Düren - „Geocaching“-Stadtführung: Heimatkunde mit Signalen vom Himmel

„Geocaching“-Stadtführung: Heimatkunde mit Signalen vom Himmel

Von: Kevin Teichmann
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Am Fuße Bismarcks: Hasan Ermis (l.), ehrenamtlicher Mitarbeiter des Dürener Stadtmuseums, hilft, die GPS-Empfänger für die nächste Station einzustellen. Der zehnjährige Philipp löst noch eine Aufgabe vor der Statue des Dürener Ehrenbürgers im Theodor-Heuss-Park. Foto: Kevin Teichmann

Düren. „Das war total cool, richtig super!“ Der zehnjährige Philipp strahlte übers ganze Gesicht und konnte das soeben Geschehene kaum in Worte fassen. Gerade erst hatte er einen Schatz geborgen – und das in einer Truhe im Dürener Stadtmuseum. „Schätze sind meistens in Schatztruhen versteckt“, wusste der zwölfjährige Leopold seinen Mitstreitern zuvor einen „Expertenrat“ mitzugeben.

Anne Krings und Hasan Ermis, hauptamtliche Mitarbeiterin und ehrenamtlicher Mitarbeiter des Stadtmuseums, hatten alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Kindern eine Geocaching-Tour zu ermöglichen. „Es ist ein Projekt, das entwickelt werden muss. Der erste Anlauf ist zwar gut durchdacht, aber im Nachhinein fallen einem mit Sicherheit noch einige Dinge auf, die man anpassen oder verbessern kann“, erklärte die positiv gestimmte Anne Krings im Vorfeld der „GPS-Schnitzeljagd“, bei der ein GPS-Empfänger – ein Gerät, das aus Satellitensignalen die eigene Position bestimmen kann – zum Einsatz kam.

Entstanden sei die Idee aus der Motivation heraus, mit der Zeit zu gehen und das Angebot im Dürener Stadtmuseum breiter aufzufächern. Meist sei die „klassische Motivation“ der Museumsbesucher eine ganz einfache Frage: „Was war in Düren los?“ Die facettenreiche Geschichte der Stadt an der Rur begeistert aber immer seltener noch ein jüngeres Publikum: „Es kommen zwar immer wieder auch Schulklassen hierher, aber häufig nur, weil vielleicht gerade im Unterricht zum Beispiel die Zeit des Zweiten Weltkrieges besprochen wurde und man sehen möchte, wie es zu dieser Zeit um Düren bestellt war.“

Damit sich das ändert und jüngeres Publikum auch ohne die Vorgaben eines Lehrers wieder öfters dem Dürener Stadtmuseum einen Besuch abstatten, hat man nun im Rahmen des Kulturprogramms „Kulturrucksack NRW“ die Geocaching-Aktion ins Leben gerufen. Das Programm wendet sich an Zehn- bis 14-Jährige und soll „Kindern und Jugendlichen die Tür zu Kunst und Kultur so weit wie möglich öffnen“. Beim Stadtmuseum entsprang den kreativen Köpfen von Anne Krings und Hasan Ermis die bereits erwähnte GPS-gesteuerte Schatzsuche, die sich rund um das Thema Düren dreht.

„Zu unserer Schatzsuche gehört aber nicht nur das GPS-Gerät, das man braucht, um die Wege zu finden. Jedes Kind bekommt auch ein Klemmbrett mitsamt Skript. An jeder Station in der Dürener Innenstadt können sie auf diesem Skript niedergeschriebene Rätsel um die Stadt, ihre Gebäude und ihre Geschichte lösen – so erhalten sie die Koordinaten für die nächste Station ihrer Expedition“, erklärt Krings, dass sich die Kinder „spielerisch mit unserer Stadt Düren beschäftigen“ sollen und scherzt: „Das ist natürlich auch für mich eine nette Abwechslung zur alltäglichen Arbeit – auch wenn viel Vorarbeit nötig ist und man für die Organisation teilweise auch seine Freizeit opfern muss.“ Wichtig ist Krings ohnehin das Resultat: „Alle sind homogen in der Gruppe zusammen geblieben und hatten Spaß an der Suche.“

Bis der Schatz jedoch geborgen werden konnte, mussten Philipp, Leopold und sieben andere Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren zunächst eine Odyssee durch Düren hinter sich bringen.

Beginn dieser Reise voller fabelhafter Entdeckungen war das Stadtmuseum. Vom Startpunkt in der Arnoldsweilerstraße ging es in die Hans-Brückmann-Straße und bog in den Theodor-Heuss-Park ab. Dort statteten die Kinder der Statue von Dürens Ehrenbürger Otto von Bismarck einen Besuch ab. Sogleich mussten die ersten Rätsel gelöst werden, um die Koordinaten für die nächste Station zu ermitteln. Schnell hatten die ersten Kinder die Lösungen gefunden, auf Nachzügler wurde trotzdem Rücksicht genommen – jedes Kind bekam die Zeit, die es brauchte zum Lösen der Aufgaben.

Gemeinsam ging es weiter zum Dürener Rathaus, von dort aus zur Anna-Kirche und weiter in den Konrad-Adenauer-Park – ohne aber nicht den wohltuenden Zwischenhalt bei einer Eisdiele zu vergessen. Nach einer kurzen Pause setzten die Abenteurer ihren Ausflug fort. Es folgten als Station das Leopold-Hoesch-Museum – „das hat man mir gewidmet“, witzelte Namensvetter Leopold – und die Christuskirche. Eigentlich hätte nun noch als letzte Zwischenstation die Fatih-Moschee auf der Veldener Straße folgen sollen – Krings und Ermis beschlossen allerdings kurzerhand, den hohen Temperaturen geschuldet, die Reise abzukürzen. Es ging zurück zum Stadtmuseum und nach einer kurzen Verschnaufpause strebten die Kinder wieder dem Schatz entgegen.

Neben der Figur des Ritters Isidor fanden sie – in einer Vase versteckt – Pergamentrollen, auf denen der Umriss des Stadtmuseums wie auf einer klassischen Schatzkarte zu sehen war. Ein großes, rotes Kreuz symbolisierte den Ort, an dem sich der Schatz befinden sollte. Fix strömten die Kinder von einem Raum in den nächsten. Schlussendlich hatten sie es geschafft. Tüten, gefüllt mit Süßigkeiten, dem Comic „Leonhard und das Haupt der heiligen Anna“ und einem Schreibblock, konnten aus der Schatztruhe gefischt werden.

„Es hat mir sehr gut gefallen und wenn das Stadtmuseum etwas Neues anbietet, bin ich bestimmt wieder mit dabei. Durch die gemeinsame Suche habe ich sogar neue Freunde gefunden“, lächelte die elfjährige Isabelle am Ende des Tages. „Meine Mutter hatte von der Geocaching-Tour in der Zeitung gelesen. Ich dachte mir sofort, dass das etwas für mich ist – und das hat sich auch bestätigt. Bei anderen Fragen oder einer neuen Route komme ich auf jeden Fall wieder“, ist auch bei Philipp die Lust, mehr über seine Heimatstadt zu erfahren, geweckt worden.

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