Geplanter Kletterpark: Zwischen Zustimmung und massiver Ablehnung

Von: Anneliese Lauscher
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Eschauel
Das Gelände an der Eschauel am Rursee, vorne der Beach Club: Im Wald möchte die „Grüner Salamander GmbH“ den Kletterpark bauen. Foto: Gudrun Klinkhammer
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Rund 300 Bürger aus Schmidt kamen zur Informationsveranstaltung, um sich mit den Gutachtern zum geplanten Kletterpark zu beschäftigen. Foto: Anneliese Lauscher

Schmidt. Der geplante Kletterpark am Rurseeufer in der Eschaueler Bucht bei Schmidt bleibt ein kontrovers diskutiertes Thema. Wieder einmal sah sich Nideggens Bürgermeister Marco Schmunkamp am Montagabend einer großen Schar von interessierten Bürger bei einer Informationsveranstaltung gegenüber.

Nahezu 300 Besucher waren gekommen, um eine zweistündige teils sachliche, teils leidenschaftliche, teils emotionale Diskussion zu führen. Trotz neuer Gutachten konnten die Kritiker nicht überzeugt werden. Dass die Debatte sachlich blieb, lag auch an einer besonderen Spielregel. Etwas verdutzt nahmen die Teilnehmer zur Kenntnis, dass Schmunkamp nach der Erfahrung der vorausgegangenen Veranstaltung ein Alkoholverbot anordnete.

Alkoholverbot im Saal

Bereits im September hatte der erste Informationsabend im Rahmen des Verfahrens zur Änderung des Flächennutzungsplans stattgefunden. Damals kündigte der Bürgermeister an, die Öffentlichkeit werde eingebunden, sobald die erforderlichen Gutachten vorliegen würden. Nun hatte in der Zwischenzeit die Investorin, Yasmin Kalmuth-Büyükdere, drei Gutachten zum Artenschutz, zur Umweltverträglichkeit und zum Lärmschutz eingeholt. Ein Initiativkreis „Pro Kletterwald“ hatte einen Flyer herausgegeben mit „10 Wahrheiten“ zu diesem Vorhaben. Außerdem hatte er in Geschäften Unterschriftenlisten ausgelegt, um Stimmen zu sammeln. Im Gegenzug hatte eine Internetpetition gegen den Kletterwald knapp 600 Unterzeichner gefunden.

Zunächst kam Rochus Mey vom Planungsbüro Becker zu Wort, der die Verfahrensschritte zur Änderung des Flächennutzungsplans erläuterte. Dann stellte Alexander Persigehl, der in Sachsen mehrere Kletterparks unterhält, die Funktion und Infrastruktur eines Kletterparks vor. Für die Wirtschaftlichkeit sei es erforderlich, ein Imbissangebot vorzuhalten,

Die Vorgaben zum Schallschutz seien erfüllt, betonte Jan Meulemann, der mit Norbert Sökeland das Schallschutzgutachten erstellt hatte. Hartmut Fehr stellte seine umfangreichen Recherchen zu den Themen Artenschutz und Umweltverträglichkeit dar. Sehr zahlreich seien Fledermaus-Vorkommen nachgewiesen worden, betonte er, acht Arten habe man beobachtet. In seinem Fazit hielt er fest, dass es Auflagen geben müsse. Zum Beispiel dürften zum Schutz der Vögel zwischen dem 1. März und dem 30. September keine Baumaßnahmen in dem angesprochenen Bereich erfolgen.

Dann wurde die Diskussion eröffnet mit Fragen, Einwänden und Anregungen. Werner Löhrer vom Vorstand des Eifelvereins Schmidt, der außerdem einem Seglerclub vorsteht und in der Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ mitwirkt, meinte, dass die Eifelvereins-Ortsgruppe Schmidt aus Naturschutzgründen gegen das Projekt sei. Der Segelclub Eschauel und viele andere Segler befürchteten, dass der ohnehin stark frequentierte Ruruferradweg für Pkw gesperrt werden könnte, der geplante Zugang zum Kletterpark zwischen Parkplatz und Schlerkmannspfädchen sei bereits jetzt ein Nadelöhr, bei dem Wanderer, Radfahrer und zufahrtsberechtigte Pkw aufeinander Rücksicht nehmen müssten.

