Düren - Gemeinschaftsausstellung: Froschkönig auf gestrickter Bombe

Gemeinschaftsausstellung: Froschkönig auf gestrickter Bombe

Von: Bruno Elberfeld
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Kunst in der „Galerie Treppe“: Manuela Krekeler-Marx, Stewens Ragone, Annette Reichardt und Kurator Pit Goertz (v.l.) eröffneten die Ausstellung „Der tut nix, der will nur spielen“. Foto: bel

Düren. Künstler müssen, so heißt es manchmal durchaus liebevoll, ein Stück weit verrückt sein. Das ist nicht unbedingt bei brav gemalten Landschaftsbildern der Fall und oft auch nicht im Fotorealismus, in dem die Wirklichkeit widergespiegelt wird. Die drei Künstler, die nun unter dem Motto „Der tut nix, der will nur spielen“ in der Galerie „Die Treppe“ in Düren ihre Werke ausstellen, fallen jedoch nicht in diese Kategorien.

Sie wollen durch ihre tollen Verrücktheiten Impulse geben. Denn „verrückt sein“ heißt im wahrsten Sinne des Wortes, dass sich jemand von den anderen abhebt.

Für die Gemälde in Groß- und Kleinformaten sind Annette Reichardt und Stewens Ragone verantwortlich. Das Überraschende für viele Besucher ist wohl, dass das Paar alle Bilder gemeinsam entwickelt. Los geht es mit der Auswahl des Hintergrundes, über die Formatgröße und das Material bis hin zu den Motiven. Der Betrachter sucht in den Gemälden vergeblich nach Brüchen, die dokumentieren könnten, welcher der beiden Künstler welchen Arbeitsschritt getan hat. „Wir teilen unsere Genialität und befruchten uns gegenseitig“, sagt Annette Reichardt.

Wenn Paare zusammenarbeiten, muss es doch auch Auseinandersetzungen geben, oder nicht? Diese Frage interessierte auch die Besucher der Ausstellung „Der tut nix, der will nur spielen“, die nun von Stewens Ragone, Annette Reichardt und Kurator Pit Goertz sowie Künstlerin Manuela Krekeler-Marx in der Galerie „Die Treppe“ eröffnet wurde. Annette Reichardt beantwortete die Frage gerne: Selbstverständlich habe man manchmal Meinungsverschiedenheiten, gestand sie lächelnd, aber nur in der Sache. „Ansonsten“, sagte Stewens Ragone, „addieren wir uns, sind durch und durch Teamplayer, die gemeinsam bessere Arbeiten schaffen als jeder für sich alleine.“

„Hybride“ haben Ragone und Reichardt ihre Art des Malens genannt. Alles ist aus zwei Welten zusammengesetzt. Die erste Welt umfasst den abstrakten Hintergrund eines Gemäldes, die zweite wird figürlich in diese Abstraktion hineingearbeitet. Bespiele an den Wänden untermauern diese Theorie. Vor einem abstrakten Hintergrund sitzt ein Vogel auf einem Zweig, in den Händen, durchaus als menschlich zu erkennen, eine Kaffeetasse.

Signale gegen Gewalt, insbesondere gegen die mit Waffen, setzen die Maler mit dem Bild einer Frau, die im Liegen schießt. Daneben ist Albrecht Dürer im Großformat zu sehen. Tritt man näher heran, erkennt man außerdem, dass Dürer eine Maske trägt, mit dem Antlitz von Stewens Ragone.

Die dritte Künstlerin im Bunde ist Manuela Krekeler-Marx. Wenn man weiß, mit welchen Skulpturen sie arbeitet, dann betrachtet man unwillkürlich ihre Hände. Sie sind fraulich, zart und ohne sichtbare Spuren ihrer Arbeit. Verwunderlich, denn Krekeler-Marx häkelt ihre Skulpturen nicht etwa mit zarter Wolle, sondern mit einem dünnen Edelstahldraht und mit rostigem dicken Draht. Ihre Werkzeuge sind 14-Zoll-Nägel und diverse Zangen.

In ihren Werken sitzt beispielsweise der berühmte Froschkönig auf einer Bombe, gehäkelt aus Edelstahldraht an einem Stück. Genauer unter die Lupe nehmen, können die Besucher auch einen Drahthasen, der mitten in der Adventszeit auf Ostern wartet. An der Wand hängt zudem eine Pistole, dazu gehören Magazin und Patronen – gehäkelt. Ein Imitat bajuwarischer Lederhosen regt außerdem zu Vermutungen an, wem wohl dieses metallene Höschen guttun könnte. „Die Welt ist voller Gewalt und kriegerisch“, stellt Manuela Krekeler-Marx fest. „Deshalb setze ich Impulse, die zum Nachdenken anregen sollen.“ Dabei sei die große Geste das ihre. „Ich setze mich mit dem Irrsinn in unserer Welt auseinander“, heißt das Motto, unter dem die Künstlerin handelt.

Kurator Pit Goertz hat dieses Trio, das sich in seinen Ideen sehr ähnelt und Gleichartiges erreichen will, zusammengebracht. Nur schade, bedauerte Justus Peters, Vorstand des Kunstfördervereins Kreis Düren, dass Goertz die Ausstellungen in der Treppe nicht mehr machen könne. „Es gibt keine Zufälle“, behauptete Goertz in seiner letzten Rede. Denn bei der jetzigen Ausstellung des „Trio Infernale“ sei eine große Übereinstimmung festzustellen in Ideen, Zielen und ihren Wegen dorthin.

Die Arbeiten sind noch bis Sonntag, 8. Januar, zu besichtigen. Die Öffnungszeiten sind mittwochs, donnerstags und freitags von 16 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 11 bis 14 Uhr.

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