Düren - Gewalt an Schulen ist kein Tabuthema mehr

Gewalt an Schulen ist kein Tabuthema mehr

Von: Stephan Johnen
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Die Lenkungsgruppe und die Referenten bieten viele neue Angebote zur Lehrerfortbildung an. Foto: sj
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Wenn es um Gewalt an Schulen geht, spielen oft auch Smartphones eine Rolle. Foto: Stock/Imagebroker

Düren. „Als junger Lehrer habe ich gelernt, dass Konflikte zum Schulbetrieb dazugehören“, sagt Schulrat Michael Schevardo. „Doch es gibt neue Formen von Gewalt und neue Möglichkeiten, Gewalt auszuüben“, fährt er fort. Cyber-Mobbing war beispielsweise vor einigen Jahren kaum ein Thema, Studien zufolge ist aktuell jedoch beinahe in jeder Schulklasse ein Kind betroffen – entweder als Opfer oder als Täter.

Waren Hänseleien früher zeitlich und räumlich auf die Schule begrenzt, können Bösartigkeiten dank Internet und Smartphone heute rund um die Uhr „abgefeuert“ werden. Diesen Entwicklungen möchte seit zehn Jahren das Netzwerk „Cool im Konflikt“ entgegenwirken. Schulen, Jugendämter, Schulamt, Schulpsychologischer Dienst und Polizei arbeiten bei der Gewaltprävention zusammen. Mit einer veränderten Strategie soll die Arbeit auf ein breiteres Fundament gestellt werden.

„Wir wollten nicht immer nur Feuerwehr spielen und reagieren, wenn es an einer Schule einen konkreten Fall von Gewalt gegeben hat“, blickt Berthold Becker vom Jugendamt der Stadt Düren auf den Ursprung zurück. Schwerpunkt der Arbeit waren in den vergangenen Jahren Deeskalationstrainings für Lehrer und pädagogische Fachkräfte an weiterführenden Schulen sowie deren Ausbildung zu sogenannten „Cool-down-Trainern“. Hinzu kamen Fachtagungen und Theatervorführungen, die das Thema Gewalt an Schulen aufgriffen. In allen Schulen sollte es mindestens einen Ansprechpartner geben.

Der neue Ansatz zielt darauf, statt einzelner Personen, die ihrerseits das Gelernte anwenden und weitergeben, ganze Kollegien zu erreichen, sei es mit Fachvorträgen oder mehrtägigen Fortbildungsveranstaltungen. Dank einer Spende der Regionalen Initiative Dürener Zahnärzte sind die Angebote für die Schulen kostenlos beziehungsweise nur mit einer geringen Gebühr verbunden (Infokasten). Die Lenkungsgruppe des Netzwerks erhofft sich damit, „noch mehr Wirkung zu erzielen“. Angebote gibt es beispielsweise zum Thema (Cyber-)Mobbing, zur Grenzziehung und zur Deeskalation im Schulalltag. Viele Experten und Referenten arbeiten mit dem Netzwerk zusammen.

„Gewalt ist nie ein Thema eines einzelnen Schülers, einer einzelnen Klasse oder eines einzelnen Lehrers, sondern ein Thema der ganzen Schule“, erklärt Maria Saurbier-Schmalen vom Sozialwerk Dürener Christen. Was selbstverständlich klingt, sei es lange nicht gewesen. Es habe Berührungsängste zum Netzwerk gegeben, aus Angst, stigmatisiert zu werden, erinnert sich Berthold Becker. Diese Zeit sei vorbei. „Lehrern wird das nötige Know-how weiterhin nicht in der Ausbildung vermittelt“, bedauert Deeskalationstrainerin Mona Oellers. „Die Gewalt wird prinzipiell aber zunehmen“, prognostiziert sie. Nicht zuletzt der steigende Druck auf Schüler sei ein Grund dafür.

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