Geschäfte florieren, aber Leerstand wurmt

Von: Franz Sistemich
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Die Hengebachstraße in Heimbach: eine Straße zwischen florierenden Geschäften und Leerstand. Foto: sis

Heimbach. Zwei Jahre hat Dietmar Jäpel fast jede Woche sieben Tage gearbeitet. „Urlaub haben meine Frau und ich nur über Karneval gemacht“, sagt der Heimbacher. In diesen 24 Monaten hat Jäpel die ganze Energie in den Aufbau seines Geschäftes an der Hengebachstraße gesteckt. Seit acht Jahren nun verkauft er dort Liköre, Brände, Öle, Säfte, Weine oder Teesorten und Gewürze.

Einst befand sich der Schlecker in diesem Ladenlokal. Der Schlecker zog dann auf die andere Straßenseite. Die Drogeriekette gibt es bekanntlich nicht mehr. Und während am alten Schlecker-Standort die Ladenfläche ungenutzt ist, geben sich bei Jäpel die Kunden die Klinke in die Hand. An diesem Samstagnachmittag drängeln sich teilweise die Touristen zwischen seinen Regalen.

Die Situation ist typisch für den zentralen Bereich im Schatten der Burg. Einerseits stehen auf den wenigen Metern zwischen dem Parkplatz Über Rur und der Mariawalder Kreuzung – teilweise seit Jahren – Gastronomiebetriebe leer, sind Geschäftslokale verwaist. Andererseits freuen sich gerade die beiden Restaurants nicht nur bei gutem Wetter wie Jäpels Feinkost-Geschäft über zahlreiche Gäste – und es werden, seitdem der Ferienpark im Schatten der Staumauer der Rurtalsperre Schwammenauel mit seinen vornehmlich niederländischen Urlaubern geöffnet hat, immer mehr, wie man auch in Hasenfeld festgestellt hat.

Die geschlossenen Geschäfte und Gastronomiebetriebe sind nicht nur Jäpel und etlichen anderen Heimbachern ein Dorn im Auge, auch die Stadtverantwortlichen wurmen die Leerstände. Doch ihnen sind die Hände gefunden: „Es gibt Personen, die haben es nicht nötig, Mieteinnahmen zu erzielen. Die wollen nicht vermieten. Und es werden immer wieder zu hohe Mieten gefordert“, regt sich Bürgermeister Bert Züll auf.

Da kommt es auch vor, dass jemand aufgeben muss, obwohl die monatliche Miete nur um 50 Euro steigen soll. „Die Preisvorstellungen sind teilweise fatal“, schimpft Züll, der hofft, dass über die von der Stadt und einer Projektentwicklung getragene Zukunftsinitiative den Leerstand beseitigen und dass über den Masterplan das Stadtzentrum am Leben gehalten werden kann.

Denn der demographischen Entwicklung zum Trotz braucht sich Heimbach zum Beispiel in Sachen Grundschule und Kindertageseinrichtung keine größeren Sorgen zu machen. Die einzige Schule am Ort darf irgendwann auch einzügig weitergeführt werden, und bei den Kitas besteht in den nächsten zehn Jahren kaum Handlungsbedarf.

Auf der anderen Seite wird Heimbach immer älter. Schon jetzt zählt die Stadt an der Rur zu den Kommunen mit dem höchsten Durchschnittsalter seiner Bewohner. Doch weil, so der Tenor im Rathaus, die ärztliche Versorgung mit Allgemeinmedizinern und Fachärzten gesichert ist, weil zumindest in einem Supermarkt alles für den täglichen Bedarf gekauft werden kann und weil der Bürgerbus, von einem großen Engagement getragen, die Verbindung der Außenorte in den Zentralort gewährleistet, sehen die Stadtoberen eher gedämpft optimistisch als pessimistisch in die Zukunft.

Zumal sich in Heimbach auch ein Generationenwechsel bemerkbar macht. Junge Menschen kommen nach ihren ersten beruflichen Erfahrungen bewusst in die Stadt zurück, bringen neue Ideen mit - auch wenn damit nicht unbedingt etliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Größter Arbeitgeber ist die Stadt selbst. Rund 100 Menschen geben gut 30 Vlattener Gewerbetreibende Arbeit.

Einer von ihnen baut die frühere Heimbacher Post um. Sein Betrieb ist so gewachsen, dass er in den Zentralort zieht. Das hat vor acht Jahren auch Dietmar Jäpel gemacht. Er gab seinen bisherigen Beruf in der Versicherungsbranche auf und eröffnete das Geschäft an der Hengebachstraße. Er hat es nicht bereut. Jetzt arbeitet er mit seiner Frau noch sechs Tage in der Woche. Und macht weiter kaum Urlaub.

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