Gert Engels und das Gefühl von purer Gänsehaut

Von: Franz Sistemich
Letzte Aktualisierung:
Gert Engels als Trainer: 20 Ja
Gert Engels als Trainer: 20 Jahre wirkte der gebürtige Dürener und Profi-Fußballer von Borussia Mönchengladbach in Japan, ehe er als Nationaltrainer von Mosambik verpflichtet Foto: imago/Aflosport

Düren. Die Augen von Gert Engels leuchten: „Das war einfach nur Gänsehaut pur.” Der 54-jährige Fußballtrainer schüttelt den Kopf. Eine ganz neue Erfahrung machte der ehemalige Spieler der SG Düren 99 und Profi von Borussia Mönchengladbach im Osten Afrikas.

Die Nationalspieler von Mosambik sangen auf der Fahrt zum Spiel im Bus, klatschten rhythmisch mit den Händen, stimmten sich auf das Rückspiel gegen die Komoren ein.

Auch diese Partie gewannen sie vor wenigen Wochen. 12 000 Zuschauer feierten denn Erfolg in afrikanisch-enthusiastischer Manier; denn mit den beiden Siegen qualifizierte sich das Team von Gert Engels für die Gruppenspiele in der WM-Qualifikation gegen Ägypten, Guinea und den Nachbarn Simbabwe.

Seit Oktober vergangenen Jahres fungiert der gebürtige Dürener als Nationalcoach Mosambiks. Er löste den Niederländer Mart Nooij ab. Die beiden Jahrzehnte vor 2011 wirkte Engels als Trainer auf einem anderen Kontinent: in Japan.

Zuletzt war er im Inselreich arbeitslos. Von dort und von seiner Heimatstadt betrieb und betreibt er die Fußballschule „Soccer life”. Für japanische Kicker und Mannschaften bietet er in Düren und im übrigen Deutschland Trainingslager an, vermittelt Spieler an Klubs der Region.

Der Anruf

In der weiteren Region erreichte Engels, der mit seiner Frau und den beiden Kindern wieder in Düren lebt, auch der Telefonanruf, der sein Leben in eine neue Richtung lenkte: Auf dem Bahnhof in Köln erwischte ihn der Präsident des mosambikanischen Fußballverbandes. Der Verband hatte den Deutschen Fußballbund um Hilfe gebeten.

Der DFB lenkte den Blick der Afrikaner auf Engels. Der Deutsche und der Präsident verhandelten. Dann war das erste Engagement des Düreners als Nationaltrainer der Nummer 115 der Weltrangliste perfekt.

Der Empfang war herzlich. Aber bewusst war Engels auch: „Natürlich habe ich als neuer Trainer einen Bonus. Aber die Partien muss ich dennoch gewinnen.” Und so war dem Neuling auch klar: „Du darfst nicht gegen die local heroes ” arbeiten, du musst sie mit in das Boot nehmen.”

Will sagen: Engels setzt auf Kooperation mit den einheimischen Trainern, holt sich Ratschläge, hört sich ihre Meinungen über die Spieler an. Doch Engels muss auch den Blick nach Europa richten: Einige seiner Nationalspieler kicken beispielsweise in Portugal oder Griechenland.

Doch Gert Engels machte auch die Erfahrung: Informationen über die Gegner gibt es so gut wie nicht. Die Komoren? Ein unbekannter Kontrahent. „Es gibt Gegner, die treten keine zweimal mit denselben Spielern an”, sagt er und schmunzelt.

In den kommenden Wochen und Monaten stehen wieder entscheidende Spiele an. Die Aufgaben heißen Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien und den Afrika-Cup 2013. Noch nie hat sich Mossambik für eine Weltmeisterschaft qualifiziert.

Und die beste Platzierung beim Afrika-Cup war viermal das Erreichen der Vorrunde. Gert Engels könnte sich in Mosambik also ein Denkmal setzen. Es wird schwer genug.

Engels soll aber nicht nur möglichst viele Spiele gewinnen. Er soll den Fußball im afrikanischen Osten professionalisieren. Der Ex-Profi will mehr Zeit, mehr Trainingstage, mehr Spiele für die Nationalmannschaft erreichen.

Er will die Nachwuchsarbeit verbessern. Unterstützt wird er dabei von deutschen Trainern, die für die U 17 und für die U 20 Mosambiks zuständig sind. Vielleicht geht es doch einfacher als gedacht: mit Gesang und rhythmischem Klatschen auf der Fahrt zu den Spielen.
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