Düren - Getreideernte: Gute Erträge, geringer Preis

Getreideernte: Gute Erträge, geringer Preis

Von: Jörg Abels
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Getreideernte
Die Mähdrescher laufen seit Samstag auf Hochtouren. Die Landwirte an der Rur rechnen bei Getreide mit überdurchschnittlichen Erträgen, müssen beim Preis aber Abstriche in Kauf nehmen. Foto: dpa

Düren. „Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun‘ und Fass.“ Die Bauernregel scheint sich zu bewahrheiten. „Wir erwarten ein gutes bis überdurchschnittliches Getreidejahr“, erklärte der Kreisbauernvorsitzende Erich Gussen am Montag auf Anfrage, bevor er sich wie wohl die meisten seiner Kollegen wieder auf den Mähdrescher setzte, um vor dem angekündigten Regen möglichst viel Weizen und Raps abzuernten.

Seit dem Wochenende herrscht Hochbetrieb auf den Feldern. Die Mähdrescher rattern bis tief in die Nacht. Und wie schon bei der Gerste zeichnen sich auch bei Weizen und Raps gute Erträge ab, betont Gussen.

Minus von bis zu zehn Euro

Allerdings gibt es auch einen Haken. Weil Getreide längst global gehandelt wird und in entscheidenden Regionen wie rund um das Schwarze Meer und in den USA ebenfalls mit überdurchschnittlichen Erträgen gerechnet wird, ist der Preis auf dem Weltmarkt stark unter Druck geraten, erklärt Ackerbauberater Jörg Klingenmaier von der Landwirtschaftskammer in Düren. Er nennt ein Beispiel: „Wurden im vergangenen Jahr bei der Gerste noch Preise von über 20 Euro für den Doppelzentner erzielt, so liegt der Preis aktuell bei rund 15 Euro. Und diese Tendenz dürfte sich bei den übrigen Getreidesorten fortsetzen. Klingenmaier rechnet mit einem Minus von acht oder gar zehn Euro je Doppelzentner (100 kg). Er empfiehlt den Landwirten daher, nur in Teilmengen zu verkaufen und die weitere Preisentwicklung im Auge zu behalten. Glücklich könne sich momentan schätzen, wer schon vorab einen Teil seiner Ernte zu den höheren Winter- und Frühjahrspreisen verkauft hat, erklärt Erich Gussen.

Während der heiße und trockene Juli für den Reifeprozess des Getreides ideal war, haben die Kartoffeln gelitten. Jörg Klingenmaier erwartet „Erträge auf niedrigem Niveau“, zumal in einigen Beständen bereits der sogenannte „Zweiwachs“ eingesetzt hat, der die Qualität mindert. Das heißt, die eigentliche Erntekartoffeln treibt schon wieder aus. Deshalb kann der Ackerbauberater dem Verbraucher auch wenig Hoffnung machen, dass der schon recht hohe Kartoffelpreis in absehbarer Zeit wieder fällt. Denn anders als die Zuckerrübe kann die Kartoffel einmal aufgetretene Wachstumsstörungen nicht mehr ausgleichen, erklärt der Experte der Landwirtschaftskammer.
Auch an den Zuckerrüben ist die trockene Hitze nicht spurlos vorübergegangen. Bis zum Start der Kampagne im Oktober aber hätten die Knollen noch reichlich Zeit, sich zu entwickeln. „Sobald Wasser kommt, fangen sie noch einmal an zu wachsen“, erklärt Jörg Klingenmaier.

Und Niederschläge werden für die kommenden Tagen ja immer wieder mal vorhergesagt. Über die werden sich dann auch die Gemüsebauern freuen, die ihre Kulturen seit Wochen künstlich beregnen. Insgesamt aber sind auch hier die Erwartungen eher verhalten, nachdem der Spargel- und Erdbeeranbau angesichts des späten Erntebeginn von der Menge und der Qualität nicht an frühere Jahre heranreichen konnte.

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