Düren - Gelungene Inszenierung von Goethes Faust: Alter Stoff neu erzählt

Gelungene Inszenierung von Goethes Faust: Alter Stoff neu erzählt

Von: Anke Holgersson
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Die Stimmung in Auerbachs Keller ist groß – und die Inszenierung von Goethes Faust des Landestheaters Burghofbühne Dinslaken ist außergewöhnlich. Foto: Claudia Veith
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Mephistopheles (Matthias Vogel) hat auch als Merkel-Parodist das Publikum begeistert. Foto: Claudia Veith

Düren. Wohl kaum ein anderer Theaterklassiker ist so sehr prägender Bestandteil der deutschen Kultur wie Goethes Faust. Nadja Blank, Dramaturgin der Burghofbühne Dinslaken, schätzt, dass Faust eine Bekanntheit von 95 Prozent hat. Und gerade dort setze Regisseur Matthias Fontheim für seine Faustversion an.

Er wolle den Stoff neu erzählen und hautnah erlebbar machen. Tatsächlich gelingt ihm das. Es dauert einige Momente, bis die (überwiegend jungen) Zuschauer sich darauf einlassen, dass dieser Theaterabend nicht nur auf der Bühne, sondern auch im vollständig erleuchteten Zuschauerraum stattfindet, weil die Figuren sich eben auch dort bewegen.

Doch dann gehen sie mit, sind erstaunt über die Aktualität der Sprache (die Fontheim zwar im Original benutzt, aber nicht nach Versmaß betonen lässt) und über die vielen sehr komischen Momente im Stück (die natürlich immer schon da waren, aber selten so lustvoll ausgespielt wurden).

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Matthias Vogel als ein Mephistopheles, der ein sympathischer Wünsche-Erfüller ist, ein Entertainer, der gerne für ein Selfie zur Verfügung steht und das Geschehen hier und da popmusikalisch untermalt. Der Originaltext wird bei und mit ihm zur Comedy, zur Merkel-Parodie und sogar zum Rap, ohne dass der Text verraten würde. Das ist eine ebenso großartige Leistung wie die von Friederike Bellstedt, die den Faust spielt. Eine Frau als Faust, um zu zeigen, dass Lust keine männliche, sondern eine menschliche Versuchung ist?

Die drei Freundinnen Umida Baxtiyorova (20), Katharina Gilles (19) und Jennifer Brauer (16), hatten ihre Zweifel, ob das gutgehen könne. Doch die sind schon in der Pause abgehakt. Dass Faust von einer Frau gespielt wird, vergesse man beinahe. Sie empfinden die Inszenierung als authentisch und mitreißend. Und das ist sie wirklich. Auch dann noch, wenn im zweiten Teil des Abends Gretchens Tragödie ihren Lauf nimmt. Charlotte Will spielt Gretchens Wandel von Naivität zum Mix aus Erkenntnis und Wahn so eindringlich, dass auch der letzte Zweifel schwindet, ob Fontheims tragikomischer Faust gelungen sei. Es ist dessen erste Produktion als (wieder) freier Regisseur, nachdem er bis 2014 die Intendanz am Staatstheater Mainz innehatte. Er arbeitet im besten Sinne mit den reduzierten Mitteln des freien Theaters, indem er sie lustvoll nutzt. Ein Befreiungsschlag, der in Düren langanhaltenden Applaus erhält.

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