Gewalt gegen Lehrer: Im Kreis Düren eher Einzelfälle

Von: Ines Kubat
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Auch Schulen im Kreis Düren kennen das Phänomen, dass immer häufiger Lehrer von Schülern beleidigt und beschimpft werden. Foto: dpa

Düren. „Gewalt hat hier keinen Platz“ liest man auf den Plakaten, wenn man durch die Hauptschule Burgauer Allee in Düren geht. Die Plakate waren Teil eines Projekts, das sich in die zahlreichen Initiativen zur Gewaltprävention einreiht. „Wir tun viel auf diesem Gebiet“, versichert Schulleiter Stefan Wernerus.

Und dennoch stehe Gewalt – zumindest verbaler Art – leider an der Schule an der Tagesordnung. Dabei richten sich die Beleidigungen und Beschimpfungen gar nicht nur gegen Schüler, sondern häufig auch gegen Lehrer.

Der Lehrerverband VBE hatte in dieser „Woche des Respekts“ eine bundesweite Umfrage veröffentlicht, nach der jeder sechste Lehrer schon einmal von einem Schüler körperlich angegriffen wurde, jeder vierte habe Beleidigungen, Beschimpfungen, Drohungen und sogar Mobbing erlebt.

Michael Schevardo arbeitet bei der Schulaufsicht des Kreises Düren und sagt, dass Schüler, die ihre Wut an Lehrern auslassen, eher Einzelfälle seien. „Zumindest wenn es nach dem geht, was wir von den Schulen erfahren“, sagt der Beamte.

Das kann Stefan Wernerus zumindest zum Teil bestätigen. Er ist seit acht Jahren Rektor an der Hauptschule Burgauer Allee, seitdem habe er es einmal erlebt, dass ein Schüler auf einen Lehrer losgegangen ist – und zwar körperlich. Erst einmal kam ein Lehrer auf ihn zu, der sich von Schülern gemobbt, also über einen längeren Zeitraum schikaniert, fühlte. Beide Vorkommnisse könnte man als Einzelfälle verbuchen. Kein Einzelfall seien allerdings die wüsten und beleidigenden Worte, die Lehrer über sich ergehen lassen müssen.

Für die Jugendlichen sei diese Art des Umgangs fast normal, berichtete Wernerus aus seinen Beobachtungen: „‚Du dumme Sau‘ – solche Ausdrücke sind für sie eigentlich keine Beleidigung mehr.“ Respekt vor Erwachsenen, insbesondere den Lehrern, sei kaum vorhanden, sagt Wernerus.

Dass der Ton der Schüler rauer geworden ist, bestätigen auch Schulaufsichts-Mitarbeiter Michael Schevardo und Georg Lauf von der Realschule Bretzelnweg. „Die Schüler sind nicht mehr so pflegeleicht wie früher. Sie brauchen klare Linien“, sagt der Rektor.

Am Bretzelnweg allerdings gebe es keine Probleme von Gewalt versichert der Schulleiter – weder unter den Schülern noch gegenüber Lehrern. Zumindest nicht so, wie es der Ruf der Schule im Dürener Norden vermuten lassen würde. Dieser Ruf von Schulhof-Schlägereien hafte der Realschule zu Unrecht an.

Seit Jahren lege man viel Wert darauf, das Wort Respekt mit Inhalt zu füllen. Und das gelte nicht nur für die Schüler: „Hier sollen sich alle wohl fühlen. Schüler, Lehrer, der Hausmeister.“ Und das gehe nur mit wechselseitigem Respekt.

Er setzt damit auf Prävention – so wie es auch in der Hauptschule Burgauer Allee gemacht wird : „Wir haben klare Schulregeln, und das Thema Gewalt wird immer wieder im Unterricht besprochen“, sagt Wernerus. Außerdem arbeite man mit anderen Stellen wie dem Kreis, dem Schulpsychologischen Dienst und der Polizei zusammen. Die Beamten kommen sogar wöchentlich an die Hauptschule und erkundigen sich, ob es Probleme mit Schülern gab.

Während die beiden Rektoren der Haupt- und Realschule offensiv mit dem Thema Gewalt umgehen, kommt die Umfrage des Lehrerverbands zu einem anderen Ergebnis. Darin vermutet man, dass Gewalt gegen Lehrer tabuisiert werde und es eine hohe Dunkelziffer von Übergriffen auf Lehrer gebe.

Das erscheint zunächst plausibel: Viele Lehrer schlucken bei einmaligen Beleidigungen den Ärger möglicherweise runter. Andere schweigen vielleicht, weil sie fürchten, vor dem Kollegium, den Eltern und auch den Schülern als schlechter oder schwacher Lehrer zu gelten, wenn sie das Problem nicht selbst in den Griff bekommen.

Doch Lauf glaubt nicht, dass es viele Lehrer gebe, die still unter Angriffen von Schülern leiden: „Bei uns gibt es kein Tabuthema. Man kann über alles sprechen“, versichert der Rektor. Wie sein Kollege der Hauptschule habe er nicht nur ein offenes Ohr für Schüler, die Probleme mit Lehrern haben, sondern auch andersherum. In der Bestrafung der Schüler für Attacken auf Lehrer setzen beide zunächst auf pädagogische Mittel und suchen das Gespräch mit beiden Parteien, um den Fall zu besprechen – häufig auch gemeinsam mit den Eltern.

In schlimmeren Fällen würde man Schüler für einige Tage vom Unterricht suspendieren, erklärt Wernerus, bei besonders gravierenden Angriffen könnten die Lehrer auch Anzeige gegen den Schüler stellen. Zumindest, wenn er mindestens 14 Jahre alt und damit strafmündig ist. Aber das sei eher das äußerste Mittel und vor allem eine Abschreckungsmaßnahme.

Dass die Schulaufsicht die Schulen bei dem Umgang mit solchen gewaltbereiten Schülern im Stich lässt, wie es die VBE-Umfrage weiter andeutet, kann Wernerus ebenfalls nicht bestätigen. „Wir haben ein gutes regionales Netzwerk zu dem Thema“, sagt der Schulleiter.

„Cool im Konflikt“ heißt die Initiative, in der sich Schulen des Kreises, das Jugendamt, die Polizei und der Schulpsychologische Dienst zusammengeschlossen haben, um gemeinsam präventiv tätig zu werden, ergänzt Schevardo. Bei Fachkongressen zum Thema „Hatespeech“ beispielsweise hält sich das Kreis-Amt auf dem Laufenden.

Die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen sei sehr gut. Und auch die Eltern von jugendlichen Missetätern sollen dabei integriert werden. Lauf: „Wir binden die Eltern direkt mit ein – und zwar so, dass die Schüler merken, dass man uns nicht gegeneinander ausspielen kann.“ Wernerus und Schevardo berichten etwas anderes: Früher hätten Eltern mit der Schule an einem Strang gezogen – das sei nun anders.

Häufig verteidigen die Eltern das Fehlverhalten ihres Kindes und suchen stattdessen die Schuld zuallererst bei den Lehrern. „Einige gehen direkt auf Angriff“, sagt Schevardo. Und manchmal erkenne man aus Gesprächen mit den Eltern auch, dass die respektlose Sprache der Kinder dort zum Teil ihren Ursprung haben könnte.

Und das zeige vor allem eins: Gewalt und Respektlosigkeit „sind nicht nur ein schulisches Problem – sie sind ein gesellschaftliches Problem“, sagt Schulleiter Stefan Wernerus.

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