Geschlaucht von der Buchmesse auf Schloss Burgau

Von: Hannes Schmitz
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Kommt direkt von der Frankfurter Buchmesse in die Hauptburg von Schloss Burgau: Mirko Bonnè. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Leicht angeschlagen nahm Mirko Bonnè Platz. Ihm war anzumerken, dass die letzten Tage Kraft gekostet hatten. Direkt von der Frankfurter Buchmesse war der Lyriker und Schriftsteller in die Hauptburg von Schloss Burgau gekommen, um aus seinem Gedichtband „Traklepark“ und seinem Roman „Nie wieder Nacht“ zu lesen.

Ein Coup war damit Gerhard Quitmann geglückt, dem langjährigen Vorsitzenden des Kunstfördervereins, der in der von ihm initiierten Reihe „Der Lyrik eine Gasse“ dem Publikum und sich selbst einen Glanzpunkt zum Abschied vom Ehrenamt und seiner letzten, der 15. Literaturveranstaltung in dieser Serie, bescherte.

Die Lesung war das Zeichen für einen Übergang. Quitmanns Nachfolger Professor Dr. Michael Braun wird den Schwerpunkt auf Prosa legen, wie er ankündigte. Bonnè freute es den „Übergang“ begleiten zu können, weil er sowohl für Lyrik als auch Prosa steht.

Der Autor stand plötzlich im Scheinwerferlicht der Literaturszene, als sein Roman „Nie wieder Nacht“ auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis stand. Zwar wurde er nicht Preisträger, doch allein dieses Ereignis brachte enorme Bewegung in seinen Terminkalender.

Sechs Lesungen in fünf Tagen im Frankfurter Raum, dazu unzählige Gespräche auf der Buchmesse – der Autor befürchtete, dass ihm die Stimme wegbrechen würde. Passierte aber zum Glück nicht. Mit Gedichten aus seinem Band „Traklepark“ begann er die Lesung.

Eine Reminiszenz an den Dichter Georg Trakl und einen Ort in Innsbruck, wo dieser oft war. Seine Gedichte, zwölf trug er vor, faszinierten. Bonnè ließ Stationen der eigenen Biografie in Szenen, Bildern und Fragen aufleben, konfrontierte mit Liebe und Tod, Einsamkeit und dem Verlangen nach Nähe.

Seine klare Sprache setzte sich in seinem Roman „Nie mehr Nacht“ fort. Aus den Kapiteln, die er vortrug, ließ sich ein elegantes wie intensives Klagelied erkennen, ein Roman um Liebe und Trauer, Verdrängen und Erinnern, über Machtlosigkeit und Verlassenheit.

Um die Invasion in der Normandie im Zweiten Weltkrieg lässt er die Geschehnisse bis in die heutige Zeit kreisen und beschreibt in verschiedenen Strängen, wie er erläuterte, drei Jugendzeiten; die eines Soldaten, des Protagonisten als Ich-Erzähler und die seines Neffen.

Ein Roadmovie, begleitet von schwerer Trauer, über Generationenkonflikte, Scheitern und Neubeginn. Allein die wenigen Passagen ließen erkennen, warum der Roman für die Shortlist nominiert wurde. Eine Lesung im Schloss, die zu einer glanzvollen „Abschiedsvorstellung“ für Gerhard Quitmann und zu einem großen Geschenk für das Publikum wurde.

Den Dank der Stadt überbrachte der stellvertretende Bürgermeister Rainer Guthausen. Zum Abschluss der Veranstaltung gab es Rotwein, wobei Gerhard Quitmann bekannte, in „jedem Glas einen Wehmutstropfen versenkt zu haben“.

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