Einfach nur ich – Emotionen pur“ gibt es einen Streifzug durch alle menschlichen Gemütslagen, bei dem jeder Schritt, jede Mimik zu stimmen scheint.

Geschafft!

Nach fünf Minuten ist alles vorbei, in der Arena herrscht jetzt eine fiebrige Ruhe, jeder wartet nur noch auf das Ergebnis. 80, 89, 90, 88, 87, 91, 90: Das sind die Bewertung der Jury, 444 Punkte insgesamt von 500 möglichen. Jetzt schnellen die Blicke hoch auf die Leinwände.

Sekunden werden zu Minuten. Plötzlich bringt ohrenbetäubendes Gekreische die Arena zum Zittern. Platz vier erscheint auf den Bildschirmen, die Qualifikation ist geschafft!

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