Düren - Gibt es in Düren ein Essen für die Seele?

Gibt es in Düren ein Essen für die Seele?

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Ist „Pulled Pork“ Soulfood, also Essen für die Seele? Zumindest wurde das Gericht in Düren bei einer Soulfood-Veranstaltung serviert. Die Reihe soll in der kommenden Spielzeit fortgesetzt werden. Foto: Imago/ stock&people
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Kulturwissenschaftler Johannes Arens hat sich ein Jahr lang auf die Suche nach Dürens kulinarischer Identität gemacht. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Ein bisschen kann man den Eindruck gewinnen, dass Düren Johannes Arens ans Herz gewachsen ist. Arens (42) ist Nahrungsethnologe, Buchautor und nicht zuletzt begeisterter Hobbykoch und hat sich ein Jahr lang auf die Suche nach Dürens kulinarischer Identität gemacht. Das Jahr ist zu Ende – und Arens sucht weiter.

Seine Reihe „Soulfood“ im Haus der Stadt wird in der kommenden Saison fortgesetzt. Arens zieht im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Sandra Kinkel ein erstes Resümee und erzählt von seinen kulinarischen Entdeckungen in der Rurstadt.

Und – hat Düren eine kulinarische Identität?

Johannes Arens: Oh ja. Ich habe mich auf den Weg gemacht, um herauszufinden, was die Leute mögen, was ihnen wichtig ist. Natürlich gibt es – außer dem Kräuterlikör Lotterbov – keine Ur-Dürener Spezialitäten, wie es für Aachen die Printe und für Köln das Kölsch ist. Gleichwohl gibt es auch in Düren kulinarische Besonderheiten, die man in anderen Städten lange suchen muss.

Nennen Sie Beispiele!

Arens: Naja, ich habe in einem wunderbaren Café mitten in der Stadt ein Stück Käsekuchen gegessen, das mich total an meine Kindheit erinnert hat. Der Kuchen war schön fest, nicht so fluffig, wie das jetzt alle machen, einfach sehr lecker. Ich war in diesem Café, als es in einem Friseursalon in Düren eine Schießerei gegeben hat. Klar wurde das plötzlich zum Thema. Und wildfremde Menschen haben angefangen, sich zu unterhalten. Auch das, glaube ich, würde ich so in Köln nicht erleben.

Was haben Sie sonst entdeckt?

Arens: Einen Autoverkäufer, der jetzt mit großer Leidenschaft eine kleine Kaffeebar betreibt. Einen Esten, der hausgemachte Pasta anbietet und die besten Spaghetti Carbonara macht, die ich seit langem gegessen habe, und ein tamilisches Restaurant mit sehr viel Flair. Ich habe in Düren unglaublich viele Menschen kennengelernt, die mit großer Leidenschaft arbeiten und sehr viele Ideen haben. Das gefällt mit, das ist auch kulinarische Seele.

Was ist Ihre größte Entdeckung?

Arens: Das ist schwer zu sagen. Das Bier, das eigens für Düren gebraut wird und in einem Brauhaus in der Stadt zu haben ist, schmeckt mir gut. Und die Tatsache, dass es noch eine relativ große Vielfalt an Bäckereien gibt, die nicht zu einer Kette gehören, ist auch besonders. In einer dieser Bäckereien gibt es Brötchentüten mit einem Foto von Generationen der Bäckerfamilie drauf. So etwas wird immer seltener, das ist die Seele, die ich suche.

Viele Dürener schimpfen sehr über das kulinarische Angebot in der Stadt.

Arens: Aber das müssen sie gar nicht. Ich habe auch bei meinen Gesprächen sehr häufig Sätze wie „Wir haben doch nichts“ gehört. Und das stimmt einfach nicht. Man muss die guten Läden nur entdecken.

Das heißt, Düren ist für Ihre Arbeit ein gutes Pflaster?

Arens: Unbedingt. Für mich als Kulturwissenschaftler ist Düren ein schönes Studienobjekt, weil die Stadt eine im besten Sinne durchschnittliche deutsche Stadt ist. Die Größe ist perfekt, die Lage zwischen zwei Großstädten, mit denen man nie konkurrieren kann, auch. Mir macht es großen Spaß, hier unterwegs zu sein, um herauszufinden, wie Düren kulinarisch tickt und Zusammenhänge funktionieren.

Zum Teil waren Ihre „Soulfood“-Veranstaltungen ziemlich schlecht besucht. Trotzdem machen Sie weiter. Warum?

Arens: Ich glaube, auch das habe ich übrigens von vielen Gastronomen gehört, man muss in Düren ziemlich dicke Bretter bohren, bis eine neue Sache angenommen wird. Wir hatten aber auch Stammgäste bei unseren Veranstaltungen, und wir haben sicherlich auch einige Menschen berührt. Neben solchen Abendveranstaltungen, wie es sie bisher gegeben hat, kann ich mir vorstellen, eine Art Souldfood-Markt, einen Wettbewerb für Marmeladen und Aufgesetzten und einen Blog mit Schülern ins Leben zu rufen. Ich möchte gerne gemeinsam mit jungen Leuten deren kulinarische Lebenswelt erkunden.

Und Sie machen sich auf den Weg durch die Stadtteile?

Arens: Ja. Bisher war ich eigentlich überwiegend in der Innenstadt unterwegs, jetzt möchte ich die Stadtteile erkunden. In Birkesdorf war ich schon, und – so viel kann ich sagen: Es gibt viel zu entdecken. Es hat mich zum Beispiel überrascht, wie dörflich die Strukturen in den Außenbezirken noch sind.

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