Gericht spricht Messerstecher frei: Notwehr

Von: val
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Düren. Warum der Streit eskaliert ist, konnte das Dürener Amtsgericht nicht mehr so recht rekonstruieren. Fest steht, dass er eskaliert ist.

Alkohol war im Spiel, Betäubungsmittel und die Tatwaffe: ein Klappmesser. Der heute 38-jährige Angeklagte Rudolf D. hatte seinem 34-jährigen Bekannten Igor R. am 12. Mai 2009 damit eine schwere Stichwunde im Unterbauch zugefügt. Die Anklage lautete deshalb auf gefährliche Körperverletzung.

Das Urteil war ein Freispruch. Das Gericht unter Vorsitz von Richter Hans-Georg Wingen sah es als erwiesen an, dass der zum Tatzeitpunkt unter Drogeneinfluss stehende Rudolf D. in Notwehr gehandelt hatte. Mit einem Stock habe der spätere Geschädigte trotz eindringlicher Aufforderungen, von ihm abzulassen, mehrfach auf den Angeklagten eingeprügelt und ihm außerdem in Hand und Unterarm gebissen. Die Tat ereignete sich im Umfeld der Drogenszene im Langemarck-Park. Täter und Opfer kannten sich offenbar gut.

Im Zeugenstand gab Igor R. an, sich an den Tathergang und die Ursache des Streits nicht mehr erinnern zu können. Er sei „auf Alkohol” gewesen, sagte der bullige Mann, der wegen Körperverletzung verurteilt wurde und derzeit wegen eines Delikts einsitzt. „Man kennt sich, man schlägt sich, man verträgt sich, und die Staatskasse kann alles bezahlen,” kommentierte Richter Wingen den einsilbigen Auftritt R.´s.

Die psychiatrische Gutachterin attestierte dem Angeklagten zwar dissoziale Verhaltensweisen, Gewalttätigkeit und eine geringe Frustrationstoleranz, war aber zugleich überrascht, „wie er sich entwickelt hat”. So habe er nach der Tat eine stationäre Therapie zum Drogenentzug erfolgreich absolviert. Zum Tatzeitpunkt sei der mehrfach vorbestrafte Rudolf D. aufgrund der in seinem Blut nachgewiesenen Opiate nicht mehr in der Lage gewesen, sein Verhalten ausreichend zu steuern. Dennoch hatten sowohl Staatsanwaltschaft als auch Gericht keinen Zweifel daran, dass D. bei der Abwehr der Angriffe die Verhältnismäßigkeit der Mittel gewahrt habe.
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