Gesamtschule Niederzier/Merzenich: Der Mann der ersten Stunde geht

Von: Jörg Abels
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Geht nach 25 Jahren in den Ruhestand: Schulleiter Hermann-Josef Gerhards. Foto: Abels

Merzenich/Niederzier. Hermann-Josef Gerhards sitzt in seinem Büro in Merzenich. Den Ort, um auf seine 25-jährige Tätigkeit als Leiter der Gesamtschule Niederzier/Merzenich zurückzublicken, hat der 65-jährige Linnicher wenige Tage vor seinem letzten Schultag bewusst gewählt.

Am 14. Juli verabschiedet sich der Gründungsdirektor von „seiner“ Schule, die 1992 in Merzenich das Licht der Welt erblickte – auf Vorschlag des Schulentwicklungsplaners Wolf Krämer-Mandeau im Übrigen, der die Politiker beider Kommunen früh überzeugte, die vorhandenen Hauptschulen aufzugeben, um den weiterführenden Schulstandort zu erhalten.

Die Idee einer Gesamtschule mit zwei weit voneinander entfernten Gebäuden war damals neu, erinnert sich Gerhards, der nach seiner Wahl zum Gründungsschuldirektor im Januar 1992 Pionierarbeit leisten musste. Mit seinem Kollegium galt es nicht nur, das pädagogische Profil der Schule mit den Jahrgängen Fünf bis Sieben in Merzenich und Acht bis 13 in Niederzier/Oberzier zu entwickeln, sondern auch die Eltern von einem Modell zu überzeugen, dass jeden Schüler im Laufe seiner Schulzeit zum „Fahrschüler“ werden lässt. Und auch viele Lehrer pendeln immer wieder zwischen beiden Strandorten, der Unterrichtsbeginn orientiert sich an den Fahrtzeiten der Linienbusse.

„Ich habe damals im Büro des Merzenicher Schulverwaltungsamtsleiters, des späteren Niederzierer Bürgermeisters Hartmut Nimmerrichter, oft abends Eltern informiert“, erinnert sich Gerhards. Auch Hausbesuche mit den Gemeindedirektoren Hermann-Josef Werres (Merzenich) und Günther Pick (Niederzier) waren keine Seltenheit. Aufklärungsarbeit gegen den Widerstand aus Düren, die sich gelohnt hat. Heute genießt die Gesamtschule Niederzier/Merzenich mit ihren rund 1100 Schülern einen hervorragenden Ruf bis nach Jülich und Titz.

Seit vielen Jahren übersteigt die Zahl der Anmeldungen die Kapazität. Und weil nicht immer automatisch alle schwächeren Schüler aus den beiden Schulkommunen aufgenommen werden konnten, gab es auch schon mal Kritik aus Reihen der Politik. Kritik, die Gerhards aber nie gelten ließ. „Der Schulträger hat sich bewusst für die Gesamtschule und damit für eine Abiturschule entschieden. Dem müssen wir schon bei der Anmeldung Rechnung tragen.“

Die ehemaligen Hauptschulgebäude in Merzenich und Niederzier mussten immer wieder baulich angepasst und erweitert werden, betont Gerhards. In die Ausstattung der Schulen wurden im Laufe der Jahre viele Millionen Euro investiert. „Ich bin dem Schulverband in diesem Zusammenhang zu großem Dank verpflichtet“, erklärt der 65-Jährige. „Die Politik hat früh erkannt, dass hier kein Geld verplempert wird.“

Nach dem Start in Merzenich waren der Wechsel der ersten Schüler nach Niederzier 1995, vor allem aber das erste Abitur im Schuljahr 2000/2001 wichtige Meilensteine in der Schulentwicklung, an die sich Gerhards gerne zurückerinnert. Damals waren es gut ein Dutzend Schüler, die mit externer Unterstützung die Hochschulreife ablegten. Mittlerweile sind es jährlich rund 70 bis 80. Darauf ist der scheidende Direktor stolz.

Aber auch die regelmäßigen Schüleraustauschprogramme lagen Gerhards immer am Herzen, auch wenn der mit dem Atatürk Lisesi Izmir aktuell aufgrund der politischen Situation in der Türkei ruht. Der Startschuss fiel schon 1994, damals mit dem Collège Jean-Jaurès in Niederziers Partnergemeinde Vieux-Condé, die bis heute „pulsierendes Leben“ bedeutet, freut sich Gerhards.

„Eine erfüllende Tätigkeit“

Wenn der Linnicher auf die vergangenen 25 Jahre zurückblickt, spricht er von einer „sehr erfüllenden Tätigkeit“, von vielen bereichernden Gesprächen mit Kollegen, Eltern und Schülern und von der festen Überzeugung, dass er eine gesellschaftlich sinnvolle Tätigkeit ausführen durfte. Ein Wechsel an eine andere Schule oder zum Beispiel als Dezernent zur Bezirksregierung sei daher für ihn nie ein Thema gewesen. In seiner Funktion als leitender Gesamtschuldirektor – „nicht leidender“ (Gerhards) – habe er sich immer als Teamplayer verstanden, der seine Kollegen in der Schulführung, aber auch das ganze Kollegium mitnimmt. Beispiel: „Seit gut zehn Jahren ist das gesamte Kollegium an der Erstellung des Stundenplans beteiligt“, erklärt Gerhards. Das sorge für eine hohe Arbeitszufriedenheit und sei bereits Vorbild für andere Schule gewesen.

Nach seiner Verabschiedung am 14. Juli werde er noch sein Büro aufräumen und ein bisschen fürs neue Schuljahr vorbereiten, um seinem Nachfolger einen guten Start zu ermöglichen. Und dann: „Erstmal Urlaub.“ Was er am meisten vermissen werde: „Das Leben in der Schule.“

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