Gewissheit fast 67 Jahre nach dem Absturz

Von: Fred Schröder
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Absturz
Spurensuche: David Dragoo (links) aus dem US-Staat Michigan suchte mit Helmut Esser den Absturzort, an dem 1943 sein Onkel den Tod fand. Wenigstens für ein paar Tage erinnern Rosen an den Bomberabsturz vom 30. November 1943. Foto: Schröder

Golzheim. Auch 65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges sind Angehörige immer noch auf der Suche nach Informationen darüber, wie und wo ihre Verwandten und Freunde ihr Leben ließen. Auf den Spuren seines Onkels wurde jetzt der Amerikaner David Dragoo fündig.

Der 71-Jährige aus dem kleinen Ort Osseo im Bundesstaat Michigan legte jetzt auf dem Feld zwischen Golzheim und dem Gut Schoellerhof Blumen nieder - an der Stelle, an der am 30. November 1943 sein Onkel Frank H. Dragoo und dessen Kamerad Edwin H. Leonhard beim Absturz ihres Kampfflugzeuges starben.

Vor gut eineinhalb Jahren startete David Dragoo die Suche nach dem Todesort seines Onkels. Recherchen in amerikanischen Dienststellen brachten ihn weiter. Nach der Rückkehr von einem Europa-Trip, der ihn unter anderem nach Köln und in das belgische Lüttich führte, musste er feststellen, dass er dem Absturzort sehr nahe gewesen war.

Jetzt kam er wieder, fand auf der Autobahn 4 das Schild vom Parkplatz „Golzheimer Bürge” und wusste: Weit kann es nicht mehr sein. Also fuhr er nach Golzheim und traf auf zwei junge Leute, die sich mit ihm in englischer Sprache verständigen konnten. Ihnen schilderte er sein Anliegen. Und diese jungen Leute wussten Rat.

Sie führten David Dragoo zu Helmut Esser in die Marienstraße. Der pensionierte Lehrer und langjährige Kommunalpolitiker wurde zum Glücksfall für Dragoo.

„Mein älterer Bruder und mein bester Freund haben mir erzählt, dass Onkel Frank unmittelbar vor der Einberufung zum Krieg in Europa noch eine Ehrenrunde über Osseo flog und uns Kindern aus der Kanzel des Flugzeuges winkte”, erzählte David Dragoo beim Zusammentreffen mit Helmut Esser.

Schnell polierte Helmut Esser seine Englisch-Kenntnisse auf. Mehr noch: Aus Archiven und mit freundlicher Genehmigung von Dr. Thomas Rubel kam Esser an einen Aufsatz, den der langjährige Golzheimer Politiker Josef Rubel über den Absturz des amerikanischen B-17-Bombers mit der Nummer J 42-3557 („Fliegende Festung”) verfasste.

Angela Seezen von der Kreis-VHS hat für David Dragoo diesen Bericht ins Englische übersetzt. Jetzt weiß David Dragoo, dass sein Onkel mit der zwölfköpfigen Crew von einem Luftangriff auf Solingen zurückkehrend und in Richtung England fliegend im Raum Köln von zwei deutschen Jägern abgeschossen wurde.

Als Uhrzeit des Absturzes gab ein Besatzungsmitglied später 12.32 Uhr an. Zu diesem Zeitpunkt waren die Besatzungsmitglieder mit dem Fallschirm abgesprungen. Nur Co- Pilot Frank H. Dragoo und Schütze Sergeant Leonhard schafften es nicht mehr.

Die überlebenden amerikanischen Soldaten wurden in deutsche Gefangenschaft genommen, die sterblichen Überreste von Frank H. Dragoo und edwin H. Leonhard zunächst auf dem Kölner Westfriedhof beigesetzt, später in die USA überführt.

Mit Tränen in den Augen legte David Dragoo, begleitet von Helmut Esser, am Absturzort Blumen nieder. Für seinen Onkel und dessen Kameraden. Er nahm die Erkenntnis mit, jetzt alles ganz genau zu wissen.

Über den Absturz, über die Zeugen des Geschehens und die Art und Weise, wie die Bürger von Golzheim mit dem Geschehen umgegangen sind - und dass sie es nicht einfach vergessen haben.
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