Hellhörig wurden die Zuhörer, als Werner Löhrer aus dem Handelsregister die Tätigkeitsbeschreibung der „Grüner Salamander GmbH“ (so der Firmenname der Investorin) zitierte: „Betrieb eines Kletterwaldes nebst einer Waldküche und einer Superluftseilbahn, Durchführung von Outdoor Events und Seminaren zum Persönlichkeitstraining sowie von Freizeitangeboten.“ Da sei zu befürchten, dass noch andere Dinge außer dem Kletterwald hinzu kämen, vermutete Löhrer.

Er forderte den Bürgermeister und die Ratsmitglieder auf: „Lassen Sie den Flächennutzungsplan wie er ist und stoppen Sie dieses Projekt! Denn die Schmidter wollen es nicht.“ Es gab lang anhaltenden Applaus und Bravo-Rufe. Eine Anwohnerin, die ihren Hauptsitz in Brühl hat, meldete sich mit der Anmerkung zu Wort: „In unserer Nachbarschaft befindet sich ein Kletterpark, da ist bis 22 Uhr Remmidemmi, nicht selten wird die Polizei gerufen.“

Die höchste Herausforderung, so formulierten es etliche Gesprächsteilnehmer und auch der Bürgermeister, sei die Parkplatzsituation. Magdalena Bongard, die Betreiberin des Beachclubs in Eschauel, wies erneut auf die „Chaostage“ hin: „In diesem Sommer haben wir an 24 Tagen die Straße sperren lassen, es wäre kein Rettungswagen mehr durchgekommen.“ Es gab auch kritische Fragen zum Lärmschutzgutachten, da Immissionsgrenzwerte sich stets auf bewohnte Gebiete beziehen würde, hieß es. Wie Lärm sich in Richtung See und Schwammenauel auswirkten, darüber gebe es zurzeit keine Aussage.

Aus Düren meldeten sich die Mitglieder des Kreisverbands des Naturschutzbundes (Nabu), Henrike und Holger Körber, zu Wort. Sie wandten sich mit kritischen Fragen bezüglich des Artenschutzgutachtens an Hartmut Fehr. Sie wollten über die Methode der Fledermausuntersuchungen informiert werden. Da es vom Nabu keine schlüssige Antwort gab, versprach Bürgermeister Schmunkamp: „Wir nehmen es auf.“

Immer wieder wurde betont, man sei nicht generell gegen einen Kletterpark, nur an dieser Stelle wolle man ihn nicht haben. Jedoch hatte die Investorengruppe schon zu einem früheren Zeitpunkt klargestellt, dass ein anderer Standort nicht infrage komme.

Positiv zum Kletterparkprojekt äußerten sich Pädagogen aus Düren: Die Louis-Braille-Blindenschule und Kinder- und Jugendgruppen würden sich sehr über die Möglichkeiten im Kletterpark freuen.

Yasmin Kalmuth-Büyükdere versuchte, die Bedenken zum Hochbetrieb an manchen Tagen zu zerstreuen: „Wir berühren die Hotspot-Tage nicht. Man könnte in Schwammenauel parken und mit dem Schiff nach Eschauel kommen.“ Unüberhörbar aber blieben die kritischen und ablehnenden Stimmen. Es wurde auch ein Brandschutzgutachten gefordert.

Einwände bis 20. Februar melden

Zum Schluss wies der Bürgermeister noch einmal darauf hin, dass bis zum 20. Februar jeder Bürger der Stadt Nideggen die Möglichkeit habe, seine Einwände bei der Verwaltung kundzutun. Diese würden ausgewertet. Der Rat beschließe im Frühjahr über das Projekt. Anschließend sei im Rahmen der Offenlegung noch ein Monat Zeit, um Bedenken vorzubringen. „Wir gehen vernünftig mit Investoren um. Wenn wir sie nicht fair behandeln, wird es in Zukunft nicht leicht, Investoren für Nideggen zu interessieren“, sagte Marco Schmunkamp, der sich für den „sehr konstruktiven Umgang miteinander“ bedankte.

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