Getauft: Ein Muslim, der Jesus übers Wasser folgt

Von: Carsten Rose
Letzte Aktualisierung:
13697766.jpg
In der Dürener Annakirche fühlt Asayesh Yema sich wohl, er besucht sie ein paar Mal unter der Woche und jeden Sonntag. Foto: Carsten Rose

Düren. Asayesh Yema, der in zwei Monaten 26 wird, hat mehr als sieben Jahre gebraucht, um sein Ziel zu erreichen: die Taufe. Der Afghane ist muslimisch erzogen worden, hat sich aber aufgrund der radikal-islamistischen Einflüsse in seiner Heimat vom Islam abgewandt. Sein Weg hat ihn über Pakistan, den Iran und die Türkei Ende 2014 in die Annakirche vor den Taufaltar geführt. Yema erzählt seine Geschichte.

Herr Yema, erinnern Sie sich noch daran, wie Sie die ersten Male in Düren in die Kirche gegangen sind?

Asayesh Yema: Ja. Die ersten beiden Male hatte ich Angst. Ich dachte, ich könnte Probleme bekommen, wenn es jemand sieht. In Afghanistan durfte ich nicht zeigen, dass ich Christ war oder sein wollte. Das war zu gefährlich.

Asayesh Yema hat sich nach eigenen Angaben mit 16 für das Christentum als Religion entschieden. Das ist in Afghanistan ein Problem. Denn 99 Prozent der dortigen Bevölkerung mit 30,6 Millionen Menschen sind Muslime, mehrheitlich sunnitisch. Das restliche Prozent umfasst alle anderen Religionen. Yema war als Nicht-Muslim von Verfolgung und gar dem Tod bedroht (es kommt auch vor, dass Sunniten schiitische Gläubige als Nicht-Muslime bezeichnen). Aus Angst davor hat Yema, der ein shiitischer Muslim war, Afghanistan noch mit 16 verlassen. Sein Ziel: die Taufe in Europa. Seit mehr als zwei Jahren lebt er in Deutschland und im Kreis Düren, momentan alleine in einer Wohnung in Stockheim. Seine Aufenthaltserlaubnis gilt noch bis September 2019.

 

Warum haben Sie sich für das Christentum entschieden?

Yema: Ich habe den Islam nicht verstanden, weil der Koran auf Arabisch ist, man betet auf Arabisch. Ich spreche aber Persisch, ich habe nicht verstanden, wie ich meinen Glauben leben soll. Und mein Lehrer hat mich geschlagen, als ich gesagt habe, dass ich den Koran nicht verstehe. Wir sollten nichts hinterfragen. Er hat auch ständig gesagt, wir sollten in den Dschihad (Anm. d Redaktion: der Heilige Krieg zur Verteidigung und Ausbreitung des Islam) ziehen und gegen Christen kämpfen. Das wollte ich nicht – und das kann Gott auch nicht wollen.

Über eine Mitschülerin ist Yema an einen Pastor gelangt, der in Afghanistan im Untergrund gearbeitet hat. Seinen Weg zu Gott wollte Yema über die Nächstenliebe finden, erzählt er, nicht über Befehle. Den Islam, wie er ihn erfahren hat, beschreibt er als „dunklen Weg“, er habe „nicht weit gucken“ können. Der Pastor hat Yema eine Bibel gegeben – auf Persisch. Jetzt liest Yema die Bibel auch auf Deutsch. Und er spricht auch deutsch. Langsam, aber sehr verständlich; Yema hat die erste deutsche Sprachprüfung bestanden. Er lernt für die nächste Stufe und will den Hauptschlusabschluss nachholen, um eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker anfangen zu können.

 

Warum war die Taufe Ihr Ziel?

Yema: Die Taufe war das, was mir noch gefehlt hat, um glücklich zu sein. In Afghanistan ging es nicht, im Iran, wo ich vier Jahre gelebt habe, auch nicht. In der Türkei, da war ich zwei Jahre, habe ich einen Traum gehabt: Ich bin hinter Jesus auf dem Wasser gelaufen, die Stelle aus der Bibel kannte ich damals noch nicht. Das habe ich einem Pastor erzählt, und er meinte, dass Jesus mich braucht und ich mich taufen lassen soll. Deswegen wollte ich nach Österreich oder Deutschland, in ein nicht-muslimisches Land, wo es einfacher ist. Am 30. November 2014 wurde ich in der Annakirche getauft.

Wie leben Sie Ihren Glauben jetzt?

Yema: Ich lese jeden Tag in der Bibel, und weil ich immer alleine zu Hause bin, gehe ich zwei bis drei Mal unter der Woche in die Annakirche, kurz beten, dann bin ich froh. Sonntags, im Gottesdienst, verstehe ich nicht alles. Aber das ist nicht schlimm. Ich freue mich, wenn man zusammen sitzt und freundlich ist.

Yema ist ohne Familie nach Deutschland gekommen. In Afghanistan hat er noch offiziell als Muslim mit 16 geheiratet. Die Eltern seiner Frau, die auch Christin werden wollte, haben ihr den Kontakt zu ihm verboten, nachdem er sich vom Islam abgewandt hat. Er erzählt, dass er seine Familie seit acht Jahren nicht gesehen hat, sie aber bei sich fühlt, wenn er betet. Kontakte in der Gemeinde hat er nicht. Yema sagt, er sei zu schüchtern, Fremde in der Kirche anzusprechen.

 

Wie feiern Sie Weihnachten?

Yema: Auch wenn ich alleine bin, ist Weihnachten die schönste Zeit. Alle Leute sind glücklich, sie feiern gemeinsam. Vom 23. bis zum ersten Weihnachtstag bin ich in Hamburg. Ich besuche einen afghanischen Freund, der sich am Sonntag taufen lässt.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert