Gewagte These beim Dürener Bildungstag

Von: Bruno Elberfeld
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Professor Werner Lauff erläut
Professor Werner Lauff erläuterte im Gespräch mit Organisatorin Anka Hansen seine Thesen zur Erziehung. Foto: bel

Düren. Moderator Michael Vetter fragte zu Beginn des 1. Dürener Bildungstages den Hauptreferenten, Professor Dr. Werner Lauff, wie er den Satz „Zeugung ist der erste Akt der Erziehung” gemeint habe. Lauff, der seit drei Jahrzehnten über die Erziehung forscht, gab eine schlüssige Erklärung. Auch Körperzellen würden über ein Gedächtnis verfügen.

In den Zellen seien Erfahrungen gespeichert, erklärte der Referent. Verschmelzen zwei Zellen bei der Zeugung, so werde eine neue Entwicklung in Gang gesetzt, die später durch Eindrücke von außen beeinflusst werde. Für Lauff ist daher klar, dass die Zeugung ein erster Akt der Erziehung zum Menschen ist, wenn - und das ist eine weitere These - Erziehung ein Bewusstseinszustand ist, der bis zum Erwachsensein in der Entwicklung ist.

Mit solchen und ähnlichen Thesen erstaunte der emeritierte Wissenschaftler, der von Beruf Bergbauingenieur ist und später zur Erziehungswissenschaft kam, seine Zuhörer. „In den Hochschulen lernen die Lehramtsstudenten etwas über Bildungsinhalte, Didaktik und Methodik”, ärgerte sich Lauff, „nicht aber über Erziehung”. Und dieses Wissen rund um die Erziehung fehle an allen Ecken und Enden im Lehrbetrieb. Erziehung sei eine Bewusstseinskategorie, die Eltern mit Inhalten füllen müssten. Vielfach werde leider die Erziehung durch Betreuung ersetzt, bei der die Eltern weitgehend außen vor blieben. Folglich würden Kinder heute oft nicht mehr erzogen, sondern betreut. Erziehung könne jedoch nur durch die Beziehung Eltern-Kind entstehen, alle anderen Modelle seien Ersatzkonstrukte.

In Hamburg und in Ostrach im Allgäu hat Lauff deshalb bereits Elternuniversitäten gegründet. Die dritte Universität dieser Art wurde nun auf Initiative des Vereins „Kinder-Bewegung” in Düren ins Leben gerufen, um auch hier Eltern bei ihrem Erziehungsauftrag zu helfen. „Denn Kinder können nur erzogen werden, wenn Eltern gebildet sind.”

Der erste „Dürener Bildungstag” bestand jedoch nicht nur aus Vorträgen, sondern wurde auch durch Mitmachaktionen aufgelockert. Anka Hansen, Gründerin des Vereins „Kinder-Bewegung” und Organisatorin der Veranstaltung, übte mit Kindern „gehirngerechtes Lernen”. Wie kann man sich mit Hilfe von Bildern 50 englische Vokabeln schnell merken? Carina Meyer-Broicher und ihr Kollege Dirk Poper, mit riesigen Fotoapparaten bewaffnet, zogen mit den Kindern los, um Düren ins rechte Bild zu rücken. Jürgen Meyer bot Möhren und Äpfel an, Gesundheitsprävention einmal praktisch. Die Schirmherrschaft hatte Bürgermeister Paul Larue.

Wer an der Elternuniversität teilnehmen möchte, kann sich bei Anka Hansen unter 02426/6019099 melden oder sich im Internet unter http://www.kinderbewegung.com informieren.
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