Gerhard Vogt: „Kommunen sparen am falschen Ende“

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Die Verantwortlichen von zehn Schulen, Initiativen und Verbänden haben bei der zehnten Projektbörse ihre Projekte vorgestellt. Foto: kin
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Dr. Gerhard Vogt ist Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung. Foto: kin

Düren. „Wir machen Investitionen in die Zukunft. Kinder, die nicht richtig lesen und schreiben können, finden später auch keine gute Arbeit.“ Dr. Gerhard Vogt (86) ist seit elf Jahren Sprecher und Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Düren.

Anlässlich der Projektbörse der Bürgerstiftung, die traditionell Anfang Januar im Haus der Stadt veranstaltet wird, hat er mit „DN“-Mitarbeiterin Sandra Kinkel über die Ziele der Stiftung, die aktuellen Projekte und die schwierige Zinslage gesprochen.

Was hat Sie bewogen, mit 75 Jahren ein Ehrenamt bei der Bürgerstiftung Düren zu übernehmen?

Dr. Gerhard Vogt: Ich wollte etwas Vernünftiges für die Allgemeinheit tun. Eigentlich hatte ich vor, Büroarbeiten zu übernehmen, aber ich wurde gleich in den Stiftungsvorstand gewählt.

Warum erschien Ihnen die Arbeit bei der Bürgerstiftung damals als „etwas Vernünftiges“?

Vogt: Sie war und ist vernünftig, weil wir Wissen und Erfahrung vermitteln, das ihnen auch ein Hineinwachsen in die Gesellschaft erleichtert.

Die Projektbörse findet heute zum zwölften Mal statt.

Vogt: Ja, das stimmt. Mit der Projektbörse haben wir sehr früh angefangen, weil wir neben unseren eigenen Projekten eben auch einzelne Initiativen, die in unsere Satzung passen, unterstützen wollten. Viele Projekte bewerben sich auch mehrfach um eine Unterstützung. Das gefällt uns, wir wollen langfristig helfen und fördern.

Was sind eigene Projekte der Bürgerstiftung?

Vogt: Davon gibt es derzeit drei. Im Rahmen unseres Mentoring-Projektes kümmern sich derzeit 50 Ehrenamtler um 20 Grundschulkinder von 14 Schulen aus Düren, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben. Unter der Gesamtleitung eines pensionierten Schulleiters vermittelt ein Mentor immer einem Schüler Lese-, Schreib- und Sprachkompetenz. Die Sing-Pause ist unser zweites Projekt, das wir demnächst an drei Grundschulen im Stadtgebiet anbieten. Alle Kinder der Schule haben zwei Mal in der Woche jeweils 20 Minuten mit extra ausgebildeten Lehrern Gesangunterricht, in dem aber auch Grundlagen der Musiktheorie vermittelt werden. Mit unserem dritten Projekt starten wir vermutlich im Februar. Es ist ein naturwissenschaftlich-technisches Angebot, mit dem Grundschülern auf spielerische Weise Kenntnisse in diesem Bereich vermittelt werden sollen.

Wie hoch ist derzeit das Stiftungskapital?

Vogt: Unser Stiftungskapital liegt bei 660.000 Euro. Das Problem ist aber, dass das Stiftungsvermögen unangetastet bleiben muss und die Stiftung nur ihre Erträge ausschütten darf.

Und die sind wegen der schlechten Zinslage nur gering.

Vogt: Genau. Deswegen sind wir sind derzeit mehr denn je auf Spenden angewiesen.

Die Bürgerstiftung wird in diesem Jahr zwölf Jahre alt. Würden Sie sagen, dass die Stiftung wichtiger ist denn je?

Vogt: Ja, weil immer weniger öffentliche Mittel zur Verfügung stehen. Es ist richtig, dass die Städte und Gemeinden sparen müssen, aber letztlich sparen sie am falschen Ende. Kinder, die nicht richtig lesen und schreiben können, haben keine Lebenschancen. Wenn unsere Land keine Naturwissenschaftler mehr hat, können wir uns als Industrienation verabschieden. Und daran wollen wir als Bürgerstiftung arbeiten.

Zehn Projekte warten auf finanzielle Unterstützung der Bürgerstiftung

Zehn Verbände, Schulen und Initiativen haben bei der zwölften Projektbörse der Bürgerstiftung Projekte vorgestellt und um Unterstützung geworben.

Das Stiftische Gymnasium war gleich zwei Mal vertreten. Zum einen möchten 65 Schüler des Schulorchesters eine Probenfahrt unternehmen, um die beiden Schulkonzerte vorzubereiten. Außerdem wird für den Autorenabend mit Raul Schrott im Rahmen der Reihe „Lesung und Gespräch“ am 18. März noch Unterstützung gebraucht.

„Kinder stark machen in Düren“ heißt ein Projekt des AWO-Kreisverbandes, das vor allen Dingen im Bereich Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund arbeiten möchte. Die Akteure des „Jungen Theaters Düren“ bitten um Unterstützung für ihre aktuelle Inszenierung. Demnächst soll „Tartuffe“ von Molière zur Aufführung kommen. An der Gemeinschaftsgrundschule Aldenhoven soll mit Hilfe der Bürgerstiftung ein Trommel-Aktionstag finanziert werden.

Die Verantwortlichen der „Bewohnerinitiative Mariaweiler“ wünschen sich eine Förderung für eine Ferienfreizeit im Sommer. Die evangelische und katholische Kirche wollen gemeinsam mit der Werkloge des Leopold-Hoesch-Museums im Rahmen des Orgelherbstes ein großes Kinderkonzert veranstalten, für das die Jungen und Mädchen im Vorfeld Masken basteln sollen. Stefan Iseke von der Evangelischen Gemeinde bittet um Förderung für die Aufführung des Musicals „Kwela Kwela“.

Im Jugendheim „Roncallihaus“ im Dürener Süden bauen Jugendliche große Leuchtfiguren für das Dach ihres Jugendhauses. Sie bitten um Unterstützung für die Materialkosten. Gemeinsam mit dem Verein GFC SG Düren 99 und der DLRG bietet der Dürener Turnverein in den Sommerferien Intensiv-Schwimmkurse für Kinder an. Auch hierfür wäre eine „Finanzspritze“ der Bürgerstiftung wünschenswert, finden die Verantwortlichen.

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